Der konsequente Verzicht auf Computer bringt die Loop-Maschine und den Röhrenverstärker ins Spiel.
Text: Moritz Schulze-Beckinghausen aus De:Bug 137

“Das hat nichts mit Effekthascherei zu tun, dass das Stück in einer Verzerrung mündet, sondern ist die Konsequenz der in ihm liegenden Dramaturgie.”

Was als klassischer Akustik-Pop beim ersten Song des neuen, zweiten Albums, beginnt, mündet auf der Zielgeraden in einem Beet aus Verzerrungen und Fragmenten. Was daran liegen könnte, dass Raz Ohara und Oliver Doerell in einem abgelegenen Studio auf dem Land landeten, auch wenn dahinter kein Plan stand: “Wir hätten auch eine Fabrikhalle genommen.” Es wurde ein malerisch gelegener See und jetzt durchweht den Longplayer namens “II” durchgängig ein Anflug von Unbeschwertheit, der das Branding Ohara in vollkommen neue Klangräume entführt.

Der konsequente Verzicht auf Computer bringt die Loop-Maschine und den Röhrenverstärker ins Spiel, die vor allem dem Gesang jeglichen Anflug des Akustik-Pop-Klischees nehmen. Von Reverse-Loops über multiple Verzerrungen der Gitarre reicht die Palette, aus der Doerell, Ohara und Gitarrist Tom Krimi mit filigraner Behutsamkeit schöpfen, um die Zuspitzung ihrer Dramaturgie zu verwirklichen.

“Für mich ist da vor allem der Text im Mittelpunkt, den man durchzieht und durchsingt wie einen Loop.” verkündet Ohara. Repetition durchzieht die komplette Spielzeit als roter Faden, an dem sich Oliver Doerell entlang hangelt, nachdem die beiden Musiker unabhängig von ihm schon ein fast komplettes Arrangement hingelegt hatten. Für Wiedererkennungswert sorgt erneut der große Streicherteppich, in den sich die Gesangsspuren nahtlos anschmiegen. Doerell stellt dies explizit heraus: “Dieses Mal sind es richtige Instrumente, wodurch sich auch ganz andere Produktionsabläufe ergeben haben. Die Stücke sind dichter.”

Daneben entwickelt sich die Gitarre zu einem neuen Kern des Odd Orchestra, die vor allem in den bevorstehenden Konzerten zu voller Stärke aufspielen und ein komplett neues Bandgefüge auf der Bühne entstehen lassen soll. Auffallend ist der Verzicht auf eine Vorab-Single, die das Album pushen soll. Stattdessen entschied man sich dazu, den Song “Miracle” der fertigen Pressung als Downloadcode beizulegen: “Das Stück hat einfach nicht ins Album gepasst, aber wir wollten es auch nicht komplett außen vor lassen.” Neben den eigenen Projekten ist für das Dreigespann schon jetzt klar, eine Nummer III folgen zu lassen. Unter welchen Bedingungen und in welcher Umgebungen dies stattfinden wird, ergibt sich auf der bevorstehenden Tour.

Raz Ohara And The Odd Orchestra, II , ist auf Get Physical Music erschienen.

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Elektronische Lebensaspekte.