Die Videokonsole hat sich weit entfernt von ihrem Image als Unterhaltungsmaschine für stubenhockende Pickelgesichter. Konsolen sind die Ikonen des Wohnzimmers, seine Popstars. De:Bug diktiert die
Text: Oliver Köhler aus De:Bug 41

So you wanna be a Konsolensuperstar…?
Playstationtaktik

Die Videokonsole hat sich weit entfernt von ihrem Image als Unterhaltungsmaschine für stubenhockende Pickelgesichter. Konsolen sind die Ikonen des Wohnzimmers, seine Popstars. Und wie der Konsolenkrieg zwischen Sega, Nintendo, Sony und inzwischen Microsoft beweist, funktioniert der Markt schon längst nach ähnlichen Gesetzmäßigkeiten wie der Rest des Showbiz, erst recht vor Weihnachten. Nur, so leicht, wie man sich den Einstieg in die Boombranche Konsole vorstellen mag, ist das Ganze wiederum nicht. Der Weg zur Spitze ist vor allem ganz, ganz einsam. Dabei braucht man nur fünf Grundregeln beachten. Und uneigennützig wie die Games Redaktion bei De:Bug ist, werden wir sie euch hier und jetzt verraten. Schließlich sind es nur noch 54 Tage:

Regel 1: Du willst Popstar werden, dann lasse dich mit anderen Superstars blicken (oder stelle sie künstlich her). Was haben Robbie Williams, Photek, Prodigy und Public Enemy miteinander gemeinsam? Richtig: Sie waren alle auf Spielsoundtracks zu hören. Das wirkt! Was bei der jüngeren Generation als coole Musik zum fetzigen Spiel ankam, war für ältere Zocker ein Traum in Erfüllung. Wer hätte sich nicht immer gewünscht, mit 320 km/h zu Photek durch eine postfuturistische Stadt zu rasen? Lassen sich keine Künstler verpflichten, kann man seine Entwicklerstudios virtuelle Stars anfertigen lassen (die meisten “realen” Stars werden sowieso von Tag zu Tag virtueller: siehe Monsieur Williams). In dem von Nerds dominierten Business regiert inzwischen die alte Devise: Sex sells. Sega hat dies erkannt und will mit der beunruhigend eleganten Ulala aus dem Spiel “Space Channel 5” männliche Hormone aufmischen. Nur Nintendo hinkt in der Pornoabteilung etwas hinterher…

Regel 2: Die Maschine ist fast fertig? Dann raus mit der Sprache! Wie LL Cool J auf den diesjährigen MTV Video Music Awards bewies, fängt die Verkaufskampagne mit einer gut getarnten Schleichwerbung an. Der Konsolenkrieg besteht eigentlich aus nichts anderem. So war die Pressemaschinerie um Sonys Playstation2 längst vor der offiziellen Ankündigung der Monsterkonsole im Gange. Nintendo hat gerade jetzt im August seine nächste Konsole angekündigt, nach einem Jahr an Spekulationen, und Microsoft hat noch nicht einmal ein fertiges Produkt vorzuweisen. Trotzdem war die Konsole Billy Gates eine Rede wert! Was das alles bewirken soll? Nur so besteht die Chance, dem Gegner einiges an Boden unter den Füßen wegzuziehen. Das beste Beispiel: Wegen Sonys PS2 blieben eine Vielzahl an Japanern der Einführung von Segas Dreamcast fern. In Europa ist fast das Gegenteil eingekehrt. Im Falle PS2 redet man sogar von einem Media Overkill. Hinzu kommt noch, dass die Firma auf Grund verspäteter Lieferzeiten und nicht gehaltener Versprechen gegen eine aus den Fugen geratene, negative Presse anzukämpfen hat. Also, cool bleiben!

Regel 3: Baller den Endgegner weg!
Liam Gallagher gegen Damon Blur, Schumacher versus Häkkinen, Britney kontra Eminem. Die wirklich großen Titelgeschichten sind immer in Feindschaften zu finden. Im Falle der Konsole ist der Stoff in den technischen Details zu finden. Und, während sich die eine oder andere Firma noch naiv mit der Verdoppelung der Bit Zahlen von 64 auf 128 zufrieden gibt, sollte man zumindest imstande sein, alles zu überbieten, was sein Gegner hat. High Scores is the name of the game! Als Daumenregel: 128-Bit, DVD, Online Anbindung über Breitband, und mindestens 3 Millionen Polygone pro Sekunde. Ach ja, die Konsole sollte auch gut aussehen!

Regel 4: Spiele, Spiele, Spiele: Das Herzstück der Konsole. Wer sie hat, hat sie (die Millionen). Nachdem es vor allem Sega mit ihrer Saturn vor einigen Jahren mit dem nicht vorhandenen Spielarsenal verbockte, haben alle anderen daraus gelernt. Für die bisherige Playstation werden bis Ende des Jahres sage und schreibe 900 Titel zu kaufen sein. Und für die neue Konsole macht Sony keine halben Sachen: Bis 2002 will die Firma 750 Spiele auf dem Markt sehen. Microsoft kann auf die Expertise der PC Entwickler bauen und hofft auf ein Mega Line-Up an Spielen für ihre Xbox. Dreamcast will seine Lizenzen aufstocken für über 200 Spiele. Nur so wenige? Nicht vergessen: Qualität statt Quantität! Schon jetzt beschweren sich Spieler und Zeitungen über die Qualität der Spiele für die PS2, so dass Sega momentan – trotz Hyperkonkurrenz von Sony – als moralischer Sieger aus der Sache herauskommt.

Regel 5: …Go West! Wie jeder Drum’n’Bass DJ berichtet oder selbst der niedrigste Platten Executive weiß, kommt keiner um den japanischen Megamarkt herum. Mit ihrer totalen Hingabe gekoppelt mit einer nicht ganz zu unterschätzenden Kaufkraft tragen die Japaner entscheidend zum Erfolg oder Misserfolg bei. Aber in den USA und Europa wollen genügend Leute auch zocken. So hat Sony Computer Entertainment einen Bock geschossen mit der Verschiebung vom Start der Playstation2 nach hinten in Europa. Grund: Lieferengpässe wegen der hohen Nachfrage in Japan. Auch im Fall von Segas Dreamcast hätte ein früherer Start in Europa vieles retten können, das durch den schlechten Japan Start verloren gegangen ist. Und Nintendo scheint sich selber disqualifizieren zu wollen, da sie für ihre neue Game Cube Konsole bislang Termine nur für Japan und die USA anbieten. Nur Bill Gates will weltweit gleichzeitig seine Xbox starten. Das erfreut nicht nur den Kunden, sondern ermutigt Entwickler, die gleich ein größeres Publikum für ihre Produkte wittern. Bevor ich es vergesse: Der Haken an der Sache? Eine halbe Milliarde Dollar Kleingeld sollte man schon zur Verfügung haben, wenn man eine Konsole weltweit gleichzeitig auf den Markt bringen will…

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Elektronische Lebensaspekte.