In Reading gibt es nicht nur das legendäre Reading-Festival, sondern auch genug Kids, die vor lauter Langeweille eine Band gründen, um mit ihr die Welt zu erobern. Adam und Jonny Blake sowie Stuart "Les Rhymes Digitales" Price, besser bekannt als Zoot Woman gehören dazu. Nach Ride und Slowdive jetzt also Zoot Woman. Ein intimes Unter-vier-Augen-Gespräch mit Adam.
Text: Sasha Horsley aus De:Bug 75

Moonwalk mit Adam

Die Ansage lautet eine Stunde mit der ganzen Band. Stuart Price soll so eine Art Alleinunterhalter sein – man gibt ihm ein Stichwort und von da an sollte man sich in regelmälßigen Abständen versichern, dass die Aufnahmekassette noch nicht voll ist. Sie sitzen ihre Wartezeit bis zum Konzert in einem der mit Abstand hässlichsten Hotels Berlin ab. Und das auch noch in Neukölln. Dem mit Abstand hässlichsten Kiez. Empfangshallen Situation: Eine sehr liebe Bandbetreuerin des Labels, ein ernstzunehmender sonst-knallts-Tagesspiegel Redakteur und ein scheuer kleiner Zoot Woman Frontmann sitzen auf hässlichen Sofas. Um sie herum kitschiger Goldnippes und vor ihnen ein zappeliger Adam Blake. Kurze Wartezeit, dann stürmt ein weiteres Labels-Teammitglied samt Stuart in die hässliche Empfangshalle des hässlichen Hotels. Wir werden alle aufgeteilt. Der schüchterne Jonny hat frei und darf aufs Zimmer. Er scheint erleichtert. Die beiden anderen angestrengt. Der Tagesspiegel kriegt den Stuart und die De:Bug den Adam. Jeweils an einem … hässlichen Tisch mit steifen Stühlen.

DeBug:
Hey! Ich hab euch was mitgebracht. Eigentlich dachte ich ihr würdet hier zu dritt sitzen, jetzt mußt du sie alle alleine trinken.

Ich ziehe drei kleine Fläschchen Moonwalk (von Sensatonics) aus der Tasche (ein sogenannter Spacedrink, ein Likör aus speziell ausgewählten Pflanzen der wohl gelassen und weich macht). Adam schaut ganz erschrocken, hört aber wenigstens auf zu zappeln.

Adam:
Danke (auf Deutsch!) Du willst mich vergiften, oder??
DeBug:
Es geht hier eher um einen Selbsttest. Ich frage mich, ob euer Konzert besser flutscht wenn ihr das vorher getrunken habt. Machst du mit?

Kein Engländer lässt sich vergeblich herausfordern. Er schaut zwar skeptisch doch schafft immerhin die halbe Flasche.

Adam:
Oha. Das schmeckt ja wie ein fruchtiges Lager!

Die ollen Pub-Nasen! Was bitte hat eine Biersorte mit einem Likör gemein?

DeBug:
Wie ist das, mit seinem Bruder in einer Band zu spielen?
Adam:
Och. Pffh. Wir sind eben sehr unterschiedlich. Er ist eher der Eigenbrötler und ich der Extrovertierte. Im Bandleben, wenn es ums Musikmachen geht funktionieren wir super, ansonsten bin ich einfach hippeliger. Er ist sehr ruhig. Ein typischer Krebs halt.

DeBug:
Mein Bruder auch! Was bist du für ein Sternzeichen?
Adam:
Wassermann!

DeBug:
ICH AUCH! Wann hast du Geburtstag?

Wir stellen fest er ist 27 Jahre. Nur fünf Tage älter als ich. Man nickt sich anerkennend zu. Er denkt viel nach, in seinem Kopf rattert es den ganzen Tag. Er braucht seine Freunde um sich, bespricht alles was passiert mit ihnen.

DeBug:
Seit wann kennt ihr Stuart und wieviel Zeit verbringt ihr miteinander?
Adam:
Wir kennen uns schon seit der Schule! Jetzt wohnt er in London und wir noch immer in Reading. Wir sehen uns zum Musik machen. Dann sehr intensiv, aber wir hängen eben nicht jeden Tag zusammen rum wie früher.

Jetzt dreht er den Spiess rum und fragt mich wie ich die Platte finde.

DeBug:
Generell mag ich euch, weil ich es nicht so wahnsinnig abgedroschen 80s finde, sondern eben nur ein Krümelchen Retro, aber ansonsten 2003 und später. Plus schöne Texte eben. Bestes Stück? “Half Full Of Happiness” find ich großartig! (Sasha singt) “Half full Of happiness / Record playing Lover’s Game / Just room for loneliness / As empty days overflow”
Adam (strahlt):
Hab ich geschrieben! Finde ich auch super. Der Text ist das Resultat von zu vielen Nächte ausgehen, trinken und sonst nicht viel anderes machen. Am Ende hat man sich lediglich aufs nächste Mal ausgehen gefreut. Während dessen gehts einem super aber man vergisst eben, sich einen Kopf zu machen, was danach kommt.

DeBug:
Ich find es immer wieder erstaunlich wenn ich auf die Texte höre und dagegen das Gefühl der Melodie nehme. Bei diesem Album lasst ihr Traurigkeit und Pessimismus sprachlich raus, aber – tut mir leid – ich krieg von der Platte immer gute Laune. Und jetzt gerade kommst du mir auch nicht vor wie ein frustrierter TwinTown Engländer, der nur den Regen kennt.
Adam:
Es reicht ja, solche Texte zu schreiben. Da hat man alles Traurige bereits rausgelassen. Stimmt schon, ich bin keinesfalls ein eher schlecht gelaunter Typ.

Er fragt mich nach meinen anderen Gute-Laune-Hits, und in welcher Situation ich die höre, wo ich lebe usw. (Ja hier ungefähr fing es an, dass ER mich letzten Endes interviewte. Er kennt jetzt das Kind, den Hund, den Vater des Kindes und den Freund plus aller Details.) Mittlerweile brauch ich ein bißchen Moonwalk.

DeBug:
Wer waren denn die Lieblingsbands von little Adam?
Adam:
Jetzt gerade erinnere ich mich an: Nirvana, Traffic, Yes, Steely Dan vielleicht noch The Cure. Die Erinnerung schwankt.
DeBug:
Was magst Du lieber Mc Donalds oder Burger King?
Adam (Sichtlich angespornt vom Drink):
Aaah, Mc Donalds natürlich. der König unter den Burgern. Burger King macht zwar auf Big Grill aber im Endeffekt ist es doch der gleiche Kram, nur dass die Saucen bei Mc Donalds besser sind.
DeBug:
Well done. Herzlichen Dank.

///

ab hier kann Ende sein….

Adam:
Nein. Laß noch bißchen weiterquatschen. Sieh mal Stuart telefoniert schon seit ‘ner halben Stunde, der ist bestimmt gleich fertig und dann muss er sich um den Herrn kümmern, der da auf sein Interview wartet. Wenn ich jetzt aber schon vor ihm fertig bin…

Verstehe. Sehr gerne diskutieren wir noch ein bisschen, was Frauen und Männer jeweils besser machen könnten, um für das andere Geschlecht verständlicher zu werden. Und was man in dem Hotel alles verbrennen müsste, damit man sich wohl fühlen könnte.

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Elektronische Lebensaspekte.