Keine White-, sondern Blacklabel
Text: Anton Waldt aus De:Bug 128


Foto: qmnonic

Ausgerechnet Pom Pom. Der Ninja des Berlin-Techno, der Zoro des Schleifpapierhallraums, das Phantom der geraden Bassdrum. Der schwarze Stealth-Bass ist der nächste Techno-Superstar, weil Pom Pom schon seit Jahren unablässig Monsterhits produziert und in diesem Prozess Hysterie-Nebenprodukte anfallen, für die Pom Pom kein Ventil besitzt. Eine Hysterie-Verpuffung scheint unvermeidbar, deren Schockwellen sich unkontrolliert ausbreiten und an den merkwürdigsten, weit entfernten Stellen kulturelle Erdbeben auslösen können.

Aber eins nach dem anderen: Pom Pom sind Irre, da gibt es keine Diskussion, das hört man einfach auf jeder ihrer bisher 32 Platten mehr als deutlich. Jeder Track ein Hit des Technofundamentalismus, aber da Pom Pom auf allen Ebenen jenseits des Vinyls den Ball nicht mal flach, sondern einfach aus dem Spiel halten, kriegt das außer ein paar Bummskeller-DJs niemand mit. Pom-Pom-Platten kommen ganz in Schwarz daher, 12″ mit schwarzem Etikett in schwarzer Lochhülle, nach der Katalognummer benannt. Dass die Oldschool-Fanatiker, die hier am Werk sind, aus Kreuzberg kommen, ist darüber hinaus der einzige Fakt, der als gesichert gelten kann.

Alles andere sind Gerüchte aus der verbotenen Zone, in der sich die Techno-Gralshüter hinter moralischen Panzersperren in Paranoia-Erdlöchern eingegraben haben. Pom Pom gibt es nicht als Live-Act und auch nicht unter pompom.de, obwohl die Gestaltung der Seite ziemlich gut passen würde. Natürlich treibt sich Pom Pom nicht auf MySpace rum, Buddylisten und Nutzerprofile vermeidet Pom Pom so akribisch wie Vampire das Sonnenbaden. Pom Pom haut scheinbar völlig unbeeinflusst von Welt Tracks raus, die wahnsinnig machen.

Vielleicht sind Pom Pom Junkie-Cyborgs, die alle killen, die ihrem schrecklichen Geheimnis auf die Spur gekommen sind. Vielleicht braucht Pom Pom die Anonymität aber auch nur, um sich die Naivität zu erhalten, mit der jeder Track neugierig wie ein Erstlingswerk die Magie des Bumm-Bumm-Bumm neu erkundet. Pattern-Pattern-Pattern-Loop-Echo und fertig. Ohne Fiesematenten vom Mischpult aufs Vinyl.

Nun gibt es ja das hartnäckige Gerücht, dass es keine effizientere Marketingstrategie als das “Underground Whitelabel” gibt: Man spart Produktions-, Gema- und PR-Kosten und lässt die Drecksarbeit von der Aura kryptischer Kürzel vom dicken Edding in Dunkelblau erledigen. Aber zu dieser Kategorie gehört Pom Pom nicht, denn es macht keine White-, sondern Blacklabel. Pom-Pom-Platten sind nicht unfertig oder unvollständig, Pom-Pom-Platten sind fertige Produkte, allerdings sehr reduzierte Produkte mit einer reizarmen, verschwiegenen Verpackung.

In De:Bug Nr. 64 hat Pom Pom dem Kollegen Felix Denk alles berichtenswerte in den Reporterblock diktiert: Man will anonym bleiben, weil man das so will, und was andere da reininterpretieren oder davon halten, ist ihnen sowas von Schnuppe. Das epische Kamingespräch mit Pom Pom hat nicht mal Zigarettenlänge. Trotzdem wird Pom Pom der nächste Techno-Superstar, weil die Pom Pom Nr. 32 eine Doppel-EP ist, die es auch als schwarze, unbeschriftete CD in der schwarzen Hülle gibt und dieses Pom-Pom-Album ein Meisterwerk ist.

PS: Zum Thema Cover vertritt Pom Pom die Haltung, wer “eines braucht, kann es sich selbst machen”, wir haben das Prinzip hier aufs Presse-Foto umgelegt.

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Elektronische Lebensaspekte.