Generation Aggro kicks Öko-Ass aus De:Bug 111


Berlin-Kreuzberg ist seit dem Fall der Mauer ein entzauberter Stadtteil. Die spezielle sozio-kulturelle Melange aus spinnerten Kunststudenten und frechen Türkenlümmeln reißt jedenfalls schon lange niemanden mehr vom Hocker und sogar die Krawallbrüder lassen den einst berüchtigten Biss vermissen. Dabei ist in Kreuzberg heimlich eine Generation herangewachsen, die den abgegessenen Begriff “multikulturell” in ein völlig neues, spannendes Licht rückt: Die Kinder von hängen gebliebenen, irgendwie links-alternativ-verdrogten Hippies. Die heute 14- bis 16-Jährigen kennen Kreuzberg gar nicht mehr als die Nische in der Mauer. Sie haben keine Ahnung von den westdeutschen Befindlichkeiten, die ihre Eltern einst in den Stadtteil trieben.

Die Lebensentwürfe aus den 80er Jahren wirken in der wiedervereinigten Stadt deplatziert, die Suche nach zukunftsträchtigeren Vorbildern ist daher auch das Thema des Dokumentarfilms “Prinzessinnenbad” von Bettina Blümner. Die Protagonistinnen Klara und Tanutscha sind 15, def und streetwise. Das beschauliche SozialarbeiterInnen-Geschwätz ihrer allein erziehenden Mütter weckt zuverlässig den Wunsch nach chemischen Drogen und Gewalt, die die Prinzessinnen für den Moment bei ihren türkischen Freunden finden. Die Enkelkinder der BRD-Dissidenten entdecken ihr Rollenmodell in der Machokultur türkischer Immigranten, später wird man dann Pornostar und kauft nie im Ökoladen ein. “Prinzessinnenbad” erzählt diese erstaunliche Geschichte auch noch unterhaltsam: Two thumbs up.

http://www.prinzessinnenbad.de

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Elektronische Lebensaspekte.