Trevor Horn, Jean-Michel Jarre und Gary Numan haben ihn noch im Keller, den PPG Wave, den ersten Synthesizer, der 1982 digitale Wavetablesynthese und analoge Filter verband. 1000 Stück wurden damals hergestellt, natürlich zu wenige für die Freaks von heute. Ein neues VST PlugIn schafft Abhilfe.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 37

/musiktechnologie Digitale Tradition Waldorfs PPG Wave 2.V PlugIn Klangerzeugung und Oberfläche Der Wave PPG 2.V ist wie sein Hardware Alter Ego ein Wavetable Synthesizer mit analogem Filter. Wavetable Synthese beruht auf dem Konzept, dass eine Reihe von Wellenformen (die zusammengenommen eben Wavetable genannt werden) durchfahren werden, deren Ablauf dann durch verschiedenste Parameter manipuliert werden kann. Wolfgang Palm (Entwickler und Chef von PPG) schaltete diese Klangerzeugung mit einem analogen Filter zusammen, da ihm die digitalen noch zu langsam waren und nicht gut genug klangen. Die Kombination dieser beiden Elemente machte den besonderen Charakter und den legendären Ruf des PPG aus, obwohl er nur in kleiner Stückzahl gebaut wurde. Waldorf begannen mit ihren Synthesizern Anfang der Neunziger, diese Idee wieder aufzugreifen und haben folgerichtig auch das PlugIn programmiert. Die Oberfläche bietet analog zum ProFive die Draufsicht auf das Keyboard, dessen Tastatur sich per Klick auch einklappen lässt. Oben drüber gibt es zunächst einen Satz Drehregler, der wie beim Original “Analog Control Panel” heisst und die “wichtigsten” analogen Rumschraubwerte zur Verfügung stellt, als da sind: eine LFO Sektion mit den Wellenformen Dreieck, fallender Sägezahn, steigender Sägezahn und Rechteck, zwei ADSR Hüllkurven, eine weitere AD Hüllkurve, sowie den Modifiers Block für den 24 dB Filter mit Cutoff, Emphasis (so heisst beim Wave PPG die Resonanz) sowie Waves-Oszillator (bestimmt den Startpunkt der ausgewählten Wavetable) und Sub Waves (mit ihm kann der Suboszillator zum Beispiel in Abhängigkeit vom eingestellten Wavetable für den Oszillator definiert werden). Schliesslich gibt es im Modifiers Block noch drei Drehregler zur Einstellung der Intensität der beiden ADSR Hüllkurven auf das Modulationsziel, sowie die Möglichkeit, den LFO zum Tracktempo zu synchronisieren, die Zuweisung eines Programms auf den zweiten Stereoausgang (wenn es mit anderen Effekten oder EQs bearbeitet werden soll) und den sogenannten True PPG Mode, mit dem sich die “Fehler” des Originals (Aliasing, variierende Filterstimmung, unregelmässiger LFO) an- und ausschalten lassen. Die weiteren klangformenden Eigenschaften werden über Tasten auf der rechten Seite der Oberfläche abgerufen und dann anstelle der Drehregler mit numerischen Werten angezeigt. Im Programm Menü können bis zu acht unterschiedliche Sounds ausgewählt werden, die sich auch gegeneinander verstimmen lassen. Die folgenden Menüs und Parameter gelten für jeden dieser Sounds, pro Sound gibt es je einen Oszillator und einen Suboszillator. Digi Menü Hier werden die Wavetable Parameter, deren Modulationen und der Arpeggiator verwaltet: Die Wavetables für die beiden Wave-Oszillatoren werden definiert (wofür 32 Wavetables zur Verfügung stehen), ein zusätzliches Wavetable (erweitert das Wavescanning, heisst “Upper Waves” und liegt folgerichtig über den anderen Wavetables) und der Sub Wave Oszillator können aktiviert werden. Für den Suboszillator gibt es folgende Werte: OFF schaltet ihn aus, Offset ist die Standardeinstellung und bewirkt, dass der für den Oszillator eingestellte Wert mit dem Suboszillatorwert addiert wird (Beispiel: Oszillatorwert 10, Suboszillatorwert 15, Suboszillator spielt Wavetable 25), Direct verhindert die Modulation des Suboszillators und ENV 3 sorgt dafür, dass das Wavescanning des Suboszillators die dritte Hüllkurve als Modulationsquelle zugeordnet bekommt. Dazu kommen noch vier weitere Parameter, die der Bearbeitung der Wavetables dienen: mit Key/Waves kann ein Wert eingestellt werden, der abhängig von der gespielten Note unterschiedliche Waves einer Wavetable spielt. Der Wert wird dabei in Prozent angegeben, was zunächst verwirrt. Das zugrunde liegende Prinzip ist dabei, dass ein Wert von 100 % einer 1/1 Skalierung entspricht, also jede Note ausgehend von C1 eine andere Wellenform spielt. Mod/Waves erlaubt es, den LFO als Modulationsquelle für das Wavescanning zu benutzen und Touch/Waves das Wavescanning per Aftertouch zu steuern. Womit wir beim zweiten Main Feature des Digi Menüs wären: dem Einstellen des Arpeggiators. Als Modi stehen Up, Down, Alternate (hoch und wieder runter), Random und Moving zur Verfügung, wobei Moving ein komplexes Verschiebungsschema für die Notenreihenfolge erzeugt. Die Rate ist in der Bandbreite eine ganze Ecke umfangreicher, als die einfachen Arpeggiatoren, die man sonst von alten Geräten so kennt: von 1/1 bis zu 1/64 ist alles da, jeweils zusätzlich noch als punktierte oder triolische Version. Damit sind nicht nur nervende Standard Achtziger Arpeggios, sondern auch sehr komplexe und groovige Muster möglich, was für eine Schwemme an Arpeggio Tracks sorgen dürfte. Die Range kann zwischen einer bis hin zu vier Oktaven eingestellt werden. Tuning Menü Das nächste Menü ist allein dem Tuning vorbehalten. Zunächst kann der Hauptoszillator gegen den Suboszillator verstimmt werden und zwar in Intervallen von drei, sechs, neun oder zwölf Prozent, sieben Halbtöne (Quinte), einer oder zwei Oktaven. Das Tuning der beiden Oszillatoren kann auch durch den LFO und die dritte Hüllkurve (jeweils separat pro Oszillator) manipuliert werden. Im Multimode schliesslich lässt sich auch die Gesamtstimmung im Bereich von 400 bis 499 Hz (Referenztonhöhe für die Note A3) ändern. Modulationsmenü Hier werden Modulationsquellen und – ziele festgelegt. Eigenartigerweise gibt es auch hier den bereits im Abschnitt über das Digi Menü erwähnten Parameter Key/Waves, warum, blieb mir schleierhaft. Das gilt ebenso für Touch/Waves, Mod/Waves und Bend/Waves (Wavescanning mit dem Pitch Bender). Neu dagegen sind Key/Filter (wie stark die Filterfrequenz von der gespielten Note abhängt), Key/Loudness (wie stark die Lautstärke von der gespielten Note abhängt, zum Beispiel: höhere Noten lauter und tiefere leiser oder umgekehrt), Vel/Filter (Einfluss der Filterhüllkurve auf die Filterfrequenz abhängig von der Anschlagsstärke) und Vel/Loudness (ob die Anschlagsstärke die Lautstärke bestimmen soll). Dazu kommen noch Mod/Filter (ob der LFO die Modulationsquelle für die Filterfrequenz sein soll) Mod/Loudness (ob der LFO die Lautstärke modulieren soll), Touch/Filter (Aftertouch steuert VCF der ersten Hüllkurve), Touch / Loudness (Aftertouch steuert Lautstärke) und Touch / Mod (Aftertouch startet den LFO). Zum Schluss gibt es noch verschiedene Zuweisungsmöglichkeiten für Pitch Bend: Bend/Pitch bietet dabei nicht nur on/off, sondern auch die Wahl zwischen dem Benden beider Oszillatoren oder nur des Suboszillators. Per Bend/Filter lässt sich die Filterfrequenz über Pitch Bend steuern und abschliessend bietet Bend/Interval noch die Möglichkeit, die Bandbreite des Pitchbenders einzustellen. Ein grafischer Editor für die Hüllkurven und die Filter Response rundet den Parameterdschungel ab. Performance, Bedienung und Sound Die Performance des Wave PPG ist weitestgehend optimiert, will sagen: ein G3 300er schafft im achtfachen Multimode 18 Stimmen pro Sound (was immerhin noch zehn mehr pro Sound sind, als das Original erzeugen konnte) und auch die 64 Stimmen bei einem Sound funktionieren klaglos. Gleichzeitig öffnen und mit je acht Stimmen benutzen konnte ich allerdings nur drei der maximal acht aufrufbaren Wave PPGs. Der Sound ist der bisher satteste, den ich von reinen VST Instrumenten überhaupt gehört habe, dabei bleibt die Bedienung nach einer gewissen Eingewöhnung trotz der komplexen Möglichkeiten der Wavetablesynthese erstaunlich übersichtlich und funktional. Für Puristen gibt es etliche Features und Bugs des Originals. Lediglich der 8 Step Sequenzer wurde weggelassen, was angesichts seiner beschränkten Fähigkeiten aber kein Grund zur Klage sein sollte. Neben den Werkspresets der Hardwareversion von ’84 sind noch etwa 700 mitgelieferte Soundpresets mit dabei, die die Bandbreite der sonischen Fähigkeiten des Wave PPG gut und ausführlichst illustrieren. Schön, sehr eigener Sound, wenn auch mit knapp 400,- DM nicht gerade billig. ***** Systemvorraussetzungen: Mac: VST 2.0 Host, System 8.0, 300 MHz G3, 64 MB RAM PC: VST 2.0 Host, Windows 95,98,2000, Pentium 300 MHz, 64 MB RAM Preis: 399,- DM Info: http://www.steinberg.de

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Elektronische Lebensaspekte.