Aus dem Bauch des Berliner Tresor heraus haben die DJs und Produzenten Dash und Dry ihr Label "Rampe D" gegründet, um dem analogen Geist von Techno eine spontane Hintertür offen zu halten. Weit offen.
Text: kerstin schäfer aus De:Bug 54

Strobo vor dem inneren Auge
Rampe D

“Techno made in Berlin” hat einen neuen Namen – Rampe D. Wie derzeit kein anderes Berliner Technolabel schafft es Rampe D, die Ursprünglichkeit und den Spirit von Techno aus Berlin zu bewahren und auf dieser Basis das eigene Profil zu entwickeln. Akustisch definiert sich das 1999 gegründete Label über die Vorliebe für sehr klar aufgebaute Technotracks, tighte Beats und immer ein wenig Strobo vor dem inneren Auge. Dem Anspruch an die Schaffung von präzisen Clubtools und Innovation durch die Nutzung konventioneller Produktionsmethoden über die Grenzen des Bekannten hinaus steht gleichermaßen die Suche nach dem Nachwuchs zur Seite. Die zwei Fixpunkte in diesem Kontext bilden die Labelgründer Dash und Dry, die sowohl auf ihre Erfahrungen als DJs als auch auf die von selbstständigen Produzenten und auf eine langjährige Beschäftigung mit den Feldstrukturen von Techno zurückgreifen können. Das hat die beiden im Laufe der Jahre zu echten Berliner Hardlinern gemacht, die nun ganz konkret über Rampe D ihre Vorstellungen ausformulieren und ausleben.

Aus dem Bauch des Tresor

Die Biographien von Dash und Dry kreuzten sich ganz zufällig vor acht Jahren, als Dash noch Technoparties in Berlin veranstaltete und der zehn Jahre jüngere Dry plötzlich mit fasziniertem Blick vor ihm stand. Seit dem verbindet die beiden eine gemeinsame Idee, die mit Rampe D ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Die Idee, ein Label zu gründen, entstand dann auch aus einer spontanen Laune heraus. Begründet ist sie allerdings auf den Dielen des Tresors. Dort sind Dash, der Initiator des 1995 entstandenen Headquarter-Mittwochs im Tresor, wo noch unbekannten aber talentierten DJs die Chance geboten wird, ihre Skills im Club und in der Konfrontation mit dem Publikum auszuloten, und Dry, der ebenfalls zu diesem Zeitpunkt dazu stieß, noch heute regelmäßige Resident DJs. So sind denn auch beide einer Meinung über die Rolle des Tresors: “Der Tresor ist natürlich eine wichtige Institution, nicht nur für uns. Der Club und auch die musikalische Seite greifen Hand in Hand und fallen im Vergleich zu ähnlichen Projekten völlig aus der Reihe.” Nach der Euphorie kam aber schnell die Ernüchterung. Die Förderung des Nachwuchses wird besonders von Dash als immens wichtig für die Zukunft von Techno, nicht nur für Berlin, erachtet. So kommentiert er dazu: “Wir kommen beide aus diesem Umfeld, in dem ja eigentlich eine Menge passiert. Also haben wir uns da versucht ranzuhängen, aber außer einer Veröffentlichung von Dry auf dem Headquarter-Sampler ist nicht viel passiert. Tresor hat als Label den Blick von Berlin mehr nach außen verlagert. Als etablierte Größe präsentiert es jedoch nur noch bedingt den Sound of Berlin. Da war es logisch, dass wir uns dann schnell entschlossen haben, das eigene Label zu gründen, unabhängig von irgendwelchen bestehenden Strukturen.” Wichtiger als der bedeutende Name ist es für Dash und Dry, einen für sie als typisch empfundenen, spontan aus dem Gefühl heraus entstandenen Technosound mit speziellem Berlin-Touch auf Rampe D zu transportieren und auf dieser Basis weiterzuentwickeln. Das soll allerdings nicht als Wertung der Releasepolitik von Tresor missverstanden werden, die Ausdifferenzierung der eigenen Ideen kam für beide nur auf diesem Weg zustande.

Haltung statt Technik

Die Politik von Rampe D hat sich aus der Aktion heraus entwickelt: “Am Anfang waren wir noch ohne Planung, das Label sollte zuerst einmal als Plattform für das Headquarter-Umfeld dienen. Ein Platz für ein Miteinander war zuerst einmal viel wichtiger als eine Riesenideen hinter dem Label. Auch das wir zusammen Musik machen können, stand im Vordergrund .(3ST vs. Dash ist das gemeinsame Projekt) Wir haben auf Rampe D demnach keine straighte Releasepolitik, das ist wichtig. Die Artistprofile spielen in diesem Zusammenhang erst mal keine Rolle, denn die Entwicklung eines solchen Profils soll sich aus der musikalischen Entwicklung heraus ergeben, da ist es egal, ob ein Künstler nun einen Clubhit produziert oder nicht. Hauptsache die Sache wird rund, also der Künstler bleibt sich selbst treu.” Techno wird von Dash und Dry als Auftrag verstanden. Die langjährige Konfrontation mit Musik und Umfeld schafft für beide nun eine andere Sicht auf die Dinge. “Obwohl Techno gerade von vielen totgeredet wird, bestimmt es unseren Lebensalltag und da ist noch lange kein Ende in Sicht. In diesem Zusammenhang wollen wir auch unsere Hörerschaft überraschen, denn Rampe D soll ein Qualitätsprodukt sein, das den Markt auffrischt. Unser Anliegen liegt so auch nicht darin, auf den technischen Innovationszwang, der viele beherrscht, einzugehen. Wir arbeiten dem entgegen und sind fest davon überzeugt, dass die herkömmlichen Produktionsmethoden von Techno wie z.B. eine 909 noch lange nicht ausgereizt sind, wir sind alle Analogfreaks. Wir haben uns ein eigenes Setup aufgebaut, das auch wohl nur wir verstehen. Es ist wichtig, diese analogen Geräte zu benutzen, denn unsere ‘Mission’ ist es, die Ursprünglichkeit von Techno zu bewahren. Die vielen Wiederholungen, auf die man derzeit im Plattenladen treffen kann, sind deshalb auch nicht unser Ding. Die Stücke auf unserem Label sollen Charakter haben und keine Eintagsfliegen werden. Genau da setzt auch unser Verständnis als DJ an – wir verstehen uns zwar als Entertainer, präsentieren aber dabei unsere Ideen und unser Verständnis von Musik, wir wollen da ebenfalls Charakter reinbringen.” Die Zusammenarbeit mit Stewart Walker als Remixer war für sie die Erfüllung eines kleinen Traumes genau wie die Zusammenarbeit mit Slip. Die Entwicklung der eigenen Netzwerke, mit denen gearbeitet wird, können so tatsächlich zu einem neuen Verständnis von Techno führen, das allerdings die Wurzeln nicht außer acht lässt.

Aus der Kiste
Dash
Mark Broom (Pure Plastic 23)/ Stewart Walker vs. Theorem (Minus) / Carl Craig (Fragile 02) / Jeff Mills – Skin deep (Purpose Maker 08) / Gary Martin – Persuasive Percussion (Teknotika) / DJ Abstract (Palette 017) / Aril Brikha & John Thomas (Logistic) / Lightman (Raygun 06)

Dry
The Other People Place – Lifestyles of the Laptop Café (Warp) / Planetary Assault Systems – Atomic Funkster (Peacefrog) / Geoff White – Questions and Comments (Force Inc.) / Andy Vaz – Sound_Variations 01 ([–]) / Mental Industries 01 / Heiko Laux (Aspeak 04) / Dub Taylor – Shoptalk (Morris Audio) / Fabrice Lig (Raygun 07)

http://www.rampe-d.de

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Elektronische Lebensaspekte.