Das Internet hat den Kapitalismus verändert und dafür die Popkultur beklaut. Deren Versprechen sind mit dem Arbeitsplatz Computer wahr geworden. Ist die Popkultur jetzt arbeitslos?
Text: Mercedes Bunz aus De:Bug 122


Einst war sie wild und gefährlich. Sie erboste den Bürger, sie schockierte die Eltern. Freundschaften zerbrachen, weil das falsche Lied gehört wurde. Heute dagegen scheint es, als hätte jemand eine Plastikflasche pastellfarbenen Weichspüler über ihr ausgegossen, der Popkultur, und hätte sie weich, anschmiegsam und langweilig gemacht. Mist aber auch.

Bevor man nun jedoch das Kind mit dem Bad ausschüttet, sollte man sich das Bad erst mal genauer anschauen, wie meine Oma gerne sagte. Denn tatsächlich ist all das nicht die Schuld der heute gern verschmähten Popkultur.

Nicht die Popkultur hat sich verraten, sondern ihr Kontext, der Kapitalismus ist weggebrochen. Um das genauer zu verfolgen, muss man nachzeichnen, wie Pop als Behauptung mal funktioniert hat, warum diese Behauptung durch das Internet verloren ging und weshalb es trotzdem toll ist, dass Widerstand heute günstig zu haben ist. Nun ist das natürlich nicht ganz so einfach, denn Pop ist ein schummriger Begriff, der sich gerne aus dem Staub macht, wenn man nach ihm greift. Aber was hier verfolgt werden soll, ist auch nicht der ganze Sack voller Flöhe, sondern nur ein bestimmter Aspekt, der Pop lange begleitet hat: Pop als Gegenkultur.

Pop als Behauptung
Vor langer Zeit, in den frühen Achtzigern, als Popkultur noch nicht überall war und die Welt da draußen noch voller Normen, die einen zurechtstutzen wollten, da war es so: Gegenkulturelle Popkultur war wild und gefährlich, weil sie als Behauptung begriffen wurde und begriffen werden konnte. Denn dieser Pop behauptete sich als eine Alternative zum Bestehenden. ”Immer war da die Gesellschaft, der Staat (die Spießer!) und baute seine Bastionen, Barrikaden auf, und Generationen um Generationen machten sich die Außenseiter aus Bohemia auf, einzureißen, was es einzureißen gab: Hörgewohnheiten, sexuelle Tabus, Gesellschaftsordnungen, Sehgewohnheiten, spirituelle Schranken, Charakterpanzer“, beschreibt Diedrich Diederichsen dieses popkulturelle Moment in seinem Buch ”Sexbeat“. Kurz: In dieser Popkultur ging es darum, Alternativen zum Bestehenden aufzuzeigen und nicht denen ihr Spiel zu spielen.

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Aus der Perspektive der aufmüpfigen Jugend war dabei der Umgang mit Pop wunderbar effizient, per Kultur konnte man der existierenden Gesellschaftsordnung einen eigenen symbolischen Raum entgegenstellen. Das ging mit Mode, Kunst oder Design, vor allem aber mit Musik. Sie ist laut und geht dadurch dem Umfeld auf den Keks, erzwingt Aufmerksamkeit und verdrängt anderes wie Konzentration oder Gespräch. Das ist das eine. Das andere: In ihren Spielarten Jugend- oder Subkultur folgt Popkultur ihrer eigenen Ökonomie. Vermeidet man die Zusammenarbeit mit großen Plattenfirmen, findet sich da wenig Fremdbestimmung. Konzerte, Bookings, Fanzines, Plattenläden, all das ist auch eine Ökonomie von Fans für Fans.

Tatsächlich war die Selbstbestimmung immer ein wichtiger Aspekt der gegenkulturellen Popkultur. Draußen war die Arbeit fremdbestimmt. Um das Konsumbedürfnis der Masse befriedigen zu können, war die Gesellschaft auf Massenproduktion eingeschworen worden – und dafür zählte Leistung. Bei diesem vertrackten Mechanismus machte man in der Popkultur nicht mit. Man verfolgte eigene Werte und setzte den stupiden Anforderungen der Leistungsgesellschaft ein selbst bestimmtes Leben und Arbeiten entgegen. Man lebte auf der richtigen Seite des Kapitalismus, man lebte das richtige Leben im Falschen: selbst bestimmte Ökonomie. Popkultur war eine alternative Lebensform, die sich den kapitalistischen Anforderungen der Leistungsgesellschaft entgegenstellte. Nur dann wurde das Produzieren mit einem Male anders. Man könnte auch sagen: Die Verhältnisse wurden digitalisiert.

Die Kehrseite der Medienrevolution
Tatsächlich ist mit der Einführung des erschwinglichen PCs und seiner Vernetzung zum Internet ein Produktionsmittel unter die Leute gejubelt worden, das die kapitalistischen Verhältnisse auf den Kopf stellte. Nicht nur, weil man auf ihm arbeiten und zugleich herumdaddeln und spielen kann und somit Arbeit und Freizeit produktionstechnisch an einem Ort zusammenfallen. Sondern weil mit dem Einzug des Computers an unsere Arbeitsplätze neben dem körperlichen Arbeiten an der großen Maschine das geistige Arbeiten einen unglaublichen Aufschwung erlebt hat.

Wer sich schon immer wunderte, wieso seit den Neunzigern mit einem Male die “Kreativität“ zu so einem wichtigen unternehmerischen Begriff geworden ist, findet in der Einführung des neuen Produktionsmittels Computer die Antwort. Von nun an besteht Arbeit darin, Information sinnhaft zu interpretieren. Genau deshalb wird “kreative Arbeit“ zum neuen Paradigma des Kapitalismus, der massiv digital aufrüstet – und zwar überall. Noch immer ist dieser Vorgang nicht abgeschlossen, denn nach der Verbreitung von Computern in Büros und Arbeitszimmern sowie Wohn- und Kinderzimmern wird nun auch alles Weitere digitalisiert, mit einem Chip ausgestattet und miteinander kurzgeschlossen: Das Telefon, der Turnschuh, der Kühlschrank und das Fieberthermometer, alles redet miteinander und gleicht untereinander den Stand der Information ab. Guten Tag, Internet der Dinge. Und gute Nacht, altes Paradigma der körperlichen Arbeit. Und genau das hat frappierende Folgen.

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Den Körper zur Fabrik tragen, das ist in einem vernetzten Umfeld wie diesem irrelevant. Massenproduktion wird in ihrer neuesten Ausprägung nicht mehr durch körperliche, sondern durch geistige Arbeit erledigt, welche dann wiederum mit ihrem Informationsoutput die Maschinen antreibt. Und wenn wir tagtäglich per Computer Informationen abgleichen, Tonnen von Emails schreiben, nachdem wir sie aus Massen von Spam aussortiert haben, weil Computerprogramme das offensichtlich nicht können, wenn wir Angebote einholen und sie miteinander vergleichen, wenn wir Dienstleistungen buchen, Inventare auf den neuesten Stand bringen, diesen Bestand an neue Projekte angleichen und weiterentwickeln, dann brauchen wir bei all dem: Kreativität.

Denn einen solchen Wust an Information bewältigt man nur gestalterisch. Im Dickicht der heutigen Information gibt es kein gleich bleibendes Schema, auf das man Köpfe so einschwören könnte wie früher die Körper am Fließband. Information bleibt ihrer Natur nach selten auf dem gleichen Stand. Sie ist dynamisch, sie ändert sich unablässig. Kontext, Bedeutung, Inhalt, alles unstete Parameter. Nicht sauber zu kalkulieren. Die Bewältigungen am Arbeitsplatz sind durch die konstant fließende Information komplexer geworden. Und das heißt: Jeder muss dieses Chaos an Aufgaben selbst bewältigen. Individuell. Und kreativ.

Mein neues Projekt
Der sich verändernde Arbeitsplatz hat aber noch eine weitere Überraschung in petto. Weil der Kapitalismus der Massenproduktion daran interessiert war, die Körper in der Fabrik auf das immer Gleiche hin zu trainieren und jede Unterbrechung einer Produktionsverzögerung gleichkam, war er auch neuen Arbeitskräften nicht besonders aufgeschlossen gegenüber. Gut, auf der untersten Ebene waren die ungelernten Arbeiter austauschbar, prinzipiell aber kam man in eine Fabrik, lernte ihre Abläufe und ihre Unternehmenskultur kennen, und man blieb in ihr mit seinem gelebten Wissen, bis einen die Rente ins Reihenhaus abschob. Dieses loyale Verhältnis zwischen Arbeiter und Fabrik gab es allerdings nicht, weil das alle so nett fanden, sondern weil es schlicht und einfach effektiv war. Für alle. Die Fabrik hatte genügend Arbeiter. Der Arbeiter hatte ein garantiertes Einkommen. Fertig.

Heute ist das anders. Heute ist das anders, weil sich der Arbeitsplatz der geistigen Arbeit selbst stetig wandelt – und damit auch die Anforderungen an den Arbeiter. Nur wenn der Arbeiter kreativ mit der Situation umgehen kann, ist er effektiv. Ansonsten muss er mit jemandem ausgetauscht werden, der für die neue Situation besser geeignet ist. Und dass dieser Fall eintreten kann, ist sehr wahrscheinlich, denn nicht nur die Information an sich ist ein sich unablässig änderndes Gut, auch die Geräte zu ihrer Verarbeitung haben sich in den letzten zwanzig Jahren konstant gewandelt.

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Erfahrungen sind da wenig wert, die Anforderungen am Arbeitsplatz definieren sich andauernd dermaßen neu, dass man heute vor lauter Weiterbildungsmaßnahmen quasi gar nicht mehr zum Arbeiten kommt. Was heißt: Arbeit ist heute nicht mehr monoton, sondern schrecklich dynamisch geworden. Das hat Folgen, unter anderem eine massive Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, wie sie Luc Boltanski und Eve Chiapallo in ihrem Buch “Der neue Geist des Kapitalismus“ beschrieben haben. Denn der Kapitalismus ist heute nicht mehr daran interessiert, Arbeitsverhältnisse mit Begriffen wie “Loyalität“ auszupolstern und Arbeiter und Firma miteinander zu verbandeln. Im Gegenteil: Ein Kapitalismus wie unserer, der vor allem mit geistigem Kapital operiert, braucht Dynamik, Austauschbarkeit und die Wahl – und zugleich jemanden, der sich in dieses Projekt voll reinhängt.

Wenn das Anforderungsprofil an den modernen Arbeiter deshalb so klingt, als wäre es für den unabhängigen, individuellen, kreativen Querkopf aus der Popkultur ausgeschrieben, auf einen, der sich mit seinem Job als einem Projekt identifiziert, sich in ihm kreativ verwirklichen will, der aber zugleich selbst bestimmt im Leben steht und dem man deshalb keine Verpflichtungen gegenüber zu erfüllen hat, dann kommt das nicht von ungefähr. Außerdem muss er sich natürlich ordentlich selbst promoten, denn wie soll sonst seine Qualität vom Kapitalismus gefunden werden.

Und ja, Überraschung: Popkultur bekam damit ein Problem. Na, eines ist untertrieben. Viele. Zunächst einmal: Indem man ihre bislang alternative Lebensform zur neuen gesellschaftlichen Vorreiterrolle erklärte und die Abweichung zur neuen Norm wurde, wie dies der Zürcher Reader “Norm der Abweichung“ so treffend umriss, entzog man ihr einen Teil der Widerspenstigkeit, auf die sie so stolz war. Jugendkultur veränderte sich massiv. Nicht nur das, es veränderte sich prinzipiell, was es heute heißt, jung zu sein. Und wer könnte besser diese Verschiebungen dokumentieren als die Jugendkultur selbst.

Ich muss Teil einer Jugendbewegung sein
Die Phase zwischen 13 und 23 ist heute die Zeit, in der der zukünftige Weltbürger für die zeitgenössische Globalisierung trainiert wird. Während früher Teenager als faul, widerspenstig, unbeholfen und schüchtern galten, müssen sie heute umtriebig sein und sind kontinuierlich gezwungen, ihr soziales Netzwerk auszubauen und ihr nächstes Praktikum zu planen.

In welchem Feld man sich also auch immer profiliert, man muss ein sozialer Netzwerker sein – schon als Teenager. Für die Popkultur ist das ein seltsamer Erfolg: Genau dieses Grundkonzept der Popkultur, die Gruppe aus Freunden, die zusammen abhingen und mit einem Male zur Firma wurden, die Ökonomie von Fans für Fans, ist von der Popkultur aus in die Welt ausgeschwärmt. Nur: Das Produzieren aus einem Netzwerk ist zur neuen Norm geworden. Von Linked-In über Xing bis hin zu Facebook, von StudiVZ über MySpace bis hin zu Last.fm geht es darum, seine Freunde immer auch als seine Konsumenten zu begreifen. Be my comment. Sieht erst mal aus, als hätte eine fiese Ökonomisierung der Freundschaft begonnen und ihren alten hehren Wert unterhöhlt, der ja gerade dadurch bestach, dass sie, die Freundschaft, jenseits des Ökonomischen lag. Hm.

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Muss man also schnurstracks kulturpessimistisch werden? Nun, so schnell sollte man sich nicht beirren lassen. Zum einen war der Terror des sozialen Netzwerkes schon seit langem etwas, dem man sich als Teenager ausgesetzt sah. Wie kam man wo an, wer war wo beliebt, welche Clique, Gang, Gruppe nahm einen auf, bei welcher musste man draußen bleiben, diese Fragen, mit denen man sich als Teenager täglich herumquält, haben Romane, Filme und Fernsehserien schon lange vor dem Internet inspiriert. Zum anderen – seien wir ehrlich – war auch die Ökonomie schon immer ein Teil der Freundschaft, früher allerdings weniger in Form der Quantität und sichtbaren Verbindungen, sondern im Öffentlichen in Form der Korruption. Beispielsweise. Prinzipiell ist die Verbindung von Ökonomie und Freundschaft also nichts Neues, allerdings hat sie heute ein neues Potential. Denn dass eine Bande von Freunden heute beachtlichen ökonomischen Erfolg haben kann, ohne korrumpiert worden zu sein, ist dem neuen Produktionsmittel geschuldet.

Widerstand war teuer
Tatsächlich – und damit kommen wir endlich mal zu der guten Seite der Popkultur im Internet: Vorher brauchte es einen gigantischen Apparat, um das eigene Produkt unter die Leute zu bringen, und dieser Apparat brauchte Kapital. Man war, wollte man groß werden, auf altes Kapital angewiesen, immer. Seit dem Internet geht alles viel einfacher und um das wieder unter Kontrolle zu kriegen, rufen die ehemaligen Machtinhaber dort auch so gerne: Regulation! Oder: Urheberrechtsverletzung! Denn heute kann die Popkultur dank des Internets der Massenproduktion die Masse wegnehmen.

Genau deshalb macht das Internet den klassischen Besitzern des Kapitalismus Angst. Ökonomie ist unberechenbar geworden. Und die Popkultur gewann mit dem Internet massiv neue Vertriebskanäle. Weil das Internet einfach und billig zu bespielen ist, steht ihr heute die Welt offen an Stellen, an denen sie sich vorher mühsam und am ökonomischen Abgrund ein Stückchen Infrastruktur gesichert hatte, gleich ob beim Pressen und Vertreiben von Platten und CDs, beim Herstellen und Drucken von Zeitschriften, T-Shirts und anderer Klamotten, Büchern, kurz all dem, was Popkultur halten, hegen und tragen kann, Medien also. Widerstand war teuer.

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Mit dem Internet bekam die Popkultur ein neues Spielfeld, das es ihr einfacher machte, seine Produkte herzustellen, zu vertreiben und sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Was vorher drohte, in einer kleinen Nische ungesehen vor sich hin zu rotten, konnte nun in die Welt hinaus. Diese neuen Vertriebswege haben den popkulturellen Diskurs entscheidend verändert. Früher arbeitete man dort in Nischen, dann kam die Industrie und gab einem einen Vertrag. Fiesester Vorwurf war deshalb der “Ausverkauf”. Auch die Cultural Studies wurden gerne beschuldigt, nichts Weiteres zu sein als eine Bedienungsanleitung für den Kapitalismus, damit der die besten Projekte der Popkultur finden und sich dann einverleiben könne. Kapitalismus war böse, Popkultur war zwar Konsum, aber irgendwie dann doch seine Herausforderung.

Heute sind diese Diskurse verstummt. Funkstille, aber hallo. Die Position, außerhalb des Kapitalismus zu leben und zu arbeiten, ist obsolet geworden. Der Glaube daran, dass dieses System verschwindet oder konkreter: der alte marxistische Glaube daran, dass dieses System dem Untergang geweiht ist und sich dabei praktischerweise selbst abschafft, puff, Zaubertrick, hat sich in den Untergrund verzogen. Fast schon antik wirken die mit der Schreibmaschine getippten Pamphlete oder Flugblätter, die aus den 70er Jahren herübergerettet wurden und die man in Berlin neulich in der NGBK-Ausstellung “pöpp68“ sehen konnte. Von den linksradikalen Nischen bis hin zu den alten konservativen Angsthasen hat man diese Idee aufgegeben. Darum: Wenn die Popkultur heute weitaus unrevolutionärer daherkommt, dann ist das weniger ihre Schuld als vielmehr, dass sich sehr stark gewandelt hat, wie gesellschaftliche Zukunft entworfen wird. Nämlich – die englische Theoriezeitung Turbulence.org.uk hat diesem Umstand neulich eine ganze Ausgabe gewidmet – kaum noch. Trotzdem ist allerdings wichtig, dass man die real existierenden Widersprüche ausstellt.

Ätsch, meiner ist länger
In gewisser Weise ist die Popkultur also erwachsen geworden. Auch dank des Internet, denn im Einsammeln von Fragmenten waren wir schon immer gut oder, um es mit dem Konzept des “Long Tail“ des amerikanischen Autors Chris Anderson zu sagen: Mit langen Schwänzen kennen wir uns aus. Egal, wohin man thematisch guckt, sei es in Rock oder Techno, sei es in Mode, Musikvideos oder auf die Literatur-Klagen eines Rainald Goetz, auf was auch immer: Mit Blogs, Magazinen, Shops oder Channels bespielen wir das Internet, manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich.

Nicht, dass die Popkultur nicht dieselben Probleme mit dem Netz gehabt hätte wie die Kulturindustrie auch. Wie ein ökonomisches Modell in einer Umgebung finden, in der man die vormals materiellen Produkte einfach endlos kopieren kann. Aber anders als die Musikindustrie besteht die Kritik der Popkultur zu einem nicht geringen Anteil aus simplem Sendungsbewusstsein: Get it out! Nicht selten hat man in der gegenkulturellen Popkultur das eigentliche Produkt durch Jobs im Kapitalismus quersubventioniert oder die staatlichen Töpfe der falschen Seite für das richtige Leben angezapft.

Heute ist das nicht mehr unbedingt nötig. Nach wie vor kann die Popkultur Staat oder Kapitalismus als Surfbrett benutzen, sie kann aber auch in der Nische bleiben, denn dank des Long Tail staubt diese Nische nicht mehr in einer abgeschiedenen Ecke vor sich hin. Sie ist vernetzt. Sie wird besucht. Sie ist sichtbar. Und das heißt: In dem Teil der Welt, der die gesellschaftlichen Regeln von Norm auf Multiple Choice und von Leistung auf Effektivität umgestellt hat, pflegt die Popkultur nach wie vor den Überbau. Immer noch traut sie den Verhältnissen nicht, sondern stellt sie munter auf den Kopf. Sie zeigt der technikfeindlichen Welt da draußen mit Spreeblick.com das Leben in der Gegenwart.

Sie verfolgt entgegen allen Abgesängen linke Theorie auf blog.voyou.org, surft aufmüpfig auf thiswasteland.org den visuellen Abgründen zwischen Topmodells und Leichen-Make-Up hinterher und folgt mit jakandjil.com/blog den Highfashionentwicklungen auf die Straße. Popkultur heute ist zwar nicht das Gegenteil des Kapitalismus, das ist sie nie gewesen, doch in ihren besten Momenten ist sie eine Herausforderung des Bestehenden geblieben. Etwas, das mit wachen Augen die real existierenden Widersprüche aufzeigt, in denen wir leben, lieben und arbeiten. Und das ist nach wie vor notwendig. Denn man hat nicht über der Popkultur den Weichspüler ausgekippt, sondern über dem Kapitalismus. Und davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Weichspüler wirkt nur an der Oberfläche und hält außerdem nur einen Waschgang.

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Elektronische Lebensaspekte.

9 Responses

  1. Olaf C.

    Bei Mercedes Bunz frage ich mich öfter, so auch hier wieder…..

    Was ist denn das für eine langweiliges Gemeinplatzbegasungsgefasel?
    Was ist denn das für ein cerebral-inaktiver Wohlfühlsmalltalk.?
    Was ist denn das für ein zuspätkommendes Frühaufgestehe?
    Was ist denn das für eine Gedankenkaffeetasse mit Bärchenaufdruck?
    Was ist denn das für eine inhaltlich unknuspriger Köllnflockenalarm?
    Was ist denn das für ein Plattwalzen von Spannteppichen?
    Was ist denn das für ein rhetorisches Ausrupfen von Gänseblümchen?
    Was ist denn das für ein Hartz4-Gedankenpalast?
    Was ist denn das für eine jahrhundertsprengende Kopfklokritzelei?

  2. ralle

    Die Fotos sind toll! Mercedes kommt nicht so richtig auf den Punkt. Ich hab sie aber trotzdem lieb.