Alle rufen nach Multimedia und totaler Integration unterschiedlichster Technolgien auf mobilen Endgeräten. Doch der Alleskönner ist nicht in Sicht. Lösung: Mut zum Zweitgerät.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 95

Multimedia in der Hosentasche
Kein Gerät kann alles

Der Gedanke ist verführerisch: Ein Gerät, mit dem man Musik hören, Videos schauen, Bilder machen, telefonieren und ins Netz kann. Yes, please. Her damit. Aber trotz des nicht abreißenden Flusses neuer Endgeräte gibt es bislang nichts, das diesem Anspruch gerecht werden würde. Wenn Sony Ericsson die längst zum Kulturerbe gehörende Marke “Walkman” durch die Integration in ein neues Handy neuartig mobil macht, dem Gerät eine gute Kamera verpasst … das Display ist zu klein für Filme. Wenn Apple, wie zu erwarten, den iPod videotauglich macht, ihm dann bestimmt auch ein größeres Display verpasst, wird man mit ihm nicht telefonieren können. Oder Olympus, die mit dem “m:robe MR-500i” einen Hybrid aus MP3-Player und Kamera auf den Markt gebracht haben, der zwar einen funky Touchscreen hat, auf dem man sich auch einen Film vorstellen könnte, letztendlich aber so groß und schwer und unhandlich ist, dass er sich nicht wirklich als täglicher Begleiter qualifiziert. Und: Er spielt natürlich keine Filme ab, von Telefonie ganz zu schweigen.
Nokias neuestes Smartphone 7710 hingegen kann beides. MP4-Dateien und Real-Files lassen sich auf das Gerät aufspielen, das Display gibt auf jeden Fall ein Miniaturkino her. Allerdings, das sei hier ganz wertfrei erwähnt: Das 7710 ist durch und durch Telefon … vollgestopft mit Multimedia-Features (Kamera, Radio, Audiorecorder, Browser, MP3-Player) aber kein wirklich neu gedachtes Endgerät, auch wenn es im täglichen Umgang den Konkurrenten Sony P910i zum Beispiel in Punkto Usability eindeutig übertrifft, allein wegen der hervorragenden Handschrifterkennung.

Die technischen Möglichkeiten sind kein Argument, warum es die eierlegende Vollmilchsau immer noch nicht gibt. Die Gründe liegen vielmehr im tradierten Umgang der User mit der Technologie, sprich: den Hosentaschen. Dort wohnen die Handys, iPods, Organizer-Smartphones, und dort passt nicht mehr rein. Ein großes Display erfordert eine starke Batterie und die braucht Platz, genauso wie die Festplatte, die für ein mobiles Kino wohl unerlässlich ist, Memory Sticks und immer billiger werdender Flash-Speicher hin oder her. Das viel beschworene Kino für die Hosentasche wird es nie geben, es sei denn, die Kartoffelsack-Mode überrollt uns.

Wie weiter?
Die Frage, die sich jeder stellen muss, ist: Welchen Kompromiss bin ich bereit einzugehen, wenn es das ultimative portable Media Centre einfach nicht gibt? Was will ich wirklich, was ist für mein tägliches Leben unverzichtbar? Bin ich der Vieltelefonierer, der wieder zum Standard-Klingelton gewechselt ist, weil er auf seinem MP3-Handy einfach zu viele Anrufe verpasst hat und sich obendrein wunderte, warum sein Lieblingslied verdächtig oft in die Playlists reingefunkt hat? Oder bin ich smart genug und kann auch ohne den neuesten Handy-Prototypen leben und habe meine persönliche Medien-Boombox im Rucksack? Letzteren kann geholfen werden. Mit dem PMA 430 von Archos zum Beispiel. Er ist PDA, MP3-Player und Audiorecorder, mobiles Bilderbuch, hat WiFi und, vor allem, hat ein ausreichend großes Display, um Filme abzuspielen, was er auch ohne zu mucken tut. DRM ist ihm genauso fremd wie Plattform-Hörigkeit. Per USB 2.0 verbindet er sich ohne Probleme mit Mac und Windows, es gibt keine lästige Software zu installieren, der Akku läuft und läuft und die 30-GB-Festplatte ist groß genug, um einen einen Urlaub lang mit allem zu versorgen, was man braucht. Der Clou von Archos ist außerdem, dass hier gelebte Medienrealität mit mobiler Zukunftsverliebtheit verbunden wird: Per Docking-Station lässt sich der PMA an den Fernseher anschließen und dient so als digitaler Videorecorder, Timer inklusive. Und … hatte ich schon erwähnt, dass er sogar in die Hosentasche passt? Mit dem kommenden Nachfolgemodell AV700 wird die Kapazität auf 100 GB erhöht und das Display auf 7″ vergrößert. Da verzichtet man gerne auf die lästige Telefonie, Zeit dafür hat man sowieso nicht mehr.

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Elektronische Lebensaspekte.