Es ist das Jahr 1989 und DJ Darky hat den beinahe perfekten Beat produziert.
Text: Christoph Schaub aus De:Bug 138

Es ist das Jahr 1989 und DJ Darky hat den beinahe perfekten Beat produziert. Was noch fehlt, ist die Kollaboration mit dem wenig bekannten, verschollenen Avantgarde-Jazzmusiker Charles Stone. Die Suche nach ihm führt DJ Darky von Los Angeles nach Berlin, wo er in der Bar “Slumberland” als Jukebox-Sommelier zu arbeiten beginnt. Der Plot des Romans klingt vielversprechend, ist jedoch nicht das Detail, das den den dritten Roman des afroamerikanischen Autors Paul Beatty letztlich besonders macht.

Die internationale Wahrnehmung und Herstellung von Popmusik sowie das aus der Perspektive eines schwarzen US-Amerikaners gesehene Berlin zur Wendezeit markiert den Schlüssel zur Bewunderung des Werks. Ständig eröffnet Slumberland neue Konstellationen aus zumeist popkulturellen Referenzen, die man so zusammen noch nicht gelesen, geschweige denn erwartet hat: Gewitzte Wortspiele, abstruse Figuren, sowie spektakuläre Überzeichnungen und provokante Vergleiche sind nur einige der vielen verwendeten Mittel.

All das ist vor allem lustig und eröffnet zugleich durch die Schreibweise die kritische Dimension des Romans. Beatty schreibt an gegen Klischees und plädiert für kulturelle Vielseitigkeit. So entwirft der Romans alternative Vorstellungen von Identität, indem er Ideen, Prozesse oder Dinge in neue Konstellationen bringt – wie es übrigens auch DJ Darkys aus allen möglichen musikalischen Einflüssen zusammengesetzter Beat schafft, wenn Musik als Metapher für die größeren Frage von Identität begriffen wird. Als Satire legt er zusätzlich den Rassismus im Popjournalismus wie auch dem im Berliner und US-Amerikanischen vorherrschenden Alltagsleben offen.

Der afroamerikanische Protagonist, der permanent diesen rassistischen Zuschreibungen ausgesetzt ist, begegnet dem Zustand mit entlarvendem Wortwitz: Stereotype erfassen die Komplexität menschlicher Lebensläufe und kultureller Produkte einfach nicht. So brillant der Roman dies vorführt, so problematisch ist es, dass er nur humoristisch über rassistische Gewalt und Verletzungen sprechen kann. Der Humor bleibt nur in wenigen Momenten auf der Strecke: in den kurzen Passagen, die den in Erfahrungen von Rassismus gegründeten Freitods einer afrodeutschen Figur schildern. Danach erzählt Beatty jedoch gleich schreiend komisch weiter.

blumenbar

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Elektronische Lebensaspekte.

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