Prince Paul, Vordenker und Querkopf des HipHop, bricht seit neuestem mit der "Rule Number One" und legt mit CD-Playern auf. Uff. Dabei macht das total Sinn. Sagt er. Aus unserer Serie "Ode an die Klangerzeugung" wird im April die "Ode an die Klangwiedergabe". Auf geht's, Prince "Pioneer" Paul: My favourite Machines.
Text: Jan Simon aus De:Bug 81

My Favourite Machines: Prince Paul

Als Prince Paul Anfang Februar im Berliner WMF auflegt, muss ich nach etwas mehr als zwei Dritteln des Sets leider gehen, weil am nächsten Morgen Unaufschiebbares ansteht. Auf dem Weg nach draußen begegne ich einem euphorisierten Droopy (u.a. Produzent für Grand Agent und Teil des Remix-Teams Bugatti), der mir hellauf begeistert erzählt, dass Prince Paul zu seinen ewigen Idolen gehört. Auf die beiden ”CD-Turntables“ (Pioneer CDJ-1000) angesprochen, mit denen Paul gerade Sound macht, sieht er mich entgeistert an, meint ”Das muss ich sehen“ und bewegt sich grußlos in Richtung DJ-Pult.

Während man sich in anderen Musikrichtungen vergleichsweise locker macht, ist die geschilderte Szene für HipHop typisch. HipHop ist Vinyl und genau genommen gibt es für HipHop nur eine adäquate Abspieleinrichtung – den Technics MK II, wobei die Frage, ob in silber (SL-1200) oder schwarz (SL-1210) dann tatsächlich eine eher untergeordnete Rolle spielt. Schon die steigende Akzeptanz des Vestax PDX-2000, eines vergleichsweise neuen Plattenspielers, löst bei den Traditionalisten eine gute Portion Skepsis aus. Aber CD-Player? Das geht nach überwiegender Auffassung überhaupt nicht. Trotzdem werden CD-Turntables auch zunehmend von HipHop-DJs, die in der Szene immer als ”real“ galten, eingesetzt. Der erste HipHop-DJ, den ich live an CD-Playern sah, war DJ Spinna, der bei der Release-Party seiner BBE-Scheibe ”Here To There“ im Club Shelter (Manhattan) vor cirka einem Jahr auf Pioneer auflegte. Doch nun auch Prince Paul? Der Produzent der ersten De-La-Soul-Alben ”Three Feet High And Rising“ und ”De La Soul Is Dead“? Der Mann hinter dem mit RZA gegründeten Gravediggaz-Projekt, der bis heute außerdem drei Soloalben veröffentlicht hat?

Wenn man ehrlich ist, dann wahrscheinlich gerade Prince Paul, denn seine Herangehensweise an HipHop ist seit jeher äußerst undogmatisch und von Labelwünschen unbeeinflusst, was ihm das Leben auch nicht immer leicht machte. Wenig erstaunlich ist vor diesem Hintergrund auch, wer ihn auf die DJ-CD-Player brachte: ”Ich entspannte mich gerade, als Biz Markie anrief und loslegte:’Yo – du brauchst diese CD-Turntables, ich hab auch schon welche.’ Ich meinte: ’Machst du Witze? Ich komme aus der Oldschool, ich werde mir so was nie zulegen!’, und fing sogar an, mich ein bisschen mit ihm zu streiten. Aber Biz meinte: ’Jetzt schreib dir das auf: Pioneer CDJ-1000. Geh runter in den Laden und kauf sie dir.’ Mein Sohn hat mich dann in den Laden geschleppt, ich hab die Teile angefasst, ein paar Cuts gemacht und zwei Wochen später hatte ich selbst welche.“ Auch die Gründe für den Kauf sind schnell geschildert: ”Die Dinger haben einfach Vorteile. Zunächst ist es bequem und viel billiger beim Reisen, denn wenn du Plattenkoffer dabei hast, kostet das im Flugzeug extra. Dann entfällt auch dieser Stress. Ich weiß noch genau, wie es früher war, wenn ich bei der Gepäckausgabe auf das Band starrte und immer betete, dass meine Platten da rauskommen und sie keiner gestohlen hat. Die ewige Schlepperei fällt weg und auch technisch hast du Vorteile. Bei Plattenspielern kann es dir passieren, dass es bei basslastigen Stellen zu Feedback kommt, und bei den CDs gibt es natürlich keine Probleme mit springenden Nadeln.“

Abschließend meint er: ”Ich liebe Vinyl – es ist Teil der Kultur, ich selbst besitze um die 45.000 Platten und natürlich werde ich auch in Zukunft immer wieder mit Vinyl auflegen. Dennoch ist es ein bisschen albern. Da kommen diese Typen an, die sich bei dir beschweren, dass du mit CDs auflegst. Hätten sie das nicht mitbekommen, hätten sie einfach einen guten Abend gehabt, weil du dope Musik gespielt hast.“ Nicht ganz von der Hand zu weisen.

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Elektronische Lebensaspekte.