Antony Ryan und Robin Saville kochen immer noch gerne Tee im Studio. Ansonsten hat sich aber fast alles geändert bei ihrem Projekt Isan.
Text: Adam Park aus De:Bug 103

In einer Realität, in der die Arterien der Musikgeschichte verstopft sind mit Drogen, erzählt das, was Bands in ihren kleinen Studiopausen machen, mehr als seitenlange Dissertationen. Isans Inspiration? “Eine Tasse Tee”, sagt Robin Saville. Und Antony Ryan ergänzt: “Es ist das Aufbrühen. Im Studio auf Stopp drücken, den Kessel auf den Herd stellen, auf das heiße Wasser warten, gibt uns die Zeit, kurz darüber nachzudenken, ob das, was wir gerade tun, gut oder schlecht ist.” Willkommen in der Welt von Isan: sehr viel Milch und zwei Stück Zucker, bitte.

Die altgedienten Ritter der Morrmusic-Tafelrunde releasen brav seit nunmehr acht Jahren ihre einzigartige Mischung aus langsamer, oldschooliger Elektronika. Der Erfolg von Alben wie “Meet Next Life”, “Lucky Cat” und “Clockwork Menagerie” gibt ihnen Recht. Und doch – das neue Album “Plans Drawn In Pencils” ist unter völlig neuen Voraussetzungen entstanden. Zum ersten Mal saßen die beiden tatsächlich zusammen im Studio, haben Songs gemeinsam erarbeitet und nicht mehr Ideen und Fragmente über eine rauschende ISDN-Leitung ausgetauscht. Ein Erfolg auf der ganzen Linie, bestätigen beide. “Wir haben jetzt genau dasselbe Setup in unseren Studios und können unter genau gleichen Umständen arbeiten”, erzählt Antony. “Was nun nicht mehr passiert, sind diese ‘Wie hat er das nur gemacht’-Momente. Dafür haben wir beide extrem von anderen gelernt.”

Doch noch mehr hat sich geändert. Ihre bisherigen Alben beschreiben beide einmütig als “One finger kiddy melody sound”, das neue Album ist anders, ein neues Sound-Universum hat sich für beide eröffnet. “Working On Dust” zum Beispiel mit seinem einzigartigen cinematischen Strudel. Robin erklärt: “Das ist eine von Antonys großen Begabungen. Er kann sich von der Produktion eines Tracks zurückziehen und das Stück mit völlig anderen Augen sehen. Plötzlich wird alles widescreen. Ich hänge immer am Monitor und konzentriere mich auf die Patterns, die aus Sounds des Popcorns bestehen, das ich auf den Boden geworfen und dabei aufgenommen habe.” Und Antony fügt hinzu: “Der Track wäre aber ohne das Popcorn nur halb so gut geworden!”

Robin und Antony sind immer zu größter Form aufgelaufen, wenn ihre Musik klang, als würde sie hinter einer undurchdringlichen Wand aus heißem Dunst vibrieren, unerreichbar und doch ganz nah. “Auf ‘Plans Drawn In Pencil’ haben wir versucht, dieses Ziel durch Fehler zu erreichen und nicht durch extrem glatt polierte Mixe wie noch auf ‘Meet Next Life'”, sagt Antony. Und wer nach acht Jahren Isan und Tonnen von wunderbaren Songs und Sounds und Melodien immer noch nicht glauben mag, dass die Schaltkreise der alten Synths ein Eigenleben haben, der schaue einfach auf das Cover des neuen Albums. Hier haben Isan die idealen Module ihres Traum-Synths aufgemalt. “Lullabinary und Melancholimiter sollten wir uns patentieren lassen.” Genau.

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Elektronische Lebensaspekte.