Mit der Stricknadel in der Hand in den Kampf gegen die Globalisierungsauswüchse. Die Organisation aus New York macht alte Handwerkstechniken für politische Gesten fit.
Text: Katharina Tietze & Naomi Salmon aus De:Bug 93

Protest-Stricken
Microrevolt.org

Gegen Phil Knight & Co. richten sich auch die Aktivitäten von microrevolt.org. Das New Yorker Netzwerk verbreitet sowohl Grundkenntnisse von Handarbeitstechniken als auch Globalisierungskritik. Eines der Projekte ist eine Decke, zusammengesetzt aus vielen roten und weißen Quadraten, die den Swoosh ergeben. Sie soll – es fehlt nur noch die Einfassung, für die weitere Einsendungen erwünscht sind – Nike zusammen mit einer Petition übergeben werden. Die Unterzeichner fordern für die Produkte, die in ihrer Heimat verkauft werden, dass sie unter den Bedingungen der ILO (International Labour Organisation) produziert werden. Es geht um sichere und gesunde Arbeitsplätze, keine Kinderarbeit, Löhne, von denen man leben kann, und die Möglichkeit sich in Gewerkschaften zu organisieren.
Microrevolt bietet auf der Site ein Programm, mit dem sich jpegs in Stick- und Strickmuster umwandeln lassen. Verarbeitet werden sollen vor allem Logos von Firmen, die in Sweatshops produzieren lassen. Aber ich kann auch endlich den Hund meiner Schwiegereltern sticken.
Außerdem gibt es einen kleinen Einführungskurs im Stricken und diverse Links einerseits zu anderen Handarbeitsseiten und andererseits zu Globalisierungskritikern. Microrevolt.org vereint also Hausfrauen und Globalisierungskritiker beim Handarbeiten.

Und die Kritik an der Globalisierungskritik? Ob die Verschiebungen wirksam werden, hängt vom Kontext ab. Für jede und jeden gibt es inzwischen etwas, das funktioniert. Und das Feindbild Phil Knight passt anscheinend immer. Globalisierungskritik ist jedenfalls Mode, und da beißt sich der Kapitalismus nun wirklich in den Schwanz, das ist ja auch seine Bestimmung.

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Elektronische Lebensaspekte.