D.I.S.C.O. safed my life! Zumindest die Karriere von Peshay. Nach einer künstlerischen Dürrephase besinnt sich Drum and Bass Urgestein auf die Discokugel, lässt die jazzige Einbahnstraße ganz weit links liegen und startet mit neuem Label und neuer Energie durch. Bis in die englischen Charts.
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 63

Peshay ist busy. Richtig busy. Und verdammt zufrieden. Seitdem er mit “You Got Me Burning” wie Phönix aus der Jazzfalle direkt in den Discohouse umarmenden Filter-Drum and Bass-Himmel – und mit knapp zwanzigtausend verkauften Maxis gleich auch noch in den rosaroten der britischen Charts – emporgestiegen ist, ist er wieder da angekommen, wo er sich sowieso immer verorten würde: im Drum and Bass-Olymp. Ganz oben, versteht sich. Da, wo sich die Leute um einen reißen, für die Remixanfragen eine extra studentische Hilfskraft engagiert werden muss und die Majorlabels mit ausgefüllten Blankoschecks hinter einem her jagen.

Wollen sie neu starten?

Knapp zwei Jahre hatte man von dem Produzenten Peshay nichts mehr gehört. Als DJ umkurvte er, so konnte man immer mal wieder hören, nach wie vor die Welt, ansonsten war er untergetaucht. Ein Umstand, den ehrlich gesagt kaum jemand störte, denn nach dem durch die Monate dauernde Bürokratieschlacht zwischen Mo’Wax und Island Records die Halbwertzeit seines Debutalbums “Miles from Home” überschritten war und auch die fröhlichst gezupften Kontrabass-Saiten im Sommer 1999 unglücklicherweise niemanden mehr in Ekstase versetzen konnten, gab Peshay weiterhin den uninspriert wirkenden alten Heroen, der mit seiner gesampelten Big Band auch durch das letzte Dick und Dünn gehen wollte. Und auch sein Label Pivotal, das er gegründet hatte, während sich die Majors noch um die Rechte an “Miles from Home” prügelten, darbte mit mittelmäßigen Releasen vor sich hin. Ein guter Moment für eine Auszeit, die in diesem Falle aber eher eine tragische Ursache hatte. “Anfang 2000 wurde bei meiner Mutter Krebs diagnostiziert. Bis es ihr Mitte 2001 langsam wieder besser ging, habe ich nicht einen Track produziert. In der Zeit habe ich mich um meine Mutter gekümmert und lediglich aufgelegt. Aber auch das eher wie auf Autopilot. Ich fühlte mich, wie man vielleicht verstehen kann, nicht gerade inspiriert. Der Gesundheitszustand meiner Mutter war einfach immer in meinem Kopf. Die Zeit war günstig, ein wenig Abstand von allem zu gewinnen und zu gucken, wo ich hin wollte.” Und das hieß vor allem raus aus der jazzigen Liquid Funk-Einbahnstraße, in die er sich manövriert hatte. Als erstes trennte er sich von Pivotal. Die Vorstellungen von ihm und seinem Partner waren mittlerweile zu unterschiedlich. Etwas Neues musste her. Ein neues, ein eigenes Label, das vollkommen unter seiner Obhut stehen würde. Und ein neuer Sound. Reinventing Peshay hieß der Auftrag. Dass er seine bekannten House- und Discovorlieben (“Disco ist mein absolutes Lieblingsmusikgenre”) als Inspirationsquelle nutzen würde, war dann auch irgendwie naheliegend. Nicht nur weil dank J.Majiks “Spaced Invader”-Remix die ausbaufähige Blaupause für die euphoriemaximierende Kollision von Drum and Bass und (geloopter Filter-)Disco schon vorlag (diesen Zusammenhang würde Peshay selber auch mit Sicherheit abstreiten), sondern vor allem wenn man bedenkt, dass diese Einflüsse schon immer Teil seiner Tracks waren. Nur eben nicht so plakativ.

Das wär gut, ja

Wie schon erwähnt, ist Peshay anno 2002 extrem beschäftigt und vor allem geradezu euphorisch über den Einstand, den er mit seinem neuen Label Cubik hatte. Die Zufriedenheit sprudelt mit jedem Wort aus ihm heraus. Mit der Autorität des zu Unrecht Totgeglaubten (und des Chartbreakers) gibt er Sätze wie “um zu beweisen, dass du zurück bist, musst du ein Statement machen.” Oder “du musst den Leuten beweisen, dass es dir ernst ist. That u mean business” zu Protokoll. Und Peshay hatte scheinbar eine ganze Menge zu beweisen. Nicht zuletzt sich selbst. Jetzt wird er von Produzenten, die im Drum and Bass-Universum in diametral entgegengesetzten Galaxien wie Aphrodite und )EIB( um Remixe gebeten und Fabio und Grooverider schicken Glückwunschtelegramme. Wie sich die Zeiten ändern können. War Peshay bei seinen Interviews zu seinem Debutalbum vor drei Jahren vor allem notorisch gereizt und auf Nachfragen zu eventuellen Engineer-Tätigkeiten von Leuten wie Mark Caro aka Decoder in kürzester Zeit eingeschnappt, hat er dieses Mal für Sticheleien aus der Gerüchteküche nur ein siegesbewusstes Lächeln über. A-Sides sein Engineer? Pffft, das hätte der wohl gerne. Und überhaupt macht er (Peshay) alles selber. Und natürlich auch verdammt gut. Was man spätestens bei seinem Soloalbum im nächsten Jahr merken würde. Soloalbum? Nächstes Jahr? Und was ist mit “Fuzion”, dem als Peshay-Album deklarierten Tape, das gerade seine Runde macht?
“‘Fuzion’ ist nicht mein Soloalbum. Das ist mehr wie eine Compilation. Peshay presents Fuzion. So in etwa. Ich bin zwar an allen Tracks beteiligt, aber teilweise nur als Co-Produzent. ‘Fuzion’ ist mehr eine Labelcompilation, auf der ich einige meiner neuen Künstler wie Co-ordinate, mit dem ich auch ‘You got me Burning’ gemacht habe, oder Neil Mac vorstelle. Auf meinem Soloalbum werden Ultranaté, Elisabeth Troy und wahrscheinlich Mos Def als GastsängerInnen auftreten. Dann werden alle wissen, wie der neue Peshay-Sound klingt.”

Bis es soweit ist, wird es erstmal noch einige 12″s aus dem Hause Cubik geben, die Peshay (und wahrscheinlich auch seine Labelmates) an die Spitze der mit genug Credibilty und Style ausgerüsteten, massenkompatiblen Discofrontkämpfer bringen dürfte. Und wahrscheinlich wird es sich einem spätestens dann auch schon erschlossen haben, wie der neue Peshay-Sound klingt. Bleibt nur zu hoffen, dass er sein “echtes” Soloalbum früh genug herausbringt.

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Elektronische Lebensaspekte.