Das Pixeltape der Design-Agentur Random International holt die digitalen Pixel in die Welt von Edding und Klebeband zurück.
Text: karen khurana aus De:Bug 102

Das Pixel-Tape der Londoner Agentur Random International ist simpel und trickreich zugleich. Könnte man es auf den ersten Blick für schlichtes Designer-Deko-Band halten, entpuppt es sich zusammen mit einem Permanent-Marker als vielseitiges Beschriftungs-Tool, das die strenge und alltagsübliche Trennung zwischen analog und digital kurzerhand in seinem Grid aufhebt. Schwärzt man manuell ein paar der weißen Punkte auf dem schwarz-grundierten Tape, entsteht durch die übrig gebliebenen weißen eine Pixel-Schrift oder – mit etwas Talent – auch ein Bild. Man kann damit nicht nur sein gesamtes Umfeld professionell zutaggen, ohne krakelige DiY-Ästhetik zu bemühen, man lernt auch etwas über den Grundsatz von Schrift an sich. Nämlich, dass sie nicht nur darüber entsteht, was man auswählt, sondern immer auch darüber, was man ausblendet oder grade nicht markiert.
Random International haben sich generell eine interessante Sub-Routine geschaffen, um phantastische und gleichsam bodenständige Produkte zu gestalten: Sie orientieren sich immer wieder an bestehenden Dingen, nehmen die Eigenschaften und Funktionen auf, die sie daran mögen, und entwickeln von dort aus eine Idee, die einige dieser Features miteinander verbindet, neu hervorhebt und in ein anderes Blickfeld rückt. Gerade entwickeln sie gemeinsam mit einem britischen Hersteller ein Spielzeug-Paket (aus Lichtstift & Lichtspraydose, ausdruckbaren Schablonen und phosphoreszierendem Poster), damit man die Kleinen in Zukunft mit selbst gemalten und langsam ausfadenden Lichtzeichnungen zu Bett bringen kann. Außerdem arbeiten sie an ein paar frischen Ideen für Puma und perfektionieren ihre neuen Pixel- und Lightroller-Modelle, die dynamischen Nachfolger des Pixel-Tapes, für die Mailänder Möbelmesse.

DEBUG: Wie seid ihr auf die Idee zum Pixeltape gekommen?
HANNES KOCH: Tape ist billig und robust. Es kann Sachen verbinden, die überhaupt gar nicht zusammengehören, und es kann je nach Kontext gut für Kunst oder Pfuscherei sein. Außerdem bindet es den Benutzer mit ein. Man kann den Einsatz selbst kontrollieren und man braucht kein bisschen Expertise, um es zu benutzen. Mit dem Pixeltape haben wir dieses analog-”interaktive“ Element von Tape allgemein eigentlich nur noch hervorgehoben und verstärkt.

DEBUG: Ihr hattet grade eine Pixeltape-Installation in einer Filiale der britischen Kaufhauskette Selfridges. Was habt ihr da genau gemacht? Wie lief das?
HANNES KOCH: Selfridges hat im Basement die “Ultra Lounge” gelauncht und mit einem Monat voller Events zum Thema Punk bespielt: Vivienne Westwood hat eine Limited-Edition-Handtasche gemacht, Malcolm McLaren hat eine kleine Bit-Fashion-Kollektion herausgebracht, die New York Dolls haben gespielt und aus einem uns nicht näher erläuterten Grunde wurde Random kommissioniert, die Serie mit einer Installation zum Thema “Future Punk” abzuschließen. Also haben wir ein Limited-Edition-Pixeltape gemacht und zusammen mit dem Künstler Rowan Mersh die Bude abgeklebt und außerdem noch ein Wearable-Microgallery-Projekt gezeigt, mit dem wir vor zwei Jahren die Berliner Fotografen Ariel und Gabriella Schevach in der Tate Modern als “non-tate curated art” ausgestellt haben. Das Ganze ist für uns vor allem ein Tape-Launch-Event, denn nach Mailand werden die drei Sorten Klebeband an Läden verschickt …

DEBUG: Für welchen Markt ist Pixeltape konzeptioniert? Bleibt ihr bei limitierten Editionen in ausgewähltem Design und Museum-Shops oder könntet ihr euch das Pixeltape auch im Schreibwarenhandel neben Schulmappen vorstellen?
HANNES KOCH: Im Schreibwarenhandel neben Schulmäppchen (oder sogar dem Klassiker Tesafilm) ist eigentlich unser langfristiges Ziel, welches wir aber unserer Meinung nach erst mit der sehnlichst erwarteten 19mm-Version erreichen werden, die wir (ernsthaft) schon urheberrechtlich geschützt haben. Die ist nämlich erst wirklich im Hausgebrauch einsetzbar, für dünnste Steuermappen, Schubladen und kleine Klingelschilder sowie Briefkästen.

DEBUG: Wie arbeitet ihr denn generell? Habt ihr ein gemeinsames Interesse, das euch zu den Dingen führt, die ihr gestaltet?
HANNES KOCH: Wir haben alle drei eigentlich erst mal sehr unterschiedliche Interessen. Stuart kann in ungeahnter Weise in Algorithmen denken, Flo baut andauernd irgendetwas und ist Werkzeugfan auf allen Ebenen und ich mag Klebeband, Ferien und Reden. Was wir teilen, ist wohl unsere absolute Zuneigung zu Überbleibseln von Technologie – und nach vier Jahren eine große Vertrautheit mit der Arbeitsweise untereinander.

DEBUG: Warum seid ihr als Random Internationals in Brixton angesiedelt?
HANNES KOCH: Wir wohnen alle in London, und Brixton ist wirklich schön, auch wenn es überraschenderweise nicht am Meer liegt. Unser nächstes Studio wird größer, schöner und in einem Land sein, wo Pubs nicht “Pub” heißen …

DEBUG: Arbeitet ihr alle “Fulltime” als Random International?
HANNES KOCH: Mehr als das.

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Elektronische Lebensaspekte.