Phil Weeks und sein Robsoul-Label gehören neben Brique Rouge zu den französischen Erbverwaltern amerikanischen Garagehouses. Robsoul hat Jungbrunnenpatent und bounct auf der Suche nach möglcihen Anknüpfungspunkten forsch durch die Geschichte von Housemusik
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 63

Pariser Ghetto-Soul

Manchmal steht man so ehrfürchtig vor der Geschichte von Housemusik, wenn man sich zum Beispiel vor der eigenen Plattensammlung mit all den großen Namen, die man ausspricht wie Legenden, verneigt, und man gar nicht so recht weiß, wo man anfangen soll, sich selber darin zu verorten. Phil Weeks, anders als David Duriez, mit dem zusammen er das Label Stay True handelt, ist ein Pariser und hat fast 5 Jahre gebraucht, um zu wissen, was sein Stil sein könnte, um dann im verheißungsvollen Jahr 2000 sein eigenes Label Robsoul mit einem Whitelabel zu beginnen, was auch David Duriez auf ihn aufmerksam machte. “Mit 6 Jahren wurde ich dazu gebracht Violine zu lernen, und klassisches Schlagzeug, was ich verständlicherweise alles nicht mochte. Als ich 16 war, hatte ich dann endlich den Mut aufzuhören und begann vor allem Funk, HipHop und Reggae, aber auch elektronische Musik zu hören und mir mein eigenes Equipment zu kaufen. Vermutlich war all das der Grund, warum seitdem amerikanische Housemusik die größte Rolle für mich spielt. Ich liebe einfach diesen Ghetto-Aspekt von Musik.“

Dass Paris ein Ghetto sein kann, brauchen wir wohl nicht zu erklären. Und dass einen Musik, selbst House, wenn man den Blick für den Underground gar nicht verlieren kann, immer nur halb da raus, halb da wieder rein katapultiert, wohl auch nicht. Denn House, vor allem wenn man darunter amerikanische Housemusik versteht, bringt einen immer wieder zurück zu den Basics. Und wo man dann wohnt, wird schnell unwichtig, auch wenn Robsoul und Phil Weeks sich durchaus einen Namen in der Stadt gemacht haben. Nachdem er mit Lion I in den späten 90ern angefangen hatte Reggae zu produzieren, wurde irgendwann klar, wo diese Art von Ghetto-Soul immer wieder am klarsten zu finden ist, um die sich seine Musik drehen sollte. Zwischen Rauchschwaden von Haschisch und der daraus folgenden kompletten Verwischung von Urspüngen, Herkünften, linearen Zeiteindrücken usw. fanden die beiden in ihrem Studio zu ihrem Sound: “Freakige Dancefloor Tracks, manchmal deep, machmal technischer, aber vor allem immer mental“. Während seine Freunde Lion I und Rork aufgrund des Erfolges der ersten 12“ auf Robsoul eine Heimat fanden, sammelte er beim Auflegen und bei Livesets (im Folies Pigalle, Enfer, Rex etc.) noch mehr Leute wie Hector Moralez aus San Francisco. Mit seiner 12“ auf Music For Freaks war er endgültig in den Kreis der Housegrößen aufgenommen und eine 12“ von Derrick Carter war plötzlich nur noch einen Telefonanruf entfernt, denn im House-Ghetto rückt man gerne zusammen.

Und man erinnert sich nach einer durchgekickten Clubnacht im Batofar an alte Zeiten, bei denen man nur imaginär dabeigewesen sein muss, das aber dafür ungeheuer oft, um zu wissen, wie es sich heute noch anfühlt. Dann hängt sich Phil Weeks (auch wenn er nicht singen kann) schon mal ans Mikrophon und dreht an den Acidbasslines wie auf “Hypnose“ und fasst alles, was Musik für ihn bedeutet, in einem dieser enigmatischen Sätze zusammen, die House immer schon besser als alle anderen Stile hervorgebracht hat und die so banal wie schillernd sind in ihrer Art Grundsätzliches zu sagen, über House als Quelle, die Quelle von House, Acid und alles, was weit zurück in den 80ern liegt, wie man es immer wieder alles neu auferstehen lassen kann und warum es sich alles dennoch einfach so richtig anfühlt in dem Ghetto aus Soul, das amerikanische Housemusik ist und bleiben will: “Yeah, I Like That.“

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Elektronische Lebensaspekte.