Text: riley reinhold aus De:Bug 01

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Ein weiteres mal kommt ein innovativer Innovationsschub aus Wien. In Zeiten wo dem Minimalgedanken von Elektronischer Musik ein unüberblickbares Spektrum von Crossover-Musik gegenübersteht, wirkt die Idee technologische Neuerungen in den Produktionsprozeß von Techno einfließen zu lassen, als die einzige Möglichkeit, diesen zu optimieren und weiterzutreiben. Beispiele von Labeln wie Profan, Studio 1, Playhouse oder Klang mögen dies bestätigen.

Der österreichische Elektroniker Pomassl, hat in diesen Tagen, seine zweite Platte mit dem passenden Namen Skeleton II auf Sabotage veröffentlicht; Musik mit einer Intensität und Simplizität, die er mit der finnishen Band Panasonic teilt. Pomassl ist Absolvent des Studiums für Elektroakustik und Experimentelle Musik und lebt zurückgezogen ausserhalb von Wien. Seine Stücke bezeichnet er nicht als Techno, gebraucht aber das Vehikel Techno, änlich wie Porter Ricks, als Medium. Dabei berücksichtigt er den Groovegedanken, macht ihn aber nicht zum zentralen Thema, wie es bei Techno üblich ist. Seine kunstvolle Art im Umgang mit Sequenzen, wirkt wissenschaftlich präzise, scheint einer Laborsizuation entsprungen und hat in dieser Hinsicht mehr von Oval als vom Universalismus Panasonics. Auffällig und unüblich ist die stimulierende, heterogene Klangoberfläche, bestehend aus unlogischen, b.z.w. irritierenden, der Erwartungshaltung zugegenlaufenden Elementen, deren digitale Charakerteristika, extrem kraftvoll und flexibel, ein abstraktes Ganzes schaffen.

Deine Musik verlangt nach technischer Innovation. Welcher Apparat steht dir zur Verfügung?

Pomassl: Ich habe ein eigenes Studio im Rahmen von Laton, dort stehen auch die Sachen die selbst entwickelt werden. Es geht immer auch darum spezielle Instrumentarien für spezielle Konzepte zu schaffen. Ich versuche auch in verschiedenste Studios für kurze Zeit spontan einzudringen, an möglichst verschiedensten Orten, rund um den Globus wenn es geht, um Situation, die vor Ort geboten werden einzufangen. Wie es der Fall war in Tokyo, wo ich im Zusammenhang mit einer anderen Sache unterwegs war und ich einen Erdbebensimulationsraum entdeckt habe, der angschlossen ist an ein Erdbebenmuseum. Das war ziemlich gut für meine Arbeit, denn diese subtilen, spontanen Ereignisse haben mich in meinen musikalischen Ideen und Arbeitsweisen stark inspiriert. Mein spezielles Interessengebiet ist der ganze Hörbereich des Ohres und besonders die Randbereiche wie die oberste und unterste Hörschwelle, weil die meistens vernachlässigt werden in der Pop Musik oder in der Musik generell. .

Solche Frequenzen sind meist gar nicht umsetzbar auf Vinyl!?

Pomassl: Eh nicht, aber mir geht es darum, daß ich das Spektrum gleichmäßig behandele. Ich setzte Randbereiche speziell oder vordergründig neu ein. Die Frequenzen befinden sich zwischen 20-20 000 Herz und sind somit noch wahrnehmbar. Im Zusammenhang mit Laton (Alois Huber, Burger) haben wird für die Ars Elektronica 96 in Wien ein Konzept entwickelt, das so weit gegangen ist, daß wir Musik gemacht haben, die sich ausschließlich außerhalb des unteren Hörbereiches bewegt hat. Dafür mußten wie eigens ein Instrument bauen, die Infrasonic Transmission Tube (ITT). Wir haben damit das ganze Sensorium des Körpers außerhalb des Ohres angesprochen.

Ist so etwas nicht gefährlich?

Pomassl: Es kommt auf die Intensität und darauf an wie man es einsetzt, und da gibt es Erfahrungswerte aus der Medizin oder aus dem Schallwaffengesetz.

Wie unterscheiden sich deine Platten auf Sabotage zu denen auf Laton?

Pomassl: Ich folge eigentlich immer nur meinem Soundkonzept, das sich auf den verschiedensten Labels immer eine bißchen anders abzeichnet. Was man sonst von Sabotage kennt ist eher Rythmus b.z.w. Beat orientierte Arbeit. Bei meiner nächsten Veröffentlichung ãTrial ErrorÒ auf Laton habe ich dagegen nur mit der Soundmaterie an sich gearbeitet. Es ist eine pure Form von Micro-Macro Spielweisen.

In wie weit misst sich deine Musik an einer gewissen Aktualität?

Pomassl: Mich interessiert eine Sound Idee, die ich so forcierte, daß sie auf der Höhe der Zeit zu verstehen ist. Das bringt natürlich mit sich, daß Spielweisen wie Techno als Rahmen fungieren um die Idee zu transportieren.

Findest du Vergleiche zu Studio 1 oder Profan zutreffend.

Pomassl: Es gibt schon die skelettartige Reduzierung auf Grundgerüste wie Beat. Bei Studio 1 gibt es die andere Herrangehensweise, daß Rythmen, wie man sie von Reggea oder Funk kennt, aufs Minimum reduziert b.z.w. abgemagert werden. Bei mir ist es so, daß mein Sound, den ich etwickele eher neutral ist und zugeschnitten wird auf die Trägerfunktionen. Es gibt also so etwas wie eine verwandte Herrangehensweise.

Skeleton II wirkt im Vergleich zum Vorgänger wie optimiert.

Pomassl: Es hat mal eine Aussage bei Kraftwerk gegeben, ãeinen Reisepaß zu verlängernÒ, was meinen könnte, die selbe Musik von einem Jahr ins andere zu aktualisieren. Es geht darum auf engstem Raum den Sound voran zu treiben, um immer wieder die tradierten Hörgewohnheiten beim Hörer zu dekonstruieren.

Sind gesellschaftliche Einflüsse wichtig?

Pomassl: Der gesellschaftliche Zusammenhang ist natürlich genauso wichtig wie die Musik selbst. Vertriebswege, Verpackung, Cover, sind Dinge die wichtig sind damit das gesellschaftliche Moment auf der Höhe der Zeit ist.

Was inspiriert deine Arbeit?

Pomassl: Ich bin in sehr verschiedenen Gebieten unterwegs, und es kommen da immer wieder Querverweise. Medien, Licht. Ich kenne z.B. Leute die in Genlabors arbeiten. Mich interessieren Arbeitsweisen und Funktionsweisen, die dort auf höchstem Stand eingesetzt werden.

Hat Licht Einfluß auf Sound bei dir?

Pomassl: Bei ãTrial und ErrorÒ gibt es ein Projekt, bei dem eine adäquate visuelle Umsetzung passieren soll. Ich arbeite da mit mehreren Leuten zusammen. Lautstärke, Frequenzgang und Bewegung sind Parameter, die 3-Dimensional umgesetzt werden sollen. Es ist noch immer im Experimentierstadium. Das visuelle ist dann eher zweitranging im Vergleich zum Sound. Unsere Gesellschaft ist eine visualisierte, MTV usw. Dagegen ist das Ohr total verödet. Videos von mir werden dementsprechend minimal ausfallen und auf der anderen Seite so schnell sein, das daß Auge sie nicht mehr wahrnehmen kann. Die Videos kommen auf Laton herraus.

Gibt es eigentlich bei einer Produktionsweise wie bei deiner kein Problem beim Umschneiden, besonders im berüchtigten Prager Presswerk?

Pomassl: Ich habe mit zwei Firmen, einer österreichischen und einer anderen zusammengearbeitet und es war ein Problem. Ich war unzufrieden besonders mit den Basselementen. Die Enscheidung in Prag zu pressen war spontan und ich bin jetzt sehr zufrieden. Ich hatte jemanden vor Ort der ein Auge drauf gehalten hat. Auch für mich war es überraschend, aber scheinbar hat es dort einen neuen Menschen gegeben und der war belastbarer, vielleicht gerade weil er neu war.

Ich habe gelesen, daß du bei einem Raumfahrtforschungsernährungsprogramm als Testperson mitgemacht hast und dich bis heute von Pillen ernährst?

Pomassl: Nicht ausschließlich wie zur Zeit der Versuchsphase, aber schon irgendwie. Es ist sehr angenehm, auch weil ich Rituale nicht mag. Ich habe als Testperson erfahren wie das ist, Nahrung direkt aufzunehmen. Man fühlt sich frisch, weil man anders nicht belastet wird. Es ist aber keine vollständige Nahrungsaufnahme.

Wann hast du damit angefangen.

Pomassl: Ich mache das seit ein paar Jahren.

Du warst in Tokyo, hast mitgearbeite an dem Soundtrack von John Woos ãHard Boiled IIÒ, was hat dich an Tokyo fasziniert?

Pomassl: Als ich dort vor Ort war, bin ich mir oft in Gesprächen eines Syndroms bewußt geworden, das dadurch ausgelöst wird, daß jeden Tag ein größeres Erdbeben stattfinden kann. Die Apokalypse und der Breakdown schlechthin und auch die Spontanität mit der ein Erdbeben daher kommt, aber auch die Tatsache, daß sie immer daherkommen können. Solche subtilen Momente sind für mich immer wichtig in der Musik, dem Sound, gewesen, diese abrupten Tendenzen.

Dein Material auf der Skeleton ist sehr unterschiedlich z.T. sehr abstrakt und fast ohne nachvollziehbarem Groove.

Pomassl: Die Urmaterie ist oft sehr unterschiedlich. Die Bearbeitung ist aber die selbe.

Es gibt Skeleton Remixe im Herbst? Remixe von Mika Vaino, Patrik Pulsinger, Le Car e.t.c. kommen. Hast du die Remixer selbst ausgesucht?

Pomassl: Ich habe die Originalstücke an die Leute geschickt die ich mir ausgesucht habe und auf Reaktionen gewartet.

Ich könnte mir vorstellen, daß es Mika Vaino interessiert hat.

Pomassl: Ihn hat das ziemlich interessiert. Ich mag seine Platten sehr gerne.
.buzz: Deine Musik klingt wesentlich digitaler als die von Mika, ich würde sagen klingt zu 100% digital.

Pomassl: Ich verwende analoge sowie digitale Komponenten, Junk-Geräte sowie Präzisions-Maschinen. Ich wende alle neuen Bearbeitungstechniken an, die möglich sind. Beim Studium bin ich damit konfrontiert worden und habe immer nur Nachts arbeiten können, weil die Arbeitsweisen unerlaubt waren. Ich habe viel Rohmaterial angehäuft auf das ich immer zurückgreifen kann.

Diskographie
Dependence…………………………….>>>>>>>>>>>>>>>>>Ketjak (Laton 002, 1993)
Pomassl ………….>>>>>>> Skeleton (Sabotage/Craft 07, 1996)
Pomassl………….>>>>>>> Skeleton (Laton 003, limitiert auf 100 Stück, 1996)
Pomassl………….>>>>>>> Skeleton II (Sabotage/Craft 19, 1997)
(Laton Platten nur über Mailorder erhältlich)
Compilation Beiträge
Epidemic Compilation………….>>>>>>>Pomassl / Modul Clang (Sabotage CD, 1995)
Epidemic Compilation………….>>>>>>> Dependence / Pulsor (Sabotage CD, 1995)
Lens Cleaner ………….>>>>>>> Pomassl/Compression (Sabotage CD, 1996)
Electro Juice ………….>>>>>>> Pomassl/Tempper (Sabotage CD, 1996)
Electro Juice………….>>>>>>> Pomassl/Osram Amalgam (Sabotage Vinyl LP, 1996 )
FIVE………….>>>>>>> Pomassl/Atto (Sabotage CD, 1997)

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Elektronische Lebensaspekte.

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