Princess Superstar sportet in ihrem HipHop eine eigentümliche Interpretation von Feminismus: Mit anzüglichen Reimen über weibliche Sexualität will sie ihren männlichen Kollegen das Thema aus der Hand reißen. Das ist verständlich, macht Machokollegen sprachlos und ist, mit einer Prise Humor genommen, auch lustig anzuhören. Nur schwer zu sagen, ob es auch funktioniert.
Text: Florian Sievers | florian.sievers@gmx.de aus De:Bug 52

Hip Hop

Princess Superstar
Sexists make her Breakfast

Neulich bei einem Konzertabend, den jemand “Independent Women” betitelt hatte: Auf der Bühne sollten drei Modelle von starken Frauen zeigen, auf wie unterschiedliche Weise Frauen heute stark und selbstbewusst sein können. Zuerst gibt Beth Hirsch mit Akustikklampfe die nachdenkliche, zerbrechliche Songwriterin. Kurz darauf geißelt Ursula Rucker zu Studiomucker-Funk wortgewaltig misogyne Missstände. Und nach all dem Geist und Wort betritt schließlich eine dralle Blondine die Bühne, der fast die Brüste aus dem prallen Dekolleté springen. Sie fährt dicke Beats ab und rappt über Schwänze und Ficken und darüber, wie “Wet! Wet! Wet!” sie gerade sei. Shocking. Eine Art HipHop-Doro-Pesch, die Männer wie Frauen aus dem Publikum dazu animiert, sich auf der Bühne bis auf die Unterhose auszuziehen und sich an ihr zu reiben. “Ich hatte vorher etwas Angst, dass Ursula und Beth denken könnten, ich sei einfach nur frivol und dumm”, grinst Princess Superstar hinterher. “Aber wir haben uns super verstanden. Was wir drei gemeinsam haben, ist starker Feminismus – wir leben ihn nur auf sehr verschiedene Art.”

Pin-Up Aktionismus

Das kann man wohl sagen. Denn die Emanzipations-Auslegung der New Yorker Rapperin Princess Superstar bedarf einer guten Prise Humor und ist zumindest, sagen wir: gewöhnungsbedürftig. Die Frau nimmt kein Blatt vor den Mund, sie rappt vor allem über das Eine, macht ständig blöde bis versaute Witze und sieht mit schlecht blondiertem Haar und hautengem Paillettenkleid aus wie eine laute Mischung aus Bikerbraut und Pin-Up-Girl. Allerdings sie ist zwar derbe, aber bestimmt nicht doof. Mrs. Superstar weiß genau, was sie tut. Sie rappt schnell wie ein Karnickel und produziert selbstverständlich ihre Musik zu großen Teilen selber. Die Frau mit der typischen Big Apple-Mixtur aus sizilianischen, polnischen, russischen und jüdischen Wurzeln wurde in New York geboren, lebte lange auf einer Farm in Pennsylvania und kehrte, weil es ihr dort zu langweilig wurde, mit 17 zurück in die Großstadt. Später studierte sie auch mal ein Jahr in Paris experimentelles Theater und spricht seitdem fließend Französisch. In New York spielte sie Gitarre in weirden Bands und stieß dann 1993 auf HipHop. “Ich fühlte, dass ich mich, auch experimentell, mit HipHop am besten ausdrücken konnte. Und wenn man in New York ist, kann man dieser Musik ja Gottseidank nicht aus dem Weg gehen.”

Auftrag HipHop

Heute wohnt sie im East Village und arbeitete als Produzentin und Rapperin bereits mit so unterschiedlichen Menschen wie Prince Paul, John Forte und John Spencer zusammen. Ihre erste LP “Strictly Platinum” erschien 1995 auf dem kanadischen HipHop-Indie 5th Beetle. Dann hatte sie die Nase voll von Abhängigkeit und gründete für die nächsten beiden Platten “CEO” und “Last Of The Great 20th Century Composers” jeweils eigene Plattformen mit lustigen Namen: “A Big Rich Major Label” sowie “The Corrupt Conglomerate”, das sie jetzt an das K7-HipHop-Label Rapster lizensiert hat. Dort erscheint denn auch LP Nummer vier, “Princess Superstar Is”. Auf der rappt Frau Superstar zusammen mit einer ungewöhnlichen Kombi aus freigeistig zusammentelefonierten Leuten wie etwa Beth Orton, Mista Sinista von den X-Ecutioners oder der Schokostimmen-Göttin Bahamadia. Und daneben rubbelt sie sich einen mit ähnlich gelagerten männlichen Kollegen wie Sexstyler Kool Keith oder dem Profi-Ferkel Mighty Mi, der neben High & Mighty ja mit den Smut Peddlers auch schon für einschlägige Schlagzeilen gesorgt hat.
“Ich gebrauche meine Sexualität, um feministisch zu sein”, erklärt sie. “Ich rede über all das, worüber männliche Rapper schon seit Jahren reden. Ich drehe den Spieß einfach um.” Das ist nachvollziehbar und auch lustig – vor allem, wenn Zeilen wie “I got Sexists begging to make me Breakfast” machistische Männer-Kollegen sprachlos machen. “Ich hoffe, dass das mehr Frauen dazu bringt, sich für HipHop zu begeistern”, sagt Princess Superstar. “Denn wir brauchen mehr von uns in diesem Geschäft. Und das gilt für jede Industrie. Guck dir doch die Wall Street an: Frauen müssen dort viel besser in ihrem Job sein als Männer, um hochzukommen. Und dann dürfen sie sich nicht sexy anziehen, um weiter ernst genommen zu werden.” Sie selber sieht keine Gefahr, dass sie auf das naheliegende Klischeebild “Die blonde Sexrapperin” reduziert wird, solange sie ihr gesamtes Geschäft selber in der Hand hat. “Ich mag es gerne, sexy zu sein. Es ist mir egal, wenn jemand so humorlos ist und das nicht versteht. Na ja, und manchmal bin ich eben einfach nur horny und will dann auch das Recht haben, darüber zu rappen.”

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Elektronische Lebensaspekte.