Früher Allgemeinwissen, heute Mythos: Wir bringen in Erinnerung, wie man den Pitch eines Technics tunet.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 92

Wie tune ich meinen Technics

Früher war es Allgemeinwissen, dass Technics einfach zu langsam sind und man sie deshalb schneller machen muss. Wie will man all die verschiedenen Tracks auf Tempo bringen, wenn man einfach nur +-8% zur Verfügung hat? Das ist doch Scheiße, gebt es zu. Gleichmacherei! Gemeinheit! Vor allem, wenn rings um einen rum der digitale Quatsch, mit dem man so auflegen soll, viel, viel mehr kann und dabei auch noch die Tonlage hält. Deshalb hier: kurzer Auffrischungskurs im Technics-Tunen. In den frühen 90ern galt tatsächlich stellenweise: kein DJ ohne Schraubenzieher. Das war praktisch, weil man konnte sich auch für andere Dinge einen borgen. Es gab zwar durchaus DJs, die mit getuneten Plattenspielern nicht klarkamen, aber selbst von denen hatten einige einen Schraubenzieher mit, um im Notfall die Technics wieder runterzutunen. Selbst rigoros spießige Clubbesitzer waren nach einer kleinen Gewöhnungszeit überzeugt, dass Technics-Tunen ihren teuren Schmuckstücken weniger schadet als ein Becks neben den Decks. Also: rein in den Baumarkt und einen schönen Qualitätskreuzschraubenzieher kaufen, einen festen Platz in der DJ-Kiste dafür sichern, alte Traditionen wieder aufleben lassen und nieder mit dem BPM-Diktat. Das alles ist locker während des Auflegens zwischen zwei Platten erledigt und geht so: runter mit der Slipmat. In die beiden Löcher im Plattenteller die Zeigefinger (soweit vorhanden) einhaken und die Daumen auf den Nippel in der Mitte. Den Warnaufkleber geflissentlich überlesen und Plattenteller absolut senkrecht mit bestimmendem Druck hochwuchten. (Ja, das scheint zu klemmen, das geht nicht leicht, liegt an dem Magneten). Ordentlich die Metallfelge auf die Slipmat legen und Schraubenzieher raus und die fünf Schrauben der Plastikabdeckung lösen (falls es dunkel sein sollte: vier bis fünf Umdrehungen reichen). Schrauben in das Ding, wo der Puck für 7”s fehlt, legen, die findet ihr sonst nie wieder und Plastikabdeckung ruhig mal nebenher säubern. Auf ca. 2 Uhr gibts einen kleinen, aber auffälligen blauen Regler am rechten oberen Rand der Platine, den man mit dem Schraubenzieher sanft (wichtig, sonst ist die Party vorbei) ein paar Millimeter im Uhrzeigersinn (so bei ungefähr 4Uhr ist normalerweise Schluss) dreht, bis es nicht mehr geht. Dann Rewind, zusammenschrauben (geht auch ohne, ist aber nicht so nett, was nicht geht, ist die Schrauben nur halb wieder reinzuschrauben), Plattenteller drauf und ab gehts mit dem Pitchturbo. Zwischen 0 und +/-2 ist das jetzt zwar alles schwindelerregend rasanter, aber um den Nullpunkt herumzumixen war bei normalen Technics ja noch nie eine gute Idee. Wir würden empfehlen, das Ganze zu Hause ein paar Mal zu üben, damit die tiefe Ehrfurcht vor dem MK2 schwindet und man auch wirklich den passenden Schraubenzieher dabei hat.

(PS: Wir reden hier von den klassischen 1200 oder 1210 MK2 Technics, nicht diesen neumodischen Dingern mit Namen wie GLDE, M5GE, MK5E etc.)

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.