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Text: daniela künne aus De:Bug 30

/hiphop Im Display des Kapitalismus Lieber Fuchs als Maus, sagt Foxy Brown Mein Lieblingsplattenladenverkäufer drückt mir die CD in die Hand: “Was willst’n da noch schreiben? Reicht doch das Bild!” Das stimmt nur so fast. Denn es geht um Sex, Musik, Attitude und einen geraden Blick auf das Geschäft. So ziemlich die Eckpunkte des Lebens also. ”You’ve got to fight to earn your respect!”, sagt Foxy Brown und kämpft mit expliziten Mitteln. “Lips, teeths, waist, ass, breast – that’s what people have always responded to. So why not use them?” Eben. Frauen tauchen in Hip Hop-Videos meist mit halboffenem Mund und feuchtem Blick auf. Tanzen in knappen Tangas um einen Pool oder sitzen auf dem Rücksitz eines wirklich grossen Autos herum und staunen. Manchmal dürfen sie auch singen und bügeln dann als lieblicher Mäusechor den häufig holprigen Sprechgesang der männlichen Zentralfigur aus. Das kann ich auch, dachte sich Foxy Brown, lies die Tangas an und drehte den Spiess um. Sex sells – Aber Foxy kassiert selbst. Dafür borgte sich die heute 20jährige Inga Marchand den Künstlernamen der blaxploitation queen Pam, original Foxy, Grier aus und trieb deren Mission zügig voran. Eindeutige Posen, Sex mit dem Appeal des Profanen und Rhymes mit kehlig verschleppter Stimme. “You gotta show people how it is to be done!” Das Debut-Album “Il Na Na” (Def Jam, 1996) bekommt Platin – da ist sie gerade 16. An der Highschool hat sie eine Freundin – Kimberly Jones a.k.a. Lil Kim. Die Saga geht, dass diese ihr während eines der üblichen nächtlichen Teenager-Dauer-Telefonate den Hörer ans Ohr hält, Foxy rappt rein und – direkt in AZ’s Ohr. Das ganze endet mit dem Album “The Firm”, das sie 1997 gemeinsam mit AZ und NAS aufnimmt. Lil Kim und Foxy Brown sind heute keine Freundinnen mehr. Sowas kommt schon mal vor im Big Business. Ihre Plattenfirma (Violator) hat mal versucht, sie als die “Whitney Houston des Hip Hop” zu verkaufen. Ich versuche gerade, mir eine Whitney Houston-Platte mit dem “Parental Advisory. Explicit Content”-Aufkleber vorzustellen. Geht irgendwie nicht. Bei Foxy dagegen ist er ein must. Ehe es noch irgendjemand anderes denken kann, sagt sie es auf ihrem Album “Chyna Doll (Violator / Def Jam 1999) gleich selbst: “I am a motherfucking bitch!” Schon klar Foxy, möchte man ein wenig ermüdet sagen, das ist uns schon aufgefallen, da kommt man ja auch wirklich nicht dran vorbei. Foxy wirkt, als ob sie nicht oft von Typen um Sex gebeten wird. Und zwar, weil sie garantiert zuerst gefragt hat. Das sowas ankommt, macht doch Mut. Vorbei die Zeiten des ängstlichen Überlegens: “Kriegt er jetzt einen Fluchtreflex – oder soll ich einfach hingehen und mir nehmen, was ich will?” Foxy sagt: “JA!” Und von Foxy kann man für’s Leben lernen. Selbstlos teilt sie mit uns ihre Zauberformel für den Weg in die Entschlossenheit: “Don’t let him buy you! All his diamonds and ice will melt you, but you need to have your own!” Dieser Glaube an die finanzielle Unabhängigkeit und deren konstanter Display mittels Gucci, Prada und Co ist untrennbarer Bestandteil der Hochglanz-Hip Hop-Kultur, die sich im letzten Jahr massiv entwickelt und bezahlt gemacht hat. Hip Hop und Mode – für diese Verbindung ist Foxy Brown definitiv eine Ikone. Räkelt sich in Calvin Klein-Stretch auf 250 Quadratmetern Werbefläche an New Yorker Hauswänden und lässt Salma Hayek dabei aussehen wie ein etwas zu ehrlich geratenes mexikanisches Au Pair Mädchen, das sich in seinem H und M Bikini mal eben so hingelegt hat. Foxy’s Mode-Style ist nicht immer kreativ – aber immer teuer. Und das kommt an. Leichtfüssig erklimmt sie in ihren Prada-Pantöffelchen die Leiter zum Glamour Role Model No.1. Auch für weisse Frauen. Die sich hier anbietende Eröterung einer eventuellen Liberalisierung durch Main Stream Hip Hop sparen wir uns in den 90ern. Die leichte Abwandlung eines verwitterten Hauswandspruches böte sich vielleicht an: “Die Grenze verläuft nicht zwischen den Völkern, sie verläuft zwischen den Gehaltsklassen.” Oder um es kurz zu fassen: Konsum macht frei. Schön ist das nicht, aber wenn’s wirkt? Ist das Cover also doch das Aussagekräftigste an Foxy’s CDs? Für Chyna Doll sind Jay-Z, Noreaga, Total, Mya, DMX und Memphis Bleek sicher nicht nur ins Studio gekommen, um sich Foxy mal anzuschauen. Nee, da wurde schon auch richtig Musik gemacht.In “Dog & A Fox” z.B. rappt sie gegen DMX, und da ist keine Spur von Mäusechor. Foxy ist nicht nur Garnierung, sondern DMX auf jeden Fall gewachsen. Denn Foxy hat diese Stimme, die klingt wie Foxy aussieht. Ein bisschen daneben, definitiv dirty und in der Wortwahl reichlich nasty die junge Dame.

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Elektronische Lebensaspekte.