Mit "Barely Breakin' Even" hat die Universal Robot Band aus dem New Yorker Disco-Avantgardezirkel der frühen 80er ihren absoluten Klassiker geschaffen. Wer danach sein Label benennt, hängt die Latte an Geschmacksexklusivität verdammt hoch. Peter Adarkwah schafft es aber, sie mit jedem neuen Release auf seinem Label wieder zu überspringen. Vom Jura-Saulus zum Rare-Groove-Paulus - eine Erfolgsstory.
Text: Jan Simon aus De:Bug 81

Rar? Wohl wahr!
BBE

Peter Adarkwah hätte seinen Eltern einen großen Gefallen getan, wenn er Anwalt geworden wäre. Er hätte eine abgeschlossene Ausbildung und würde ”etwas Vernünftiges mit seinem Leben anfangen“. Beinahe wäre es dazu auch gekommen, denn Peter war nur noch ein Semester von seinem Law-Degree entfernt. Irgendwie häuften sich dann jedoch seine DJ-Gigs und zunehmend positive Statements seines Vertriebs bis zu einem Punkt, an dem eine Entscheidung getroffen werden musste. Der Mann mit dem etwas komplizierten Nachnamen entschied, sich und Musikliebhabern einen Gefallen zu tun: Er gab das Jura-Studium auf und konzentrierte sich fortan auf sein Label.

Seither hat Barely Breakin’ Even (BBE) nach Schätzung des Chefs insgesamt circa eine Millionen Tonträger verkauft und wächst – in einer Zeit, in der andere Plattenfirmen eher an Schließung denken. Was Mitte der 90er als erfolgreiches Compilation-Label begann, wurde mit der inzwischen legendären ”Beat Generation“-Serie zu einer Plattenfirma mit originärem Katalog. Peters gewachsener Ruf in der Szene, seine ansteckende Begeisterungsfähigkeit sowie die verwirklichte Prämisse absoluter künstlerischer Freiheit bewegten nacheinander HipHop-Produzenten wie Pete Rock, will.i.am von den Black Eyed Peas oder DJ Spinna dazu, der ”Beat Generation“ mit eigenen Alben ihren Stempel aufzudrücken. Um der Reihe einen angemessenen Schlusspunkt zu setzen, veröffentlicht man bei BBE mit ”The Beat Generation“ nun quasi einen Best-of-Sampler. Wenn man ehrlich ist, kann man das Vermächtnis der Beat Generation aber eigentlich nur begreifen, wenn man alle acht enthaltenen Alben einzeln hört. Während Jazzy Jeff (an der Seite von Will Smith ehemals Jazzy Jeff & The Fresh Prince) und sein Produktionsteam ”A Touch Of Jazz“ aus Philly beispielsweise klassischer mit jazzigen Samples spielen, biegt King Britt (ehemals Digable Planets) z.B. gerne mal in Richtung Elektro- und Synthie-Sounds ab. Abgesehen von künstlerischen Ambitionen standen aber auch finanzielle Erwägungen hinter dem Start der Reihe: ”Ich war es einfach irgendwann leid, immer diese Anrufe zu bekommen, in denen es hieß ‘Wir haben diesen und jenen Song auf ihrer Compilation gehört und würden ihn gerne für eine Werbung verwenden‘, um dann sagen zu müssen ‘Wenden sie sich bitte an Polygram’, weil wir natürlich nicht die Rechte hielten. Heute zahlt mir Tui 30.000 Euro für einen Jay-Dee-Track. Am Ende des Tages ist ein Label ohne Einnahmen eben nicht zu betreiben“, meint Peter nicht ohne Grinsen.

Trotz des wachsenden Hypes gehen die Hauptaktivitäten bei BBE immer noch von einer kompakten Zelle in London aus: ”In unserem Headquarter arbeiten nach wie vor nur drei Leute. Headquarter ist dabei eigentlich etwas hoch gegriffen, denn die Firma wird noch immer aus meiner Wohnung betrieben. Wir machen darüber auch gerne unsere Witze, da die meisten Leute etwas anderes erwarten. Wenn jemand z.B. unseren Designer sprechen will, sage ich schon mal ‘O.k. – ich verbinde sie in den fünften Stock’, obwohl Tom natürlich direkt neben mir sitzt. Allerdings haben wir mittlerweile auch jeweils ein Büro in New York und Philadelphia, um die Arbeit mir den Künstlern vor Ort leichter koordinieren zu können und nicht jedes Mal selbst von London rüberfliegen zu müssen.“

BBE wäre nicht BBE, wenn Peter Adarkwah nach dem Ende der ”Beat Generation”-Reihe nicht schon den nächsten Coup auf Lager hätte. Abgesehen von der Veröffentlichung einzelner Rap-Alben von Baby Blak oder Freddie Foxxx hat er mit ”Lost & Found“ in 2003 eine neue BBE-Sparte installiert, die es sich zum Ziel gemacht hat, der Öffentlichkeit bisher unveröffentlichte Master zugänglich zu machen. Gestartet wurde mit gleich zwei Pete-Rock-Alben aus den Mitt-90ern, darunter das hochkarätige ”Deda – The Original Baby Pa“. Mit Blick auf seine eigenen musikalischen Wurzeln steht in dieser Reihe für Peter wohl auch sein bisheriger persönlicher Höhepunkt auf BBE an: Das Roy-Ayers-Album ”Virgin Ubiquity – Unreleased Recordings 1976 – 1981“. Wer die Scheibe hört, fragt sich unweigerlich, weshalb es bis heute gedauert hat.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.