Und endlich hat sich einer an die Arbeit gemacht, um eine Softwareversion der Sidstation zu basteln. Wir erinnern uns: die Sidstation ist ein Synthesizer, der mit dem Soundchip des C64 ausgestattet wurde und leider auch (als Hardware) mit über 1000 Mark nicht ganz billig ist. Quadrasid als VST-PlugIn für Mac und PC von Refx emuliert bis zu vier Sidstations / Chips pro aufgerufener Instanz, insgesamt lassen sich acht aufrufen, macht vierundzwanzig Sidstations zum Preis von 60 $.
Text: benjamin weiss | nerk@de-bug.de aus De:Bug 51

musiktechnologie

Quadrasid 6581
Sidstation als VST Plug-In

Aufbau
Die Oberfläche entspricht dem, was man so kennt von VST-Instrumenten: unten naturidentische Tastatur inklusive Pitchbend, darüber die definierbaren Parameter. Das ist allerdings erst die erste Seite: per Klick kann man zwischen den Sektionen Main, Combiner, Envelope, LFO und Wavetable umschalten.
Die Main Sektion bietet zunächst die Modulationsmatrix sowie Einstellungen für den Arpeggiator und Pitchwerte, außerdem kann man hier per PopUp durch die verschiedenen Presets schalten, die Anzahl der emulierten Chips definieren (bis zu vier), sowie deren Stimmen (von denen pro Chip vier erzeugt werden können) einzeln definieren.
Dabei werden bei jedem Chip drei Stimmen von Oszillatoren erzeugt, die vierte ist ein sogenanntes Galway Rauschen, das die charakteristisch rauhen Zaps und Explosionsgeräusche erzeugen kann. Jeder Stimme ist eine eigene Lautstärke, Panning und ein Filter zugeordnet.
In der Combiner Sektion können acht Combiner definiert werden, die verschiedene Parameter miteinander verlinken können, zum Beispiel einen der LFOs mit einer Hüllkurve oder einem MIDI Controller oder der Songgeschwindigkeit. Das ist ein im Ergebnis teilweise nackenhaarsträubendes Feature, das aber enorm Spaß macht.
In der Envelope Sektion können Hüllkurven mit bis zu sieben Punkten gezeichnet werden, daneben werden ihre Daten auch numerisch angezeigt. In der LFO Sektion schließlich die Parameter für die vier LFOs und in der Wavetable Sektion die für die bis zu sechzehn möglichen Wavetables pro Stimme.

Performance, Bedienung und Sound
Die Performance bewegt sich im unteren Drittel bei den Ansprüchen an den Prozessor, ist also nicht supersparsam, aber durchaus noch überdurchschnittlich genügsam. Die Bedienung ist übersichtlich, wenn man sich denn mal mit der Funktionsweise des SIDChips vertraut gemacht hat. Bei einer derart gigantisch großen Oberfläche wäre es aber auch schwer, die Sache unübersichtlich zu gestalten.
Der Sound ist prima, ich habe keine Unterschiede zwischen Sidstation (die ja mit einem Originalsidchip arbeitet) und Quadrasid 6581 feststellen können, erster Klasse 8-Bit Sound aus den Kinderzimmern der Achtziger halt. Und natürlich gibt es auch die entsprechenden Explosionssounds aus diversen Billigweltraumballerspielen sowie das Shakuhachi aus Karateka und andere akustische Genüsse. Äußerst fair auch der Preis (knapp 130 Mark), also insgesamt ein schönes kleines Stück Software, das keinerlei Abstürze (wenigstens auf meinem Rechner) verursachte und trotzdem sehr gut klingt. Da können sich manche Softwareriesen ‘ne Scheibe von abschneiden.

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Elektronische Lebensaspekte.