Bislang erfreuten sich Alternativen zum klassischen Gamepad ebensowenig an Akzeptanz, wie an Ideenreichtum. Doch Sonys PlayStation-AddOn EyeToy Play bringt nun Bewegung in die Spielerzimmer: Eine kleine USB Kamera macht es möglich. Nutzt euren Körper als Interface.
Text: Nils Dittbrenner aus De:Bug 74

JO! AEROBIC MIT PLAYSTATION
Add on EyeToy

Sony, Taito und Konsorten übten sich hinsichtlich innovativer Interfaces für die Playstation 2 auf unserem Markt bislang leider in Zurückhaltung. Allein Lenkräder für die Renn- und Schießeisen für die Baller-Fraktion, die mäßig erfolgreichen Tanzmattenspielereien und die gefloppten Skate- und Fußballcontroller wurden bei uns gesehen. Exotischeres wie Zugfahren, Baggerführen, Schattentanzen oder wildes Trommeln mit jeweils eigens dafür konstruierten Controllern blieb japanischen PlayStation-Besitzern vorbehalten. Pad-Konvertierungen der auf kuriose Interfaces setzenden Benamis und Geschicklichkeitstiteln fanden bei uns nur geringen Anklang, wie Mad Maestro, dass sich ohne Dirigentenstab recht fad spielte. Aber Europa zieht nach: Nachdem SOCOM – U.S. Navy Seals die frisch ans Netz gegangene PlayStation mit einem Headset upgradete, kommt nun die sympathische USB-Kamera im PS2-Look daher. SOCOM konnte bei uns trotz funktionierender Sprachsteuerung wegen der überflüssigen Kriegs-Thematik nicht punkten. Dafür gelingt Sony mit EyeToy: Play endlich der große Wurf. Frisch aus dem eigenen Londoner Studio kommt neben der Kamera auch eine erste maßgeschneiderte Spielesammlung ins Haus und die sorgen zusammen nun für richtig Spaß.
EyeToy ist das erste Konsolen-AddOn, bei dem wir das Pad komplett links liegen lassen dürfen und das Spiel allein durch Hampeleien steuern. Die kleine Kamera filmt unentwegt und pastet unseren Bewegungsdrang kurzerhand ins Spielgeschehen ein. Es liegt nahe, dass die 12 enthaltenen Spiele noch einfach und im Solo-Modus recht schnell zu Genüge gespielt sind. Aber: Zu mehreren rockt ein guter Teil der Games unseren Spieltrieb ganz beträchtlich und sorgt somit für ein verbessertes Raumklima. Vor allem die Kampftitel belustigen sowohl Zuschauer als auch den jeweiligen Hampelmann ungemein. EyeToy ist natürlich gerade für Kiddies ein grandioser Spaß, eignet sich auf Kindergeburtstagen aber ebenso auf Familienfesten oder Betriebsfeiern zur Auflockerung der Anwesenden und darüber hinaus bestens für unser aller Hauptanliegen: notorische Griesgrame mit dem Daddelvirus anzustecken.

AUS FÜR DIE COUCH POTATOE
Anspruchsvolle am Set hätten sich vielleicht variable Spielmodi oder ein Fünkchen mehr Abwechslung sowie bei einigen Ideen mehr Feintuning gewünscht. Aber unter dem Strich gelingt Sony mit EyeToy etwas, das Sega mit Samba de Amigo vor drei Jahren leider nicht geschafft hat: eine breitenwirksame, partytaugliche Fitnessapplikation für die Heimkonsole zu installieren, die bei vielen für unerwarteten Muskelkater in den Armen und Schweißperlen auf der Stirn sorgen wird. Optimisten sehen das Aus für die klassischen Couch Potatoes, PlayStation verleitet zur Aerobic, bitte auf den geraden Rücken achten!
Technisch gibt’s wenig zu meckern: Plug & Play at it‘s best. Und sofern wir mit großem Kontrast und guter Beleuchtung arbeiten, entgeht dem Algorithmus nicht mehr viel. Vorausgesetzt die nötige Bewegung ist da, reagiert die Software doch vor allem auf diese und nicht etwa auf unsere Umrisse. Nachfolger wie Eye Toy: Groove befinden sich bereits in der Entwicklung. Auch die Verwendung der Technologie für andere Spielsoftware, z.B. zum Skinnen des eigenen Charakters, für PC-Daddler ein alter Hut, ist in Planung. Viel mehr noch lässt die potenziell mögliche Verwendung als – nennen wir’s mal so – Party-Visuals-Synthesizer unser Herz hüpfen. Angedacht wird solche Nutzung im “Spielplatz”-Mode, wo immerhin zwei (und ein paar mehr un-) spannende Grafikfilter die gefilmte Bewegung als feine, an analoge Videoeffekte erinnernde Muster umsetzen: In dem Bereich kann / muss noch einiges mehr gehen. Angesichts der unproblematischen Handhabung und der netten Umsetzung einer lustigen Grundidee verdient EyeToy also einiges an Lorbeeren. Und gerade deswegen unser Appell an Sony: Wir wollen mehr! Nachlegen ausdrücklich erwünscht!

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Elektronische Lebensaspekte.