Netzkünstler Ian Page konditioniert sich selbst.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 151

Bei Anrufen und SMS spritzt der Kopfapparat jeweils etwas Zitronensaft in den Mund seines Erfinders Ian Page, der die Vorrichtung zwei Wochen lang trug, um herauszufinden, wie sich sein Verhältnis zum Handy verändert – Eigen-Rekonditionierung nach Pawlow, denn natürlich regt Zitronensaft das Speicheln an.

Nun gehört Ian Page allerdings zu den Jungspunden, denen alte Säcke nachsagen, sie würden Netzkunst machen: interessante Ideen, trashig hingepfuschte Aktionen, meist mies dokumentiert und damit in der ungooglebaren Zone – weil nur dort die Fantasie walten kann? Wir wissen es nicht und genauso verhält es sich mit dem Rest der Geschichte, wie sie uns Netzkünstler Ian Page – der Name ist aus Suchmaschinenperspektive übrigens obervieldeutig unscharf – weismachen will.

Aber der Plot ist bemerkenswert: Ian war seit acht Jahren daran gewöhnt, auf das Vibrationssignal zu achten, trotzdem schwenkte der Fokus seiner Aufmerksamkeit sofort vom Rütteln in der Hosentasche auf das Anspringen der Pumpe auf dem Kopf. Erster Effekt: Die lästigen Phantom-Anrufe blieben aus. Nach dem Experiment kehrte das eingebildete Vibrieren und Klingeln aber prompt zurück, nachhaltig war die Verhaltensprägung also nicht. Und während das erwartete Speicheln beim Gedanken an Anrufe gänzlich ausblieb, reagierte Pages Körper nach einigen Tagen mit einer leicht allergischen Reaktion auf jeden Spritzer Zitronensaft: “Mein Gesicht fing an zu brennen, außerdem hatte ich erhöhte Temperatur.”

Um wie Pawlows berühmter Hund auf bestimmte Ereignisse oder Gedanken mit Speicheln zu reagieren, müsste man den Apparat unterdessen deutlich länger als zwei Wochen tragen, meint Page – wovon er naheliegender Weise absah, um sich einem neuen (Gedanken-)Experiment zu widmen: Durch geschickte Konditionierung soll sein Körper einen Sinn fürs Anschwellen der Mobilfunkwellen im Vorfeld von Anrufen oder SMS entwickeln.

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Cloud Computing in Wolkenkuckucksheim!

2 Responses

  1. Handy

    Haha. Das ist ja wirklich mal eine lustige Aktion. Ich glaube, dass mih der Zitronensaft noch eher aufregen würde als das Vibrieren. Wobei dieses Signal natürlich eindeutig ist und es nicht zu den “Phantomanrufen” kommen kann. Ich finde solche Aktionen immer lustig und lese gerne darüber.

  2. wef

    Mein Tipp: Einen Elektroschock an den Hodensack. Dann kann man wunderbar unter der Keidung verbergen und somit länger als zwei Wochen tragen!