Ob programmierte Identitäten für Sonys Hund Aibo oder Hintergrundbeleuchtung für den zappendustren Gameboy: Immer wieder lassen sich Kunden nicht von den Markenanwälten großer Konzerne abschrecken und bügeln deren Versäumnisse auf eigene Faust aus. In der heutigen Folge "Basteln für eine bessere Welt" sprachen wir mit Gameboy-Beleuchter Adam Curtis.
Text: nils dittbrenner aus De:Bug 58

Jeder Gameboy Advance Besitzer (GBA) beißt sich aus Ärger über Nintendos Produktdesign schon regelmäßig in den Daumen: der kleine Bunte für immerhin 99 Euro ist mit einem unbeleuchteten, spiegelnden Display ausgestattet. Kontrast und Helligkeit kann man zwar am heimischen Fernseher regeln, bis man lustig wird, der GBA braucht das wohl nicht. Denn Nintendos Argument: möglichst hohe Spieldauer mit einem Set Batterien. Nun ja, 12 Stunden mit nur zwei Mignon-Batterien (im alten Gameboy waren es noch vier) sind wahrlich nicht schlecht, aber die fehlende Hintergrundbeleuchtung sorgt dafür, dass in 10 von 12 Stunden der Gameboy Advance nur ungern bespielt wird, da er in diesen suboptimaler Lichtverhältnisse eher als Taschenspiegel denn als 32 Bit-Wunderkasten funktioniert. Die gemeinhin bekannten Lichtlösungen “von außen” durch aufsteckbare Lampen-Kits sorgen nicht wirklich für Abhilfe, da das Licht auf dem Display reflektiert. Es ist klar: Hintergrundbeleuchtung ist die einzig ernstzunehmende Lösung.
Von mehreren Firmen wurde schon früh Abhilfe in Aussicht gestellt. Auf der Webseite der deutschen Firma “Dream Electronics” ist aber trotz einer schon lange dort stehenden Ankündigung, als einzige Firma weltweit ein derartiges Kit anzubieten, nichts von dem Produkt zu finden. Die Computerzeitung “ct” bekam ihr eingeschicktes Gerät unmodifiziert zurück. Gerüchte um Nintendo flüsterten nun von entsprechenden Plänen für ein Nachfolgemodell. Weiter ist schon Adam Curtis aus Iowa, Amerika, dessen Einbaukit ab sofort lieferbar ist. Kostenpunkt: 35 $. De:Bug sprach mit dem sympathischen Amerikaner:

De:Bug: Was ist dein professioneller Background, der es dir ermöglicht, den GBA in dieser Form zu bearbeiten ?

Adam: Ich studiere Ingenieurswissenschaften an der Iowa State University, aber es ist in erster Linie meine Verbissenheit, die diesem Projekt zu Erfolg verholfen hat. Ich wusste schon, wenn ich die Homepage einmal starte, dass es kein Zurück mehr geben kann. Seitdem habe ich soviel Unterstützung erfahren, dass ich mehr als motiviert wurde, das auch durchzuziehen.

De:Bug: Wie viele GBAs musstest du in deiner Experimentierphase begraben ?

Adam: Eigentlich nur einen, und den auch ganz zu Beginn des Projektes. Ich zerbrach das LCD, als ich versuchte, es wie ein Idiot aus dem Gehäuse zu biegen. Meine anderen beiden GBAs laufen aber – auch umgebaut – weiter wie geschmiert.

De:Bug: Hat sich Nintendo schon bei dir gemeldet?

Adam: Nicht persönlich, nein. Die waren aber schon auf meiner Homepage, wissen also bescheid.

De:Bug: In welcher Form wirst du das Kit verkaufen? Nur einzeln oder auch umgebaute Grundgeräte ?

Adam: Ich habe micht dazu entschlossen, nur den Nachrüst-Kit zu verkaufen, umgebaute GBAs würden auf jeden Fall die Nintendo-Anwälte auf meine Schwelle bringen. Außerdem möchte ich die Kits direkt vertreiben, ohne mit bekannten Zubehöranbietern zusammen zu arbeiten.

De:Bug: Dein Light-Kit besteht aus einer Leuchtfolie, die hinter dem LCD angebracht wird, sowie der für den Anschluss nötigen Kabel und Knöpfe. Wird der Umbau unproblematisch möglich sein?

Adam: Also jedem, der z.B. schonmal einen Mod-Chip in eine Konsole eingebaut hat, sollte auch der Umbau des GBA gelingen. Die Herausforderung besteht darin, das Gehäuse aufzubekommen, da Nintendo Spezialschrauben benutzt hat. Außerdem sollte möglichst wenig Staub und anderer Schmutz im Gehäuse bleiben, weshalb ich jedem empfehle, nach erfolgtem Umbau mit einem kleinen E-Technik-Staubsauger das Gehäuse auszusaugen. Der Einbau an sich ist mit einigen Lötstellen und dem Anbringen des An/Aus-Schalters am Gehäuse getan.

De:Bug: Wie sieht das mit dem Stromverbrauch nach Einbau der Beleuchtung aus?

Adam: Nintendos Argument entsprechend, auf die Hintergrundbeleuchtung verzichtet zu haben, damit die Batterien möglichst lange halten, sinkt die Batterielebensdauer mit eingebautem Kit auf ca. zwei Stunden. Daher habe ich einen Schalter beigelegt, damit durch Abschalten des Lichts die Batterien geschont werden können.

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Elektronische Lebensaspekte.