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Text: benjamin weiss aus De:Bug 31

/musiktechnik 74 PlugIns, 74 Dollar. Pluggo Konzept Neben der unglaublichen Menge von 74 Plug-Ins für bietet Pluggo noch ein bis zwei Besonderheiten zusätzlich, auf die ich näher eingehen will. Zunächst mal beruht Pluggo auf der Programmiersprache MSP, die ihrerseits eine Erweiterung von MAX ist. MAX wurde Ende der Achtziger von Miller Puckette am IRCAM (INSTITUT de RECHERCHE et COORDINATION ACOUSTIQUE / MUSIQUE), einem renommierten Forschungszentrum für Computermusik in Paris entwickelt und ist eine Art modulare Programmierumgebung zur Manipulation und Steuerung von MIDIdaten. MAX ist so in etwa das Gegenteil von Plug & Play, denn um sinnvoll damit umgehen zu können, muss man erstmal einiges lernen, ein Umstand, der die Verbreitung von MAX von Anfang an auf ein kleines, aber begeistertes Häuflein Frickler beschränkt hat. Prinzipiell funktioniert es wie ein modulares Patch System, einzelne Module werden über virtuelle Kabel verbunden, wobei man auch Runtime-Versionen erstellen kann, also Patches, die selbständig laufen können. Anfang der Neunziger kam ein weiterer Programmierer dazu, der MAX weiterentwickelte und auch die Grundlage für Pluggo schuf: David Zicarelli. Er entwarf MSP, das zwar auf MAX beruht, aber seit zwei Jahren unabhängig von MAX als eigenständiges Produkt von Cycling74 vertrieben wird. MSP legt den Schwerpunkt auf Module zur Audiobearbeitung, ist aber voll mit MAX kombinierbar. Vergleichbar mit MAX geht es aber auch extrem weit ins Detail, was also wiederum den Anwenderkreis einschränkt. Hier setzt Pluggo an, dessen Module komplett in MAX/MSP programmiert und durchaus in einem gewissen Rahmen untereinander kombinierbar, aber dabei wesentlich intuitiver zu benutzen sind. Um den Kreis zu schliessen und auch den Nachschub an neuen Pluggo Plug-Ins zu gewährleisten, ist die Pluggo Shell für alle MAX/MSP-Anwender kostenlos von der Website von Cycling74 runterzuladen, zusammen mit einer detaillierten Anleitung und diversen Tutorials zur Erstellung von PlugIns. PlugIns Die Grundlage zur Einbindung von und Kombination mit anderen PlugIns bieten die Routing Module. Mit ihnen lassen sich Audioströme von Pluggo-PlugIns zu anderen und umgekehrt lenken und in verschiedene Kanäle splitten (zum Beispiel für Surround-Anwendungen). Zur Modulation anderer Pluggo-PlugIns gibt es neben Hüllkurvenfolger und LFO auch ein Modul, bei dem Mausbewegungen zur Erzeugung von Steuerdaten herangezogen werden oder das Stepsequenzer-Modul, mit dem sich in einer grafischen Oberfläche mit einstellbarer Stepzahl bequemstens Modulationsbewegungen definieren lassen. Die Delay-Effekte umfassen einen Kammfilter, einen Flanger und verschiedene Delays und Echos. In Kombination mit Filtern gibt es Effekte wie ein Multitap-Delay, dessen Taps durch verschiedene Filter geschickt werden, oder auch so nette Dinge wie ein Sizzle-Delays, das das Input-Signal einem Stereo-Delay zuführt, dessen Outputs durch zwei Hochpassfilter wieder zurück in den Eingang gelenkt werden. Bei den Filtern finden sich Standards wie Vocoder oder Telefonfilter, aber auch Phase Shifter, Moving Filters und Kombinationen wie Multi-Filter und ein harmonisches Modul mit zeichenbarer Kennlinie, bei dem sich einzelne Bänder komplett muten lassen. Auch die Verzerrung kommt in vielen Facetten und nicht zu kurz: mit dabei ein Ringmodulator, das Feedback-Network, ein Waveshaper, aber auch Teile, die sich MonsterCrunch oder Noyzckippr nennen. Kommen wir zum Kapitel granulare Synthese. Als Beispiel sei hier das Pendel-PlugIn erwähnt, das zuerstmal ein Tap-Delay mit vier Taps ist, deren Delay-Zeiten von einem Ramp Wave Oszillator gesteuert werden. Die Bandbreite der Delay-Zeit wird dabei von der Grösse des Fensters definiert. Neben solchen Spezialeffekten gibt es auch Bekanntes aus dem Granularbereich wie etwa Shuffler oder Stutterer. Schliesslich sind noch ein gerütteltes Mass an interessanten Pitch Effekten (Frequenzshifter, Warble, Speedshifter…), ein bisschen was für die Dynamik, ein paar Spektraleffekte (Convolver, Spektralfilter) und einiges für die räumliche Positionierung (Tremellow, Stereo Adjuster, Stereo Faker, Nebula…) sowie zwei einfache Synthesizer Plugs (übrigens schon bevor VST 2.0 herauskam!). Bleibt nur noch zu erwähnen, dass alle PlugIns über ein Sync-Modul ohne weiteres an die Song-Geschwindigkeit angepasst werden können. Bedienung, Performance & Sound Die Oberflächen der meisten Pluggo-PlugIns sind zwar wahlweise spartanisch und/oder eher skurril im Design, vom Sound her aber sehr überzeugend und vor allem, trotz komplexer Algorithmen, erfreulich schonend im Umgang mit den Rechnerressourcen. Ziemlich interessant und neuartig sind die vielfältigen Routingmöglichkeiten und das Einbinden und Steuern von anderen PlugIns mit Pluggo. Pluggo schickt sich an, eine neue Ära von PlugIns einzuleuten und die Schnittstelle zwischen reinem Anwender und Programmierer zu verwischen sowie eine Menge neuer Anstösse zum Experimentieren zu geben. Kurz: Pluggo ist unwahrscheinlich billig, unwahrscheinlich vielseitig und unerreicht kombinier-und erweiterbar. Nachschub in Form von neuen PlugIns gibts ausserdem regelmässig über die Website von Cycling74 (URL siehe unten). Volle Punktzahl ohne Abzug. ***** Systemvorraussetzungen: PowerMac, VST-kompatibles Sequenzerprogramm Preis: ca. 160 DM Info & Demodownload: http://www.cycling74.com

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Elektronische Lebensaspekte.