Do It Yourself im Akkord
Text: Jan Wehn aus De:Bug 152

Was Mathias Stubø für einen gerade mal 19-jährigen so aus dem Ärmel schüttelt, ist schier beängstigend. Funk-Frickeleien, HipHop-Zitate, Jazz-Tendenzen und liebevolle Percussion-Sperenzchen – kurzum: akribisch ausproduzierte, zurückgelehnte Referenzmusik mit Liebe fürs Detail, die behände Richtung Tanzflur schielt. Dabei lässt er Samples fast gänzlich aus dem Spiel – hat er auch gar nicht nötig. Denn wer die Musik schon mit der Muttermilch aufgesogen hat, macht das nämlich bitteschön selbst. Egal ob als Proviant Audio oder unter seinem bürgerlichen Namen zieht er das DIY-Ding im Akkord durch – für das Frühjahr und den Sommer stehen gleich zwei Alben vom Norweger an. Dabei hat der Mann mit der Prinz-Eisenherz-Frisur die High School noch nicht mal hinter sich, schon als Jugendlicher Jingles für Radio und TV geschrieben, kann drei großartige EP’s vorweisen und ist in Norwegen folglich bekannt wie ein bunter Hund.

“Meine Eltern sind beide Jazzmusiker. Ich war also schon als kleiner Junge oft mit ihnen an der Hochschule und hörte die unterschiedlichste Musik. Am meisten bin ich auf Jazz von Weather Report oder Herbie Hancock hängengeblieben.“ Mit drei bekommt Mathias sein erstes Schlagzeug und klimpert wenig später auf dem Klavier, ehe er mit acht Jahren eine Atari-Maschine bekommt und erste Beats programmiert. “Das war so eine Art Teenager-Rebellentum. Plötzlich konnte ich die Töne spielen, zu denen meine Eltern nicht in der Lage waren“, lacht er. Zur Liebe für elektronische Musik gesellt sich irgendwann auch die obligatorischen Stones-Throw-12“. “Ich studiere genau, wie die Samples geflippt werden, verzichte in meinen Produktionen aber weitestgehend darauf, sondern spiele es eben mit echten Instrumenten ein.“

Denn im Gegensatz zu vielen seiner Bedroomproducer-Buddies schaltet der Norweger noch eine weitere Komponente dazu: Der familiäre Musiker-Background brachte ihm schnell genau die Muckerattitüde ein, mit der er seine Tracks um Selbsteingespieltes ergänzt. Mathias arrangiert jede Sound-Skizze für die Bühne um und steht live deshalb mit neun Musikern auf der Bühne. “Real Love Tastes Like This“ hat Mathias komplett im April 2010 geschrieben und produziert – genau so klingt es auch: ein herrlicher Frühlingsspaziergang in elf Tracks mit wohlig-warmem Nostalgie-Sound. Dezente Jazz-Zockerei trifft auf verhaltene Funk-Einwürfe und klassische HipHop-Samplesausen. Die wohldosierten Vocals für den Sonntagsausflug kommen von seinen beiden Schulkameraden Lill Ida Næsheim and Tuva Flor Lien.

Und wenn Proviant Audio auf “In The Jungle“ die Sprecherstimme einer Naturdokumentation einarbeitet, komplettiert sich der Eindruck vom sonnigen Soundtrack vollends. Ganz anders ergeht es einem mit “1979“ – ein weiteres Album, das Proviant Audio im Juni unter seinem echten Namen Mathias Stubø veröffentlichen wird. Die Platte ist im letzten Herbst entstanden und klingt auch so: schwer, introvertiert und ein ganzes Stück verkopfter. “Es sind einfach zwei komplett verschiedene Seiten meines Sounds. Aber ich mache gerne viele unterschiedliche Dinge um mich ständig bei Bewegung zu halten“, erklärt Proviant Audio. Nachdem der eigene Backkatalog in diesem Jahr mit zwei Alben schon prall gefüllt ist, stehen aktuell noch einige Remixe an. “Ich stehe mit meiner Art Musik zu machen hier in Norwegen recht alleine da – das könnte der Grund für die vielen Anfragen sein“, erklärt er die Nachfrage nach dem Stubø-Sound. Gleich 20 Remixe – für die Indiewaver The New Wine bis hin zu den norwegischen Rapgrößen Lars Vaular und Lido – stehen an. Verspürt man da Stress oder Druck? “Nein, davon habe ich mich freigemacht. Wenn ein Track oder ein Album draußen ist, ist es eben so.“ Klingt gelassen und sorglos, genau wie der Proviant Audio-Sound – und das ist ja nicht das Schlechteste.

Proviant Audio, Real Love Tastes Like This, ist auf Paper Recordings erschienen.
Mathias Stubø, 1979, erscheint im Juni auf BBE/Alive.

http://www.proviantaudio.com
http://www.recordlabelservices.com

5 Responses

  1. schobohobo

    sorry, aber prinz eisenherz hatte sowas von nen gestutzten pony… ;O)