Neuigkeiten für den VST-Ordner auf euren Festplatten. Native Instruments verpasst der Prophet 5-Emulation Pro-Five ein dickes Update und lässt ausserdem die Hammond-Orgel neu auferstehen. Virtuell versteht sich. Und in beiden Fällen geht es um viel Holzfu
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 39

Von Orgeln und anderen Legenden

Updates für VST-Instrumente

Pro 52
Der Pro-Five geht in die nächste Runde
Gefeilt und verbessert wurde an allen Ecken und Enden. Zunächst mal ist der neue Pro 52 auch als Stand Alone über Midi ohne VST Host (Cubase, Logic…) verwendbar. Neu ist auch die Möglichkeit, die Original SysEx-Sounddaten des Prophet 5 zu importieren und exakt zu reproduzieren, was für Liebhaber bestimmt interessant ist, Otto-Normaluser (wer hat noch SysEx-Daten von vor zwanzig Jahren??) wird sich dafür eher weniger interessieren. Aber das ist ja auch noch nicht alles: Pro52 kommt mit einer Sektion für Delay-, Echo- und Flange-Effekte, deren Algorithmus sehr gut klingt und subtile bis sehr drastische Effekte erlaubt. Die Parameter sind dabei natürlich auch komplett über Midi steuerbar. Midiseitig gibt es noch eine weitere interessante neue Funktion: per Controller Dump können die Parameterwerte sämtlicher Regler gespeichert werden, um sie später auch per Midi reproduzieren zu können. Der LFO-Sektion wurde eine Sample & Hold Zufalls-Wellenform spendiert, wenn alle LFO Wellenformen aktiviert sind. Sind alle deaktiviert, lässt er sich auch mit dem Modulationsrad steuern. Und Unison kann jetzt auch beim Legatospielen die Hüllkurven kontrollieren. Schliesslich zum letzten neuen Feature, dem Audio Input. Eigentlich eine nette Sache, wenn man einen Audiostrom durch die Filter eines Synthesizers schicken kann, allein das funktioniert hier nur äusserst eingeschränkt. Pro52 muss zunächst in Cubase (oder wahlweise einem anderen VST-Host) als Effekt geschaltet werden. Wäre auch nicht weiter wild, wenn er nicht einen Note On Befehl bräuchte, um das Durchschleifen des externen Audiosignals zu ermöglichen. Kurz: nur bei einem konstanten Klicken auf die Tastatur im Effektrack kann man dieses neue Feature benutzen. Laut Native Instruments wird es mit der neuen Cubase Generation (5.0) einige Änderungen geben und dann wahrscheinlich noch ein Update, dass dieses Problem behebt. Alles in allem ist und bleibt der ProFive als Pro52 aber eines der besten VST Instrumente und wird jetzt auch für Leute interessant, die ihn ohne VST Host als Instrument nutzen möchten. Der Preis für das Update ist mit 49,- DM moderat ausgefallen, denn allein die Effektsektion ist das Geld wert. Für alle, die noch keinen ProFive haben, kommt es natürlich noch besser, da der Preis der alte geblieben ist.
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Systemanforderungen: Mac: Mac OS 7.6.1 oder höher, PPC 603, 120 MHz, 32 MB RAM, PC: Windows 95/98 oder NT 4.0, Pentium 133 MHz, 32 MB RAM, 16-bit-Soundkarte Info & Download (Demo & Update): http://www.native-instruments.de Preis: 299,- DM, 49,- DM (Update)

Hammondorgel, zerlegt in Bits & Bytes

Das Hammond PlugIn B4

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte sie mich doch noch, die naturidentische Nachbildung der Hammondorgel B3, sowohl als VST-Instrument als auch als Stand Alone für Mac und PC verfügbar. Das Original wurde von Leslie Hammond, der vorher elektrische Uhren produzierte hatte, bereits 1934 erfunden, das Modell B3 wurde von 1955 bis immerhin 1974 hergestellt und in einer Vielzahl musikalischer Stilrichtungen von Jazz über Country, Rock und Pop bis hin zu House exzessiv genutzt, so dass eigentlich jeder den typisch nörgelig-sakralen, aber sehr warmen Klang kennen dürfte. Die Tonerzeugung beruht auf dem Prinzip des elektromagnetischen Tonradgenerators.

Oberfläche

Die Hauptoberfläche ist eine schaurig schöne Draufsicht (da hat sich jemand echt Mühe gegeben mit dem Holzfunier!) auf die B3: Zwei Manuale mit jeweils neun Zugriegeln, Pedalen und ein paar Knöpfen zur Bedienung des Rotary Speakers und anderer Elemente. Wer es gern ein wenig reduzierter hat und sich nicht gleich von soviel gutgemeinter Realitätsnähe erschlagen lassen will, kann auch auf eine Oberfläche umschalten, auf der nur die Knöpfe und Schalter zur Manipulation des Sounds zu sehen sind. Die Klangerzeugung ist dem Original ebenso akribisch nachgeahmt wie die Oberfläche: neben den obengenannten zwei Manualen mit ihren je neun Zugriegeln à acht Intensitäten und dem Basspedal-Keyboard gibt es auch zwei Rotary Speaker bzw. ein Leslie (zwei rotierende Lautsprecher, einer für die Bässe zuständig, einer für Höhen, die beide unabhängig voneinander sowohl in Geschwindigkeit, Beschleunigung als auch in der Tonhöhe editierbar sind) sowie ein Scanner Vibrato für den berühmt berüchtigten Zittereffekt und einen regelbaren Röhrenverzerrer. Die Effektsektion aus Scanner Vibrato, Verzerrer und Leslie kann praktischerweise in beliebiger Kombination sowohl im Stand Alone Betrieb als auch als Insert in Cubase für externe Audioquellen genutzt werden.

Performance, Bedienung & Sound

Der Sound ist meiner Meinung nach (bin kein Orgelprofi!) sehr nah am Original und erstaunlich warm im Bass. Die Verzerrung und Rotary Emulation klingen sehr realistisch. Die Bedienung ist dank der opulenten, aber übersichtlichen und wohlstrukturierten Oberfläche sehr logisch. Auch bei der Performance gibt es keinen Abzug. B4 verbraucht nicht übermässig mehr oder weniger Rechenkraft als ein durchschnittliches VST Instrument. Wenn man sich überlegt, dass EMU gerade einen Hammond-Rackexpander für 1700,- DM mit vergleichbaren klanglichen Fähigkeiten, aber deutlich weniger Eingriffsmöglichkeiten auf den Markt gebracht hat, ist auch der Preis ziemlich fair, denn die B4 ist sowohl im Stand Alone Betrieb, als VST Instrument und als Effekt nutzbar. Ein weiterer Vorteil dürfte das Gewicht sein: das Original wog gute 200 kg, wohlgemerkt ohne das Leslie…
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Elektronische Lebensaspekte.