Text: paul paulun aus De:Bug 02

Pfeifen im Walde

von Paul Paulun (traveler@buzz.de)

Vom 21.8. bis 4.9. wird die Schweizer Stadt Luzern zur ‘Welthauptstadt des Pfeifens’ deklariert. Den Anlaß dafür bietet das im Rahmen der Internationalen Musikfestwochen stattfindende, von den Berliner ‘Freunden der guten Musik’ organisierte und unter künstlerischer Leitung von Nicolas Collins, Valerian Maly und Matthias Osterwold stehende Festival ‘Pfeifen im Walde’.

Dank seines generationen- und themenübergreifenden Charakters beinhaltet es auch aus elektronischer Sicht einige hörenswerte Komponenten, wie den Auftritt von Frieder Butzmann, der das Festival mit einem collagenartigen Freilufthörspiel diverser Pfeifentöne, unter Einbeziehung der natürlichen Gegebenheiten, eröffnet und darüber hinaus für diesen ersten Abend als MC fungiert. Oskar Sala transportiert sein Trautonium von der Spree an den Luzerner See, um aus seinem Repertoire Kompositionen für Film und Konzert zu spielen und Alvin Lucier führt die beiden Stücke ‘Bird and Person Dyning’ und ‘Tyndall Orchestration’ auf. Ersteres thematisiert die Rückkopplungen zwischen einer im Publikum befindlichen Tonquelle in Form eines elektronischen Vogels und Lucier, der diese durch Bewegungen von Kopf und Körper beeinflußt. ‘Tyndall Orchestration’ befasst sich mit den Geräuschen, die Flammen von sich geben, wenn sie unter übergestülpten Glasröhren in Atemnot geraten und den Bewegungen, die sie unter Einfluß von Tönen ausführen.
Neben diesen reinen Klangphänomenen, sozusagen symbolischen Motiven, steht natürlich das reine Lippenpfeifen im Vordergrund, zu einem großen Teil aus ethnologischer Sicht. So widmet man sich der auf Gomera verbreiteten Pfeifsprache Silbo, aber auch der Bedeutung des Pfeifens in Regionen von Laos, Tuva, Zentralafrika und Französisch-Guyana.
Komplettiert wird das Programm durch Untersuchungen von Querverbindungen zu Barock- und Renaissancemusik sowie 11 Filmen, in denen das Pfeifen eine tragende Rolle spielt. Lustigster Bestandteil dieses Festivals, zumindest aus urbaner Sicht, dürfte allerdings der Schafhütehunde-Pfeifkommando-Wettbewerb sein, der bei jedem Wetter auf Wiesen und Weiden außerhalb der Stadt ausgetragen wird.

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Elektronische Lebensaspekte.