In der Hip-Hop-Welt ist sein Name legendär, keine Alltime Favorite Top Ten ist ohne eine von ihm produzierte Nummer komplett. Die Rede ist vom Soulbrother #1: Pete Rock.
Text: Ekrem Aydin aus De:Bug 82

Überlebenskämpfer
Pete Rock

Einst unterwegs mit seinem Partner in Rhyme C.L. Smooth, trennte er sich vor einigen Jahren von selbigem und begründete dies damals mit: “Wir hatten einfach verschiedene Visionen“. Als Remixer hatte er zu dieser Zeit bereits Originale von Künstlern wie Public Enemy, Jeru The Damaja, Mary J. Blige und anderen zu ewigen Clubclassics veredelt, doch der zu seinen Duettzeiten beinahe völlig im Hintergrund agierende Pete Rock drängte immer häufiger selbst an das Mikrofon, wurde von seinen Fans dafür geliebt und von vielen Kollegen verspottet, da sie ihm neben dem Produzieren von Beats wohl nicht noch ein Talent zuschreiben mochten.
Und trotzdem, als Pete Rock Ende der Neunziger rief, kamen alle. Es ging darum einen weiteren Traum zu verwirklichen: Soul Survivor. Ein Konzeptalbum, bei dem Pete Rock die exorbitante Musik wie immer ausschließlich mit den Produktionsmitteln seiner Wahl, der MPC und der SP1200 zauberte und deren eingeschränkte Möglichkeiten seiner Meinung nach bis heute das Geheimnis eines jeden guten Beats sind. Das Album wurde schon im Vorfeld der Veröffentlichung zu einem Klassiker stilisiert und Gerüchte um eine Wiedervereinigung mit seinem ehemaligen Partner C.L. Smooth wurden durch ein Stück auf der LP noch geschürt. Überhaupt hielt sich dieses Gerücht, das wohl stets mehr Wunschdenken der Fans war, über all die Jahre hartnäckig. Selbst die objektivsten Schreiberlinge mutierten zu hysterischen 15-Jährigen, wenn es um die Zusammenarbeit der beiden ging. 2004 scheint das Jahr der Vereinigung zu sein. In diesem Monat erscheint Soul Survivor II und darauf gleich zwei neue Nummern der beiden, doch vornehmlich bleibt es ein Pete-Rock-Produzentenalbum und das bedeutet, dass neben ihm selbst erneut so illustre Gäste wie Talib Kweli, Pharoahe Monch, Dead Prez, RZA vom Wu-Tang Clan und weitere zum Mikrofon greifen.
Auf die Frage, ob er in Zeiten, in denen synthetische bzw. elektronische Klänge verstärkt Einzug in Hip Hop halten, noch eine wirkliche Chance für seine klassisch an Soul-, Jazz- und Funksamples orientierte Musik sieht, antwortet er: “Wenn ihr euch meine erste Singleauskopplung ‘Warzone’ mit Dead Prez von Soul Survivor II anhört, werdet Ihr merken, dass ich auf jeden Fall am Puls der Zeit geblieben bin.“ Genau an diesem Track wird auch die ganze Crux deutlich: Die Frage ist, ob Pete Rock es schaffen wird die Freunde seiner Musik mit neuen Stilen nicht nur zu überzeugen, sondern auch begeistern zu können. Auf diese Frage entgegnet er: “Oh sorry, der nächste Interviewer ruft durch. Muss leider aufhören. Danke.“ Er überlässt es also uns, darüber zu befinden, ob z.B. ein von ihm bereits vor einem Jahr für Prozack Turners “Wonderful Life“ verwendeter Beat noch mal auf “Just Do It“ mit Pharoahe Monch auftauchen darf und ob unser Hunger nach Neuem damit gestillt ist. Anhören bleibt eben doch Pflicht.

Pete Rock, Soul Survivor II, ist auf BBE / Rapster erschienen.

http://www.peterock.net
http://www.bbemusic.com
http://www.rapsterrecords.com

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.