Das Düsseldorfer Drum and Bass-Projekt Phoneheads sucht nach den Verbrüderungsmöglichkeiten fremdelnder Genres und findet dabei Freunde von Hip Hop bis Electronica, von Viva bis Carhartt.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 43

Dazwischen als Methode
Phoneheads

Phoneheads sind ein ständiges Dazwischen. Ein Dazwischen mit Methode. Sie sind nicht nur einer der wenigen Drum and Bass Acts, die konsequent auf einem nicht Drum and Bass Label veröffentlichen. Sie halten sich nicht nur, sowohl musikalisch als auch szene-politisch, aus den meisten Diskussionen raus, ohne sie aus den Augen zu verlieren. Man kann sie auch gleichzeitig auf zwei Floors booken, Philipp Maiburg auf dem Drum and Bass Floor, Scheibenreiter auf dem Loungefloor. Auch sonst machen sie dieses “Dazwischen” zu einer Methode. Nach dem Release ihres zweiten Albums sind sie, auch weil Drum and Bass grade soviel Spaß macht, voller neuer Projekte.

Pläne
Nachdem sie aus dem Atatak Studio in Düsseldorf (remember, Atatak, frühe NDW Legende und immer noch höchst aktives Label rings um Plan-Macher Frank Fenstermacher) in ihr eigenes Studio umgezogen sind, verläuft die Mischung immer präziser. 2Step, eine Sendung auf Viva, in der Videoacts auf DJ Sets treffen und nahezu jeder, der in der elektronischen Welt einen Namen hat, schon aufgetreten ist oder angeplant wurde, läuft, von Maiburg angeleiert, weiterhin auf Hochtouren. Der Zirkel um Phoneheads spannt sich immer weiter. Im neuen Studio und Büro treffen sich Leute aus den verschiedensten musikalischen Bereichen von HipHop bis Electronica und lassen aus verbindenden, sich überschneidenden Projekten leicht eine gelebte Realität werden, die weit in die Zukunft extrapoliert werden kann. Phillip Maiburg hat zusammen mit Carhartt grade eine neues Label mit dem passenden Namen “Combination” konzeptioniert. “Combination” soll sich zunächst mit Releases von Zusammenarbeiten befassen, die man so nicht erwarten würde. Ob es nun Torch und Mapstation ist oder Scheibenreiter und Antonelli Electr. Die Genres spielen nur noch eine Rolle, wenn man sie rekombiniert.

Albumkollaborationen
Auf ihrem Album “Second Sight” findet man eine ähnliche, wenn auch stärker auf Drum and Bass konzentrierte Herangehensweise. Remixe für die Bollock Brothers (und entfernter als so ein Altpunkzeug könnte man wohl kaum von Drum and Bass sein) sitzen hier seelenruhig neben Kollaborationen mit MC Glacius und Ronin von der befreundeten Precision und Broken Beats Crew, die auch das Booking für Phoneheads übernimmt. Daneben wohnen Tracks mit Basswerks Green Man oder einem Rhodespianisten aus Berlin. Mit dem hat man via Post DATs ausgetauscht. Auch Newcomer Orson ist auf dem Album, der sich einfach aus Interesse für Drum and Bass in Phoneheads’ Studio eingewöhnt hatte.
Musikalisch liegt das ganze auf der CD gut strukturiert in kleinen Blöcken zwischen Whirlpoolbasslinetracks der Opticalschule, ruhigen Downtempotracks und dubbigen Drum and Bass-Stücken, denen allen eine Euphorie für Weite im Sound anzumerken ist, die man auch bei einigen anderen deutschen Producern wie Simon V findet.

Entfernung als Kapital
Phoneheads ziehen aus Düsseldorf, so weit weg es von den Zentren des Genres scheint, ihr Kapital: Entfernung von den klar definierten und strukturierten Bewegungen schafft dort eine Nähe zu einzelnen Leuten. Man trifft sich, aber das ‘sich’ beschränkt sich nicht so sehr wie in manchen anderen Städten nur auf die gut ausgebaute, eigene musikalische Szene. In Düsseldorfs Club “Unique”, dem einzigen konstanten Mittwochs-Drum-and-Bass-Club-Deutschlands (Wednesday Breaks), können die Genres eben auch gemischt werden, musikalische ganz nach den Vorlieben von Maiburg (straightere Drum and Bass Sets) und Scheibenreiter (Downtempo, aber auch ruhigere und spleenigere Drum and Bass Tracks), und auch alle anderen Genres. Also trifft man auf jeden, der mit den Surroundings von Studio, Graphik usw. zu tun hat. Grade vielleicht auch, weil hier nach dem Wegfall des EGO-Clubs ansonsten nicht viel los ist, kann man nach neuen Zusammenhängen und Inspirationen suchen. Und die, hat man sie erstmal eine Weile lang gelebt, liegen plötzlich um so klarer da.

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Elektronische Lebensaspekte.