Technoklassiker vom Jazz-Quartett. Da kollidieren die Welten. Oder swingen kongenial.
Text: Jan Joswig aus De:Bug 120


Technoklassiker vom Jazz-Quartett. Da kollidieren die Welten. Oder swingen kongenial. Bei Christian Prommers Projekt “Drumlesson” haben die Club-Kids mit den Füßen abgestimmt. “Strings of Life”, “Rej”, Beau Mot Plage”, der Dancefloor tobt zu Kontrabass, Piano und Jazzbesen. Bevor im Herbst der zweite Teil von Drumlesson erscheint, bei dem Jazzkompositionen von Techno-Produzenten interpretiert werden sollen, sprachen wir mit Prommer und Drummer Haffner über Spiel und Stil.

Albert Mangelsdorff: Ich möchte … keine Musik machen, die mit Jazz nichts zu tun hat, die nicht swingt. (in: Eckehard Jost, Europas Jazz)

Eine Session wie bei Dizzy Gillespie in Minton’s Playhouse in den 40ern (1). Man schleicht sich mit dem Instrument unterm Mantel rauf auf die Bühne und legt los. So etwas geht nur mit eingespielten und ausgebufften Profis, mit einer Gang. Solch eine Gang hat Christian Prommer, der Mann hinter Fauna Flash, Trüby Trio, Voom:Voom, zusammengetrommelt, um sein Lieblingsprojekt endlich zur Aufführung zu bringen: Wie würde Derrick Mays ”Strings of Life“ von einem Jazz-Quartett klingen? Der Fuchs Prommer hat dafür Musiker rekrutiert, die mit der Club-Welt kaum Berührungspunkte haben, in der Jazz-Welt aber zu den Top Session-Autoritäten gehören.

Drummer Wolfgang Haffner spielte mit Albert Mangelsdorff, Klaus Doldinger, Passport (2), den Brecker Brothers, Michael Franks, aber auch mit Till Brönner oder den swingenden No Angels zusammen. Auch die anderen Musiker, Pianist Roberto di Gioia, Bassist Dieter Ilg und Perkussionist Ernst Ströer, haben eine ähnliche Namensliste in der Hinterhand. Die Referenzen halten die einen für illuster, die anderen für drögen Handwerker-Muff. Die Erwartungen waren zwiespältig: Techno als blutarmes Gedaddel? James Last spielt Kraftwerk nach? Aber gerade die Club-Kids drehten zu ”Strings of Life“ vom Jazz-Quartett durch. Prommer hat mit seiner Musiker-Auswahl genau den richtigen Riecher bewiesen, um das heikle Konzept an der Untiefe ”Kaffeehaus-Geplänkel mit Wiedererkennungspointe“ vorbeizuführen.

Neben Roberto di Goia spielt Wolfgang Haffner die wichtigste Rolle im Team. Er ist der Mann mit dem ständigen Augenkontakt zu Prommer. Haffner hat einen weltweiten Ruf als brillanter Techniker mit Herz und Feeling. Aber Geschmack ist eine Kategorie, die ihn nicht sonderlich interessiert. Funky Abba mit Nils Landgren, gestopfte Weihnachtslieder mit Till Brönner? Das sind doch spannende Aufgaben. Genauso wie groovy Techno mit Christian Prommer’s Drumlesson. Haffner ist sicher kein Hipster, sein Wertesystem funktioniert anders. Wahrscheinlich hätte er auch Hardtrance getrommelt, wenn Christian Prommer es ausgewählt hätte. Aber mit Prommer hat Drumlesson eine felsenfeste Geschmacks-Instanz, die überhaupt nicht blasiert ist, aber sehr wohl weiß, wie Turnschuhe und Töne zusammenhängen, wie die ästhetische Sublimierung des Großstädter-Lebens läuft.

Der Mucker und der Hipster: Dem einen geht es um die hohe Kunst des Spielens, dem anderen um das kulturelle Statement. Mit Prommer als Produzenten und Live-Editierer hat das Quartett zwei Hände voll Techno-Klassiker verjazzt. Das Zusammenspiel ist dabei alles, der Cover-Aspekt absolut zweitrangig. Deshalb ist Drumlesson auch über jeden Novelty-Verdacht erhaben, der ähnlichen Projekten wie Re:Jazz oder Acid Brass viel eher anhängt. Das so liquid druckvolle wie transparent weiträumige Spiel von Drumlesson hat nichts weniger nötig als den Rückverweis auf die Ausgangstracks. Kein Wunder, kam das Quartett mit den meisten der Originale doch das erste Mal am Tag der Aufnahme in Berührung.
De:Bug sprach mit der ”Kernzelle“ Haffner und Prommer.

Christian Prommer: Was Wolfgang und mich vom Background verbindet, ist die 80er Fusionjazz/Jazzrock-Ära, die gute alte Zeit, in der ich sozialisiert wurde.

De:Bug: Fusionjazz würde ich in die 70er datieren …

Christian Prommer: Ich meine das Feld zwischen Earth, Wind and Fire und Weather Report. Da haben auch Prince und Cameo reingepasst, genauso wie die Jeff Lorber Fusion.

De:Bug: Die jazzigeren Funksachen.

Wolfgang Haffner: Das sind die gleichen Namen, die ich auch genannt hätte. Cameo, Brecker Bros., Weather Report.

Christian Prommer: Als Fan hat man von da aus den Stammbaum zurückverfolgt. Was hat eigentlich Marcus Miller vorher gemacht? Quincy Jones? Dann landet man irgendwann in den 60ern. Die 70er waren wichtig, aber groß geworden bin ich in den 80ern. New Jack Swing (3), ganz wichtige Entwicklung.

De:Bug: Was mit Jazz nichts zu tun hat.

Christian Prommer: Aber es ist ein Offspring von Black Music. Da habe ich begriffen. Die Produzenten haben die Macht. Die definieren, wie es klingt, nicht der Typ, der am Mikro steht. Das ist der Link zur elektronischen Musik von heute. Das war beim Jazz nicht anders. Wenn du die Historie von CTI Recordings verfolgst, da gibt der Produzent und Label-Besitzer dem Ganzen die Identität.

De:Bug: Wolfgang, du bist dann von den 80er-Bezugsgrößen aus in andere Richtungen gegangen als Christian?

Wolfgang Haffner: Ich bin auch bei Black Music gelandet.

Christian Prommer: Wolfgang hat sogar mit Chaka Khan gespielt.

Wolfgang Haffner: In den 70ern gab es für mich höchstens Boney M … Disco. Über den 80er-Fusion-Umweg bin ich zurückgekommen zu Earth, Wind & Fire, Chaka Khan und relativ schnell auch zu Dave Brubeck. Das musste mich als Schlagzeuger interessieren, Joe Morello. Sein Solo auf “Take Five“ ist ein Meilenstein. Von da aus dann Miles Davis, John Coltrane.

De:Bug: Hat dich der deutsche Free Jazz interessiert, der als die erste originäre deutsche Jazz-Sprache gewertet wird?

Wolfgang Haffner: Das interessiert keinen 14-jährigen Jungen, den ich kenne …

De:Bug: Aber später hast du mit Wolfgang Dauner und Manfred Schoof (4) zusammengespielt.

Wolfgang Haffner: Oft. Aber wir haben keinen Free Jazz gespielt. Die hatten diese Phase Gott sei Dank hinter sich.

De:Bug: Das hat dich in deinem eigenen Entwicklungsprozess nicht interessiert?

Wolfgang Haffner: Nein. Wir haben auch frei gespielt. Aber es ist ein völliger Irrglaube, dass Free Jazz komplett frei sei. Da gibt es genauso viele Klischees wie in der elektronischen Musik, wie im Straight-ahead-Jazz oder sonst wo. Wir haben schon frei gespielt. Aber dass jeder mal hupt, wie er will, hat mich nie interessiert. Eine gute Definition zu Free Jazz hat ein alter Schulkamerad gegeben: möglichst viele falsche Noten innerhalb kürzester Zeit zu spielen. Das hat mich nie interessiert, weil ich immer einen Puls brauche. Das habe ich bei Free Jazz nie gespürt.

De:Bug: Zu Fusion Jazz könnte man dann sagen: zu viele Gefälligkeiten unter einem Daddel-Groove.

Christian Prommer: Absolut.

De:Bug: Christians Sachen setzen sich auf progressive Weise mit dem Groove auseinander, alleine schon wegen der elektronischen Mittel, während Wolfgang weitaus konventioneller arbeitet. Passport und Doldinger hatten ihre große Zeit ja vor der zweiten Hälfte der 80er. Jazzrock wurde in den 70ern ausformuliert. Was war für dich das Motiv, in so ein durchdefiniertes Projekt einzusteigen?

Wolfgang Haffner: Wenn du 22 Jahre alt bist und bekommst einen Anruf von Klaus Doldinger, dann überlegst du erst mal nicht. Das war auch elf Jahre lang wunderbar. Dann wollte ich aber den Fokus mehr auf meine eigenen Sachen legen, weil ich auch viel Musik selbst schreibe. Die erste Platte unter meinem Namen kam schon 1988. Ich bin bei Nummer 13 angelangt.

Christian Prommer: Das Spektrum der Stimmen, die ein Schlagzeug bietet, ist per se ausformulierter als bei elektronischer Musik. Das Entdecken von neuen Welten mit dem Instrument ist gar nicht im Hinterkopf der Musiker.

De:Bug: Aber wo hängt dein Herz, Wolfgang? Du beherrschst genauso ein Swing- wie ein funky Rimshot-Idiom.

Wolfgang Haffner: Ich kümmere mich nicht um Stilistiken. Ich mache Musik kreuz und quer durch den Gemüsegarten. Das hat mir seitens der Jazz-Journaille …

Christian Prommer: … Jazz-Polizei …

Wolfgang Haffner: … schon ziemliche Kritik eingebracht. Kindergarten. Wenn ich mich darum gekümmert hätte, würde ich heute nicht durch die Welt reisen und Musik machen.

De:Bug: Wie wichtig ist dir das Ausgangsmaterial? Wie schaffst du den Spagat zwischen einer Abba- und einer Derrick-May-Bearbeitung?

Wolfgang Haffner: Wenn du die Aufgabenstellung bekommst, wir machen ein funky Abba-Album, fällt dir erst mal die Kinnlade runter. Du musst wie bei einem Remix ausdünnen. Drei oder vier von den Arrangements habe ich gemacht. Bei ”Dancing Queen“ haben wir nur die Melodie übrig gelassen, eine Moll-Stimmung reingebracht, etwas Schmutz. Das Ausgangsmaterial ist gar nicht so entscheidend, sondern was du draus machst. Wenn du in der Jazzhistorie guckst: die alten Standards, da sind olle Kamellen dabei, da wird dir schlecht. Aber wenn du hörst, was Miles Davis oder John Coltrane daraus gemacht haben, wird es wieder spannend.

De:Bug: Du musst dich also nicht mit dem Ausgangsstück identifizieren können?

Wolfgang Haffner: Nein, überhaupt nicht.

Christian Prommer: Das war ja das Tolle am Drumlesson-Projekt. Die Musiker kannten die Originale nicht. Erst am Tag der Aufnahme haben sie mal reingeschnuppert. Daran sieht man, wie toll diese Stücke sind. Ihre Essenz ist stark genug, um das zu überleben. Es gab nur grobe Arrangements, die ich mit Roberto di Gioia mündlich ausgearbeitet hatte, und kleine Audio-Schnipsel. Aber prinzipiell haben wir einfach losgelegt. Wolfgang hat seinen Laster voll Instrumenten mitgebracht, die haben wir getuned. Es ist nicht wichtig, dass jede Note vorgegeben ist, wenn man weiß, das Team macht eh das Beste draus.

Wolfgang Haffner: Der Vibe war vorgegeben, aber vieles andere entstand spontan.

De:Bug: Wie einigt man sich auf ein Klangspektrum?

Christian Prommer: Flügel, Kontrabass und Drums waren vorgegeben, das war konventionell. Wir sind damit unkonventionell vorgegangen, haben was auf die Snare gelegt, die Mikros anders hingestellt, Kleinigkeiten, die enorm viel ausmachen.

De:Bug: Habt ihr die Gefahr des Novelty-Charakters, wenn man bekannte Tracks in ein anderes Genre überführt, gesehen?

Wolfgang Haffner: Das war mir egal, ich kannte die Tracks eh nicht. Roberto rief mich an, ob ich in ein paar Wochen Zeit hätte. Ich bin an dem Tag ins Studio gefahren und wir haben die Platte in einem Take aufgenommen. Eine meiner schönsten Sessions. Wochen später haben wir uns noch angerufen, wie unglaublich das war. So gehe ich grundsätzlich an meine Sachen ran. Ich werde bestellt für etwas – ich mache nur Sachen, die mich interessieren – und gehe da unvorbelastet hin. Schwierig wäre es zum Beispiel, wenn ich einen Anruf von den Scorpions kriegen würde. Denn du weißt, das neue Scorpions-Album muss so klingen wie die achtzig vorher. Dann ist der Rahmen eng. Aber bei Drumlesson war das kein Thema. Ich war schon immer Fan von Christians Trüby Trio, die anderen kannte ich auch gut und wusste, wie das Musizieren mit ihnen ist. Ein schöner Tag im Juli in München – los geht’s. Es gab keinerlei Berührungsängste.

De:Bug: Es ist ein reiner Zufall, dass Roberto mit Marsmobil auch gerade ein sehr clubbig und elektronisch ausgerichtetes Projekt macht?

Christian Prommer: Ich arbeite schon viel mit Roberto zusammen … Ich fand es toll, bei Drumlesson Roberto wieder für seinen Jazzbackground zu begeistern, den er nicht mehr als Teil seines Lebens empfunden hatte. Drumlesson sollte ein Jazz-Projekt ein. Dass es von DJs aufgelegt wird, ist fast schon Ironie. Obwohl ich die Energie vom Dancefloor wollte, aber nicht ravig gespielt, sondern traditionell und tiefgründiger.

Wolfgang Haffner: Kein ”Four to the Floor“, aber Hammer-Bassdrum.

De:Bug: Sagt dir der Drumlesson-Erfolg was über die momentane Situation der Club-Musik?

Christian Prommer: Ich hatte das Gefühl, dass es eine Freude darüber gibt, dass etwas nicht ausgetüftelt ist, nicht quantisiert, nicht jeder Ton reflektiert.

De:Bug: Negativstichwort: Klötzchenschieberei.

Christian Prommer: Aber das ist ja auch toll. Und es war in diesem Fall nicht viel anders, nur dass die Klötzchen Namen haben und im Studio stehen und man ihnen schon vor der Aufnahme sagen muss, wo sie stehen sollen … Ich habe editiert während der Aufnahme, nicht danach. Ich war Fan, der sich in die Hosen gemacht hat vor Begeisterung, und gleichzeitig Regler schieben musste.

Wolfgang Haffner: Bei den Konzerten fand ich es wahnsinnig. Seit zwanzig Jahren spiele ich den Art-Blakey-Latinbeat, jetzt flippen dazu plötzlich 20-jährige Clubber aus. Das starke rhythmische Element stellt die Verbindung zum Club her. Was harmonisch im Club passiert, kannst du komplett in die Tonne kloppen. Das ist nicht wichtig. Was die Leute anspricht, ist der Rhythmus und die Hookline. Die Hookline spielt Roberto auf dem Klavier – ”Around the World“, ”Strings of Life“, ”Trans Europa Express“ – die Leute drehen durch wegen der paar Töne.

Christian Prommer: Es muss swingen, sonst hat es keine Bedeutung. Das gilt auch für die Remixe. Ich halte aber gar nichts davon, Live-Drums in den Remix reinzubringen, 12“s mit einem Schlagzeuger aufzunehmen. Das finde ich schlimm: zeigen, dass es auch mit echten Drums geht. Maurice Fulton macht es sehr interessant, er überreißt es so, dass ich es wieder super finde. Es ist so hysterisch, das sind ja eigentlich Metal-Drums. Keine Ahnung, wo er die her hat, ob das Lars Ulrich selber ist. Da macht es aber Sinn, weil es so überzeichnet ist. Sonst wird es aber im schlimmen Sinne acid-jazzig.

De:Bug: Wolfgang, hast du dir Techno/Jazz-Projekte wie das Innerzone Orchestra von Carl Craig angehört?

Wolfgang Haffner: Ich höre erst wieder seit ein, zwei Jahren elektronische Sachen. Sonst komme ich immer wieder zu den Altmeistern zurück: das Bill Evans Trio, Oscar Peterson Trio (5). Ich habe wieder meinen Plattenspieler aufgestellt und Platten aus dem Keller geholt. Ella, Ella Fitzgerald.

De:Bug: Wenn du die Altmeister hörst, findest du dann nicht, dass Till Brönner ein brutaler Banalisierer ihrer Sprache ist?

Wolfgang Haffner: Überhaupt nicht. Er ist einer der genialsten Musiker, die ich je getroffen habe. Kein Mensch hat eine Ahnung, was er für Dinge weiß. Ich kenne keinen, der mich musikalisch so berührt. Es kommt vielleicht oft glatt rüber, aber das ist völliger Humbug. Er hat das Problem, dass die Vermarktungsstrategie komplett aufgeht. Schön aussehen und in der Gala auftauchen.

De:Bug: Aber musikalisch sträubt sich doch auch nichts dagegen …

Wolfgang Haffner: Till steht auf diese Musik, auf Sinatra. Er wird immer mit Chet Baker verglichen. Aber Till hat als Trompeter eine absolut eigene Stimme. Ich klinge auch nicht wie Billy Cobham, obwohl wir beide Schlagzeug spielen.

De:Bug: Wie gehst du generell an Projekte ran?

Wolfgang Haffner: Ohren, Augen, Herz auf. Dann geht die Reise los. Vor ein paar Tagen habe ich eine Platte mit Pe Werner gemacht. Das war auch ein Meilenstein. Es war ein akustisches Klavier-Trio im Studio. Ich kenne die Jungs, es musste eine runde Sache werden. So war es dann auch.

De:Bug: Kannst du dir überhaupt vorstellen, ohne die soziale Interaktion Musik zu machen?

Wolfgang Haffner: Ich brauche die Interaktion.

Christian Prommer: Ich habe neulich eSession entdeckt. Das ist ein Service, bei dem du online hochkarätige Musiker buchen kannst. Die haben alle ihre eigenen Studios. Auf der Seite steht dann, mit wem sie schon gespielt haben, bei welchen Hits von Boyz II Men sie das Tamburin geschwungen haben. Du redest mit denen gar nicht mehr, du schickst einen Vertrag, sie das File mit der Spur. Das funktioniert bei Musik als Dienstleistung, der Song für die nächste ”DSDS“-Staffel muss fertig werden. Aber das ist ja kein Musikmachen, kein Einfangen einer Aura.

Wolfgang Haffner: Genau so werden aber heute die meisten Produktionen gemacht. Außer Drumlesson und Pe habe ich nur Produktionen gemacht, bei denen Internet-Files nach New York geschickt wurden. Wenn du mit Musikern in einem Raum bist, bündelt sich eine Energie, die du auf der Aufnahme hörst.

Christian Prommer: In der elektronischen Musik verliert man sich ja in dieser ”Ich bin der Herr und Entscheider“-Struktur. Nur als DJ merke ich, dass ich nicht alleine bin. Das Publikum ersetzt die Band. Durch die Reaktionen erfahre ich, ob ein Breakdown zu kurz ist, so etwas.

Wolfgang Haffner: Bei Drumlesson ist eine Freiheit in der Musik, die mir bei vielen anderen Produktionen fehlt. Es kommt oft nicht mehr auf so etwas wie Aura an. Als ich Sun Ra gehört habe, fand ich das zwar fürchterlich, Kraut und Rüben, aber es hat was.

Christian Prommer: Es hat Spirit.

De:Bug: Lärm und Destruktion interessieren dich gar nicht als Stilmittel?

Wolfgang Haffner: Überhaupt nicht. Ich bin Harmoniker. Deswegen auch mein Abstand zum Freejazz.

De:Bug: Würdet ihr euch unabgesprochen auf gleichen Konzerten treffen?

Wolfgang Haffner: Pink Floyd?

Christian Prommer: Ja.

Wolfgang Haffner: Police?

Christian Prommer: Jein … Aber wenn George Duke kommen würde.

Wolfgang Haffner: Faithless. Ich habe die vor neun Jahren gehört, da hatten sie eine super Band dabei, die das Album ganz eigen umgesetzt hat.

Christian Prommer: Da bin ich überhaupt nicht dabei. Aber bei Janet Jackson stand ich in der ersten Reihe.

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Elektronische Lebensaspekte.