Wenn es nach der GEMA geht, kann Podcasting schnell zu einem sehr teuren Hobby werden.
Text: Sebastian Eberhard aus De:Bug 96

Podcasting und die GEMA

Es ist ein knappes Jahr her, dass Podcasting die Runde macht. Audiodateien, also die Podcasts, werden selbst produziert, in einen Weblog eingestellt und können über das Netz mit entsprechender Software abgerufen werden. Angebot und Beliebtheit stetig steigend, wobei die unterschiedlichsten privaten oder öffentlichen Sendungen über bestimmte Themenkreise eine immer größere Gruppe von Abonnenten finden. Bis zuletzt war allerdings bei vielen Podcastern die Frage nach der Behandlung von urheberrechtlich geschützten Inhalten ungeklärt, kein einschlägiges Abrechnungsverfahren für das Verwenden von geschützter Musik mit der GEMA bekannt und irgendwann einmal ist ein großes Abmahnungsgewitter zu erwarten. Vielleicht erst der Anruf eines Kollegen, der zwischen den ahnungslosen und überfragten Fachleuten der GEMA für Internetradio und Musicdownloads hin- und hergestellt wurde, weckte möglicherweise den schlafenden Verwertungsriesen. Medienrummel gibt es selbstverständlich gratis, wenn eine alte und ehrwürdige Institution wie die GEMA die neuen Formate aus dem Netz nicht wahrgenommen hat und nicht Rat weiß.

Wir haben uns auch an den Telefonapperat gesetzt und angerufen. Die Pressestelle war hervorragend informiert (es wurde nach eigener Auskunft auch wirklich viel nach Podcasting gefragt) und hatte passende Antwort und Lösung. Podcasting sei keine Form des Webradios, sondern eine zur Verfügungstellung von Inhalten, bei der die Autorenrechte gewahrt werden müssten. Wenn folglich etwa urheberrechtlich geschützte Musik zur Verfügung gestellt würde, seien die gegebenen Tarife für Music on demand der GEMA, also Vergütungssätze VR-OD 2, einschlägig. Podcaster sollten sich darauf einstellen, Lizenzen zu bezahlen. Soweit die Auffassung der GEMA.
Praktisch heißt das nun zunächst für einen Musik sendenden Podcaster für jeden Track eine Erlaubnis bei dem betreffenden Rechteinhaber einzuholen. Wenn er diese erhalten hat, müsste er an die Gema den Music-on-demand-Tarif mal Zahl der Abonnenten zahlen. 12,5 Cent für einenTrack mit bis zu fünf Minuten Spielzeit mal angenommen 500 Abos gleich 62,50 Euro. Wäre es ein DJ-Mix mit zehn Tracks, heißt das 625,00 Euro zzgl. 7% Mehrwertsteuer und man hätte ein wirklich exklusives Hobby. Ganz anders mutet dagegen die Lösung der niederländischen Verwertungsgesellschaft “Buma Stemra” an, die als erste in Europa ab 2006 für Podcasting einen dem Webradio ähnlichen Tarif verwenden wird. Demnach wären für einen Amateur ungefähr 35,00 Euro und für einen Profi ab 85,00 Euro für einen Monat zu zahlen.
Auf den ersten Blick kann man der GEMA zustimmen, dass beim Podcasting Inhalte zum Download zur Verfügung gestellt werden und an einen Endnutzer übermittelt und gespeichert werden und von daher der Anwendungsbereich des Music-on-demand-Tarifes gegeben ist. Auf den zweiten Blick bleibt aber letztendlich fraglich, inwiefern der Sachverhalt nicht doch etwas anders gelagert ist, da es nicht zwangsläufig um eine direkte Auswahl von Musikstücken geht, sondern mehr um ein Anfordern eines ganzes Sendeformates. Wenn für den Anwendungsbereich des GEMA-Tarifes “auch eine Auswahl einer vorgegebenen Zusammenstellung von Werken“ einschlägig ist, dann trifft das für die “vorgegebene Zusammenstallung“ zu. Mit der “Auswahl“ des Endnutzers wird es dann schon schwieriger. Zudem besteht ein mehr oder minder formeller Unterschied zum Webradio. Das wird zwar nur gestreamt, kann aber auch mit entsprechender Initiative des Hörers digital gespeichert werden. Hoffentlich wird bei der GEMA noch mal nachgedacht (da könnt ihr auch in der Summe mehr für die Autoren einnehmen …) und doch besser möglichst schnell ein bezahlbarer Podcasting-Tarif ausbaldowert.

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Elektronische Lebensaspekte.