Vergesst die Schraubenzieher. Um Propellerheads’ Reason, das virtuelle Studio aus Schweden, zu installieren, braucht man nur einen Rechner und eine CD. Virtuell sei Dank. Synthesizer, Sampler, Effektgerät, Mixer, Drumcomputer…alle Komponenten sitzen brav im computerisierten Rack und warten darauf, verkabelt zu werden. Go.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 43

Das virtuelle Rackmountstudio von Propellerheads
Reason

Konzept und Oberfläche
Reason ist ein virtuelles Rackmount mit angeschlossenem Sequenzer, in das sich eine beliebige Auswahl der untenstehenden Instrumente einschrauben lässt. Sämtliche Verbindungen werden über Kabel realisiert, die auf der Rückseite zwischen den Anschlüssen gezogen werden können. Das hört sich zunächst etwas abschreckend an, geht aber dann doch ganz gut, denn die Kabel werden automatisch durchsichtig, sobald man eines umstecken oder eine neue Verbindung herstellen möchte.
Der Sequenzer entspricht im grossen und ganzen dem Key Editor von Cubase, so dass Notendaten- und Länge recht übersichtlich und praktisch editiert werden können. Sämtliche Parameter der Instrumente sind mit ihm automatisierbar und auch grafisch editierbar. Die Polyphonie und Anzahl der Rackteile sind von der CPU abhängig.

Hardware Interface
Das Hardware Interface dient der Kommunikation mit etwaigen MIDI-Interfaces und / oder Audiokarten. Soll Reason über MIDI extern gesteuert werden, so lässt sich jedem Instrument ein separater MIDI-Kanal zuweisen. Bis zu 64 Audiospuren können mit Reason erzeugt werden, die auf die Ausgänge der jeweiligen Audiokarte verteilbar sind. Wahlweise können sie aber auch über ReWire in ein anderes Programm (z.B Cubase) geschickt werden. Reason ist in beide Richtungen ReWire fähig, will sagen, es kann sowohl für andere Programme der ReWire-Master sein (bisher nur ReBirth) als auch in andere eingeschleift werden.

Mixer
Das Standard Mixer Modul besteht aus vierzehn Kanälen, die wahlweise stereo oder mono genutzt werden können. Pro Kanal gibt es einen zuschaltbaren zweibandigen Equalizer für Bässe und Höhen, vier Effektsends und je eine Mute- und Solo-Taste. Das erscheint zunächst etwas mager was das Equalizing angeht, wenn mehr als zwei Bänder benötigt werden, kann man jedoch den zweibandigen parametrischen EQ aus der Effektsektion zwischen Instrument und Mixer routen. Pro Kanal kommen zur externen Steuerung von Lautstärke und Panning noch je ein CV-Input hinzu.

ReBirth Input Machine
Dieses Rackteil dient der Integration von ReBirth via ReWire in Reason. Auf der Rückseite können die einzelnen ReBirth Kanäle in den Mixer gepatcht werden.

RexPlayer
Auch der RexPlayer baut auf ein Propellerheads Produkt auf: er erlaubt das Abspielen von durch ReCycle erzeugten Rex Files (in die einzelnen Bestandteile geschnittene Loops), so dass sich Loops auch ausserhalb ihres Originaltempos ohne Tonhöhenänderungen abspielen lassen. Die einzelnen Bestandteile des Loops bekommen dabei ihre eigene Notennummer, so dass sie über den Sequenzer oder per MIDI spielbar sind. Zur Manipulation bietet der RexPlayer noch einen Filter, sowie einen LFO und zwei ADSR-Hüllkurven. An Modulations-Inputs herrscht kein Mangel: möglich sind die externe Manipulation von Oszillator Pitch (= Tonhöhe), Filter Cutoff, Filter Resonanz, Lautstärke und Modulationsrad. Aber der RexPlayer kann auch Modulationsdaten senden, und zwar die des LFOs und der Filterhüllkurve. Weiterhin gibt es zwei Gate Ins für Amp Envelope und Filter Envelope, sowie einen Stereoausgang.

Subtractor
Natürlich darf auch ein Synthesizer im Rack nicht fehlen: der Subtractor ist eine Art upgedateter polyphoner Analogsynthesizer mit zwei Oszillatoren, zwei Filtern und einem Haufen Modulationsmöglichkeiten. Um ihn hier komplett zu beschreiben, reicht der Platz nicht, aber schon die externen Steuermöglichkeiten geben ein erstes Bild von seinen Möglichkeiten: für den Sequenzer je ein CV und ein Gate Input, Modulationsinputs für Oszillator Pitch, Phase, FM Amount, Filter 1 Frequenz und Resonanz, Filter 2 Frequenz, Amp Level, Modulationsrad. Modulationsausgänge sind Mod Envelope, Filter Envelope und LFO, Gate Inputs stehen für Amp Envelope, Filter Envelope und Mod Envelope zur Verfügung und natürlich gibts noch einen Audioausgang.

Sampler
Der Sampler NN19 ist eher ein Sample-Player für AIFF und WAV Dateien. Schneiden kann man mit ihm nicht, dafür komfortabel Samples in einem Keyboard Display mappen und sie mit einem Filter mit fünf verschiedenen Charakteristika und Filterhüllkurve bearbeiten. Dazu kommen noch eine Amp Hüllkurve, ein LFO mit sechs verschiedenen Wellenformen, ein Modulationsrad, das auf verschiedene Parameter zugreifen kann, sowie Routingmöglichkeiten für Velocity-Informationen. Anschlüsse: für den Sequenzer Gate und CV, als Modulationseingänge: Oszillator Pitch, Filter Cutoff, Filter Resonanz, Level und Modulationsrad, Modulationsausgänge: Filter Envelope und LFO, als Gate Inputs: Amp Envelope und Filter Envelope sowie ein Stereoausgang für Audio.

Drum Computer
Der Drumcomputer ist eine Art Luxusversion des Drumcomputers aus ReBirth mit zehn Samplekanälen, in die AIFF- oder Wav – Files eingeladen werden können. Jeder dieser Kanäle hat verschiedene Parameter wie Level, Length Pitch und Tone usw. Der Sequenzer kann Patterns mit bis zu 64 Steps erzeugen (wobei immer nur sechzehn sichtbar sind), besitzt Flam und Shuffle und kann in einer Auflösung von bis zu 1/128tel arbeiten. Dabei können alle Samples, da sie automatisch über MIDI gemappt sind, zusätzlich über MIDI gespielt werden. Pro Kanal gibts je einen Audioausgang, einmal Gate Out und Gate In, sowie einen Pitch CV In.

Matrix Pattern Sequenzer
Dieses Teil ist für alle diejenigen, die lieber mit Hardwaresequenzern arbeiten. Er entspricht in weiten Teilen einem Analogsequenzer und kann Patterns in einer Bandbreite von einem bis 32 Steps erzeugen. Pro Step können drei verschiedene Werte gesendet werden: Note CV, Gate CV und Curve CV, so dass nicht nur reine Notenverläufe, sondern auch andere Parameteränderungen ermöglicht werden. Dementsprechend hat der Matrix auch nur drei Ausgänge: Note CV, Gate CV und Curve CV.

Effekte
Klar dass es auch ein paar Effekte für Reason gibt: zunächst ein einfaches Digital Reverb, ein Digital Delay, das auch zum Songtempo synchronisiert werden kann und Delayzeiten bis zu zwei Sekunden bietet, ein Distortion, einen Resonanzfilter mit drei verschiedenen Filter Modi (12dB Hochpass, 12dB Tiefpass und 24 dB Tiefpass) und Hüllkurve zur Steuerung der Filterfrequenz (die Hüllkurve kann wiederum vom Drumcomputer oder dem Matrix Patternsequenzer gesteuert werden). Dann sind da noch ein kombinierter Chorus/Flanger, ein Phaser, ein Compressor, der auch als Limiter eingesetzt werden kann, sowie ein zweibandiger parametrischer Equalizer.

Bedienung, Performance und Sound
Die Bedienung ist, trotz der vielen Möglichkeiten was das Verbinden der Instrumente untereinander angeht, relativ einfach und praktisch gelöst. Dazu tragen vor allem die ergonomisch sehr durchdachten einzelnen Instrumente und die Sequenzersektion bei.
Die Performance ist auf der Audioseite schlicht erstaunlich: obwohl auch der Sound sehr fett und durchsetzungsfähig ist (bei allen oben erwähnten Instrumenten), konnte ich auf meiner alten Mühle (G3/300) nur mit der internen Soundkarte eine unglaubliche Menge an Instrumenten spielen, die alle auch noch mehr als zwei Parameter automatisiert hatten. Kein Vergleich zu Cubase VST mit VST Instrumenten, da hat mein Rechner schnell gar keine Lust mehr auf Automation. Die Integration per ReWire in Cubase klappte auch ohne Probleme, allerdings “nur” mit sechzehn separaten Kanälen, da Cubase in der Version 4.1 anscheinend noch nicht mehr Reasonkanäle verknusen kann. Schade nur, dass andere ReWire-fähige Synths und Sampler (z.B. Unity DS1 oder Retro) noch nicht in Reason integriert werden können, diese Option ist bisher ReBirth vorbehalten, vielleicht gibt es dafür ja mal ein Update. Ansonsten bleibt nur noch zu sagen, dass Reason mit einer ziemlich guten Soundbank von 550 MB geliefert wird, definitiv den Demodownload von ca 11 MB wert ist und auch die 850,- DM für die Vollversion kein rausgeschmissenes Geld sind.

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Elektronische Lebensaspekte.