text
Text: oliver tepel aus De:Bug 30

/hiphop/r&b/twostep R&B-Two Step-Crossover Die Fusion, die nach Champagner schmeckt Sängerinnen wie Kym Mazelle und Adeva begannen in jenen Tagen die Rolle der House-Diva zu etablieren, und die House-Architekten Frankie Knuckles, Masters at Work, Ralphie Rosario oder Kevin Saunderson – you name them – verknüpften House mit Disco-geschultem R&B. Alles Geschichte, aber wert zu Erinnern, will man den Londoner Two Step Craze der letzten zwei Jahre und seinen jüngsten Flirt mit R&B irgendwo einordnen. Denn kaum ein Stil hat sich als so wandelbar und flexibel erwiesen wie R&B, und da zum guten Ton zumindest US-Amerikanischer R&B 12″s der Acapella-Mix zählt, biedert sich das fertige Werk ja förmlich zur Weiterbearbeitung an. Speed Garage hatte, während es 1996 London überflutete, den Vocal-House/Disco-Faden bereits aufgenommen und ihn an einen neuen, geschwind klappernden und von Drum and Bass Patterns zusammengehaltenen Sound geknüpft. Plötzlich sahen sich ältere Clubber im Zentrum einer neuen Hipness. Deren Attribute: teure Klamotten, Yuppie-Lifestyle (wenigstens am Wochendende) und Spass an Sex und klassischer Anmache passten bestens zum Habitus des gerade wiedererwachenden R&B-Klientels. Timbaland-Geklapper verstand sich auch gleich mit Speed Garage-Geklapper, und nachdem man auf dem Klo zusammen eine geraucht hatte, liess man sich vom Champagner wieder sanft auf die Tanzfläche gleiten und kunstvoll abwackeln. Während Teile der Urban-R&B-Szene hier den Groove vermissten und einige Speed Garage Fans ein schleichendes Unwohlsein über die neu geknüpften Bande beschlich, wuchs der Erfolg der Twice as Nice Parties, wo auf zwei Ebenen Speed Garage/Two Step und R&B aufeinandertreffen, mehr und mehr. Dreem Teem, vier Londoner DJs/Remixer/Produzenten, ordneten die Speed Garage Flut, nahmen bei Twice as Nice ein bisschen das Tempo raus und mixten die R&B-Acapellas rein. Was folgte, war eine neue Flut, nun von White Label Bootlegs mit entsprechenden Mixes, Tracks nach Schema-F mit gesungenen Melodielinien. Der Crossover war perfekt. Das Niveau wurde durch den Erfolg des tollen Architechs Mix von Brandy & Monicas “The boy is mine” erstmal so weit erhöht, dass es auf die Möglichkeiten dieser Fusion gespannt machte. Two Stepper wie Groove Chronicles und Ramsey & Fen schufen schon vor einiger Zeit den Blueprint für einen Erfolg wie Shanks & Bigfoots wirklich süsses “Sweet like Chocolate”, welches die Pop-Kompatibilität von Eigenproduktionen bewies. Sofort schnappte sich Talkin Loud MJ Cole, der den Crossover nun vorantreiben soll, und Artful Dodgers “Rewind” und “Moving too fast” wurden zu kleinen Indie-Hits. Das Ganze kann aber so schnell in den selben festen Bahnen enden wie Vocal-House, da auch R&B ausgesprochen chartsorientiert produziert wird und es kaum einen Grund gibt (erst recht nicht in dieser Szene), neue Dinge zu wagen, wenn das schnelle Geld winkt. Andererseits überraschte ein White Label Remix von Caron Wheelers Comebacksingle “Star” mit ausserordentlich reduzierter Eleganz, und weitere anstehende Kollaborationen mit (den im Vergleich zu den meisten US-Künstlern doch integeren und zugleich mutigeren) UK-Soulern, lässt für die Zukunft hoffen. Noch konkretere Hoffnungschimmer bieten die Stanton Warriors, die mit einem Remix von Deetahs “Honey Lollipop” HipHop mit ins Boot nahmen und als Stanton Warriors vs. Missy Elliott in der nächsten Zeit Aufsehen erregen sollten. “Buddy X” von Dreem Teem vs. Neneh Cherry bewies bereits, wie die Stilfusion ein neues komplexes Arrangieren guter, nicht auf einen Mitsing-Effekt reduzierter Kompositionen erlaubt. Ihre Debut-LP wird zeigen, welche Möglichkeiten in dieser Fusion noch stecken, von der das Dreem Teem überzeugt ist, es sei der Sound für das nächste Jahrtausend. Sie verteilen Props an Rodney Jerkins und Timbaland und versprechen für ihr Album “Classic-Stuff with real Strings”. Vielleicht, wenn man ganz mutig ist und über die ungelöste Text-Niveau-Misere des aktuellen R&Bs hinwegsieht, kann man hier auf eine echte Innovation hoffen. Sollte sie ausbleiben, gab es immerhin eine kurze Zeit mit den neuen spannenden Sounds einer Fusion, die nach Champagner schmeckte.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.