Mit neuem (Major-) Label und neuer Courage setzen die Quarks an zur dritten Album-Runde. Das schüchterne Wohnzimmer tauschen sie endgültig gegen die Theaterluft der internationalen Bühnen. Die extrovertierteste Art, das wahre Innerliche zu suchen.
Text: Karen Khurana aus De:Bug 64

Neues aus dem Quarksland. Jovanka und Nils sind umgezogen vom zu Hause Monika zu Home Sony. “Trigger me happy” heißt das neue Produkt, mit dem sie diesen Monat auf Tour gehen. Puppen und Picknick haben sie hinter sich gelassen. Auf den Plakaten sind nackte Körper in Hochglanz, gesungen wird jetzt in Englisch (zumindest zur Hälfte) und zum ersten Mal haben sie produzieren lassen, vom Ex-Jeremy Day Christoph Kaiser. Mehrspuriger. Und die Einrichtung?

Leuchten ist nicht so, wie’s scheint. Es geht doch nicht alles auf in glatt und konventionell und auf richtig editiert. Da gibt es diese Kleinigkeiten, das Lofi-Tattoo auf Jovankas Schulter links von der Mitte auf dem Plakat, das Anzählen mitimportiert in den Text, ein Mundharmonika-Part vom Produzent oder eine Stopptaste, die mit auf Band bleibt. Irgendwie hört man schon noch, wo sie herkommen, die Quarks. Und dass ihnen das auch wichtig ist, das Lofi als Highlight im großen Pop. Willkommen im neuen Zuhause.

DEBUG:
Worum geht’s auf dem neuen Album?

JOVANKA:
“Trigger me happy” fängt da an, wo das vorherige Album “Königin” aufhört. Wir waren total alle, total ausgebrannt und deshalb auch: Trigger me, mach mich froh. Es ging darum, neue Tools zu benutzen, sich unsicheren Situationen auszusetzen, die Musik fordern oder machen.

I WANNA BE LIKE AUTOMATIC

DEBUG:
Wie kommt ihr zu euren Liedern?

JOVANKA:
Die Lieder kommen zu uns. Eigentlich ist es meist so, dass die Worte zuerst kommen und die ziehen Töne mit sich. Irgendeine Situation triggert mich, das halte ich fest auf Diktaphon und nehme es mit ins Quarksland, in unser Studio.

DEBUG:
Wie war es für euch, jetzt mit einem Produzenten zusammenzuarbeiten? Und wie seit ihr zu Christoph Kaiser gekommen?

NILS:
Also Christoph und ich kennen uns schon, seit wir beide angefangen haben Musik zu machen und sind seitdem befreundet.

JOVANKA:
Wir wollten für diese Platte einfach jemanden von außen, der uns ein Feedback gibt, richtige Fragen stellt. Eine von Christophs Hauptaufgaben war es, einfach im richtigen Moment zu sagen: Stopp, ihr seit fertig mit dem Lied. Bei zwei oder drei Stücken kann man sagen, die hat Christoph im konventionellen Sinne produziert, das ist ”Herz bricht”, ”Vergiss” und ”Typically me”. Aber an sich ist jedes Musikmachen ja schon Produktion.

DEBUG:
Was sind für euch die wichtigsten Tools? Analogsynthesizer, Atari, Gitarren?

JOVANKA:
Also mein Vorsatz für die nächste Platte ist: mehr Zeit am Instrument und weniger am Rechner. Weil ich merke, dass es das ist, was mich froh macht. Der Moment, wo wir musizieren, diese ersten Ideen, wo Sounds kommen, wo ein Knoten platzt, das macht mich glücklich. Mit Instrument meine ich, alles, was mit mir spielt. Rechner spielen einfach nicht mit dir. Wir haben zwar auch mit Rechner-Fehlern gearbeitet, aber das ist so begrenzt. Und beim Soundfinden, das ist eine Mischung aus Vorstellung, die man sucht umzusetzen, Intuition und Gegenspiel. Also einer Sache folgen. Ich brauche dazu Knöpfe. Eine gewisse Art von Sound will ich auch von einem gewissen Instrument. Da spielt rein, wie sich das anfühlt.

NILS:
Es gibt ein paar elektronische Instrumente, die sind für uns so wichtig wie eine Gitarre, auf denen können wir richtig spielen und Sachen entwickeln. Dazu gehören der Oscar aus England, mit dem machen wir gerne Bässe und alle möglichen Nasensounds, ein alter PPG 2.2, der kann schief klingen und Flächen legen und spricht deutsch, dann ein uralter ROLAND SH 2000, ein Tanzmucker-Synth, den muss man mit der Hand spielen, und da kommen Sachen wie das Blase-Solo auf UNIVERSE raus. Und dann arbeiten wir mit einem FORMANT Modularsystem, gut für Sequenzen, Pluckerkram, Geräusche, Rauschen und dergleichen. Die haben alle ihren eigenen Charakter und setzen den im Zweifelsfall auch durch.

DEBUG:
Die Hälfte der Lieder sind jetzt Englisch. Macht das einen Unterschied?

JOVANKA:
Wir machen auch eine internationale Platte. Da ist ”Herz bricht” und ”Vergiss” auch auf Englisch drauf, da habe ich einen Vergleich und das ist schon anders. Aber wenn ich es schaffe, die Dinge so zu meinen, ist es eben doch nicht so anders. In Englisch liegt es mehr auf der Hand, Töne auszusingen, aber das ist eine Sache, die mir inzwischen auch auf Deutsch gelingt. Es gibt Geschichten, die wollten auf Englisch gesprochen oder erzählt werden, deshalb fällt mir das auch leichter, die auf Englisch zu singen. Ich könnte zum Beispiel nicht “don‘t know” – das ist allerdings nicht auf die Platte gekommen – einfach auf deutsch singen. Text und Melodie hängen so nah zusammen. Geschichte und Harmonie. Das ist nicht einfach austauschbar.

DEBUG:
Ihr habt mit dieser Platte euer Label gewechselt. Warum seid ihr nicht mehr bei Monika?

NILS:
Erstmal war unser Vertrag zu Ende. Wir wollten einfach nicht mehr zusammenarbeiten. Das war auch nicht nur von uns aus. Es war einfach klar, dass diese Zeit zu Ende ist. Und gerade nach Königin wussten wir auch nicht mehr so recht weiter. Wir wussten nur, dass wir so nicht mehr weiterarbeiten können. Also zum Beispiel auch nicht mehr für so wenig Geld.

JOVANKA:
Wir schließen uns ein halbes Jahr oder ein Jahr weg. Wir machen das Fulltime. Und wir müssen ja irgendwie leben in der Zeit.

DEBUG:
Seid ihr glücklich mit Trigger me happy?

JOVANKA: Bei Quarks geht und ging es immer um den Moment, in dem es ”wirklich” ist. Wir können es jetzt nicht beurteilen, aber ich hoffe, dass uns das gelungen ist. Dass dieser Moment des Meinens übertragen worden ist, obwohl die Stücke sehr groß geworden sind.

NILS: Uns fehlt noch der Abstand dazu. Wir sind noch in jedem Detail da drin. In einem Jahr ungefähr sehen wir, was wir da wirklich gemacht haben.

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Elektronische Lebensaspekte.