Svein Berge und Torbjørn Brundtland lehren ihrem Weichzeichner das Tanzen. Dennoch ist ihr zweites Album wieder ausgeklügeltes Soft-Eis pur.
Text: Verena Dauerer aus De:Bug 94

Perfektionisten der Softness – Röyksopp

Auf dem Papp-Cover von “The Understanding”, dem zweiten Album der zwei Norweger Röyksopp, herrscht 70er-Rock mit langen Haaren, Klavier und Blümchenbuchstaben. Aber keine Panik: Der Erstling “Melody A.M.” versöhnte Pop und Soft Core, wohlgemerkt, streng ausgetüftelt mit dem Weichzeichner. Vier Jahre später verhält es sich beim Nachfolger von Svein Berge und Torbjørn Brundtland ähnlich, aber anders. Mit der gleichen Exaktheit des Rationalen darf die Disko dabei sein. Immer noch pflegen Röyksopp eine offensichtliche Verbundenheit zu den 70ern und Synth-Pop, Burt Bacharach und Eric Satie halten dabei Händchen. Diesmal lässt auch Prince grüßen und bei dezent schnelleren Nummern rücken die Beats statt der Synthie-Wellen in den Vordergrund. Svein und Torbjørn haben sich eben als Perfektionisten der Softness verschrieben. Einer lieblichen Softness, die das Pathos mit orchestralen Mitteln schlägt. Dieser Art Glätte darf man nicht böse sein, ihre Seichtheit ist so perfekt wie ihre Suche nach Harmonie. Auf “The Understanding” kann man wie auf einer Sound-Oberfläche gleiten, als würde man mit Schlittschuhen auf einer sonnenglänzenden Eisfläche äußerst elegante Schnörkelschlieren ziehen. Niemals käme man auf den Gedanken, Soft-Eis mit dem Pickel aufzuhacken.
Schon gar nicht bei “49 Percent”, gesungen von Chelonis R. Jones, der die Röyksopp-typische Fragilität in seine Stimme legt. Wie sie zum Get-Physical-Label kamen: von M.A.N.D.Y.s Remix vom Track “Sparks” aus dem ersten Album, dann hörten sie Jones’ “I Don’t Know”. Und schließlich war es die Arbeitshaltung, Jones war im Studio mit ihnen ebenso fokussiert und perfektionistisch wie sie. “Auf Zuruf konnte er seine Stimme nach unseren Wünschen kontrollieren”, sagt Svein. Das hat ihnen imponiert. Weitere wohl ausgesuchte Gastsängerinnen sind Karin Dreijer von The Knife und Kate Havnevik.
Natürlich haben sich Svein und Torbjørn gut überlegt, was sie nach vier Jahren abliefern: Bestimmt “keine Kinderchöre und keine Streichersektion. Wir wollten nicht in die offensichtliche Richtung gehen und das übliche überproduzierte zweite Album mit angeheuerten Produzenten machen”, erklärt Torbjørn. Dafür wären die beiden sowieso zu bedacht. Sie, die man von der musikalischen Stimmung her eigentlich in eine Ecke mit AIR stellen könnte, denen sie bisher nie begegnet sind. Gut so vermutlich, denn dann gäbe es die ernsten Jungs von AIR gegen die rumspielenden Kids von Röyksopp, die zwischendurch daddeln und beim Interview Kinderstunde spielen. Man muss immer so lang warten, bis der Rechner den Musikkram umgerechnet hat, erzählen sie. Derweil krakelt Torbjørn wild mit dem Edding, Svein macht Faxen und sagt immer auf Deutsch “Tragödie” mit einem mehr als streberhaft gerollten R. Dann bauen sie feixend eine kleine Veranschaulichung ein: Auf dem Laptop zeigen die beiden stolz, wie sie mit Wavelab die Schönschrift üben und ihre Sound-Kürvlein begradigen. Da verstehen sie sich mehr als Designer und sehen das als visuelles Styling, als Make-Up für die Stücke. Bei den Videos zu den Tracks später ist ihnen die Umsetzung schließlich auch wichtig, und sie suchen sich die hippen Franzosen von H5 oder jetzt für die erste Single “Only This Moment” die englischen Blunt. Wie clever kann man den Erfolg angehen: “Please note that we close tomorrow until monday, but record industry is open”, sagt Svein und grinst.

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Elektronische Lebensaspekte.