Text: benjamin weiss aus De:Bug 12

Benjamin Weiss nerk@de-bug.de Propellerheads – von ReCycle zu ReBirth Vor ca. 1 1/2 Jahren brachte eine damals noch kleine schwedische Firma namens Propellerheads ReBirth heraus, eine Software Emulation für zwei 303en und eine 808 für Mac und PC, die sich sehr schnell zu einem absoluten Bestseller mauserte. Inzwischen gibt es eine Riesenmenge an ReBirth – Sites auf dem Netz (siehe Kasten ReBirth Links), auf denen neben Myriaden von Songs auch Modifikationen (es gab eine zeitlang sogar eine Daft Punk Version) und ein paar nützliche Apps zum Modifizieren von ReBirth zu finden sind. Diesen Monat wird die neue Version ReBirth 2.0 erscheinen, die neben der langerwarteten 909 im Setup einige nette neue Funktionen bereithält (siehe Kasten ReBirth 2.0 Features). Grund genug, sich mal mit Marcus Zetterquist, einem der sechs Propellerheads (zu denen auch Peter Jubel, DSP-Programmierer des Nord Lead, gehört) der mit Ernst Nathort-Böös Mitbegründer ist, zu unterhalten. De:Bug: Was werden die nächsten Programme/Updates von Propellerheads sein? Marcus Zetterquist: ReBirth 2.0 und ReCycle 1.7 De:Bug: Habt ihr was ähnlich revolutionäres in Planung wie ReBirth? MZ: Wir haben da unseren Langzeitplan, aber ich glaube es ist zu früh, um darüber zu reden. Während wir die Updates von ReCycle und ReBirth programmiert haben, haben wir auch unsere class library, den “Smuggler” sehr weit entwickelt. Wir mußten alles von JPEG – entpacken über SCSI, DirectSound und vielem mehr, erforschen und in Code umsetzen. Die ReWire Sache natürlich auch. Ich hoffe, daß wir uns in Zukunft mehr auf die Inhalte unserer Apps konzentrieren können, also den Soundpart. Ich bin nicht sicher, ob du überrascht sein wirst, wenn wir das nächste Programm rausbringen, aber ich denke, du wirst es haben wollen! De:Bug: Wie wird sich Softwaresynthese in Zukunft entwickeln? MZ: Ich denke wir haben die kritische Masse erreicht, was sehr professionell nutzbare Synths im Computer angeht. Es gab einige Probleme in den letzten Jahren, Soundqualität der Karten, mehrere Outputs, Standards für Audio- und CPU Performance. Diese Probleme sind alle einigermaßen okay gelöst worden. Es gibt aber ein neues Bewußtsein für noch immer bestehende Probleme wie zum Beispiel das Latency Problem. Das wird und hat die Hersteller von Soundkarten dazu gebracht, sich darauf zu konzentrieren. Sogar Microsoft hat auf das Latencyproblem reagiert und DirectSound und DirectMusic rausgebracht. Ich habe die große Hoffnung, daß diese technischen Probleme von Realtime Software Synths bald verschwinden, damit wir uns darauf konzentrieren können, coole Synths zu machen. Ich glaube trotzdem nicht, daß Software Synths jemals Hardware Synths ersetzen werden. Nicht wie TextveraMZeitung Schreibmaschinen ersetzt hat. Ein physisches Ding kann nie wirklich von einem Computerprogramm ersetzt werden, aber ich denke, daß Software Synths in Zukunft einen Großteil der Musik ausmachen werden. De:Bug: Seid ihr schon Millionäre? MZ: Kein Kommentar ;) De:Bug: Wieviele Kopien von ReBirth habt ihr bis jetzt verkauft? MZ: Ich hasse es, langweilig zu sein, aber ich kann es dir nicht sagen, weil es noch nicht offiziell ist. Aber wir haben ZIEMLICH gut verkauft. De:Bug: Wie erklärst du dir die ständig wachsende ReBirthszene auf dem Netz? MZ: Das ist das erste mal daß jeder wirklich im professionellen Sinne Techno machen kann, ohne mehr als 170 Dollar dafür auszugeben. Nicht dieser Multimedia-so-gut-wie-fertig-Spielzeug-Kram, but real original dance music. Ich glaube ein Teil des Phänomens kommt vom Preis her: als wir ReBirth geplant haben, entschieden wir uns, den Preis so anzusetzen, daß es in Reichweite sein würde für Leute, die sich für Techno interessieren, aber sich noch keinerlei Synthesizer gekauft, oder überhaupt was mit Musikmachen zu tun haben. Trotzdem ist ReBirth ein Profitool, weswegen wir den Preis auch nicht zu niedrig ansetzen wollten, da das dem Ganzen so einen Game/Multimedia – Vibe gegeben hätte. Außerdem ist ReBirth ein komplett unabhängiges Studio. Du kannst einen Song zu allen anderen ReBirth – Usern schicken und die können ihn dann in der perfekten Soundqualität hören. Keine Kompatibilitätsprobleme, nichtmal das leidige Mac/PC Thema. Der einzige andere Weg Songs auf diese Art gemeinsam zu benutzen sind Audiofiles. Mit Midifiles geht das nicht, mit MOD Files geht das in gewisser Weise auch. MOD Files sind ziemlich tricky. De:Bug: Glaubst du die ReBirthszene wird ähnlich groß wie die MODszene? MZ: Glaube ich nicht. ReBirth kostet Geld, MOD – Tracker kosten nichts. Das macht einen großen Unterschied, da die MODs hauptsächlich von vierzehn- bis achtzehnjährigen gemacht werden, die kein Geld haben. ReBirth und MODs bringen viele Leute dazu, Musik zu machen, was ich großartig finde. Ich glaube auch, daß diese beiden Szenen eine Menge gemeinsam haben, wie zum Beispiel ihre eigenen “Pop Stars”, der kostenlose und weitverbreitete Vertrieb von Songs und die starke Internetpräsenz. De:Bug: Wie bist du Programmierer geworden? MZ: Ich habe als Kind mit Lego gespielt – Programme schreiben ist da ein sehr logischer Schritt, schon weil der Wettbewerb im Lego Business viel zu hart war. Es geht immer darum, seine eigenen kleinen Spielwelten zu bauen. De:Bug: Warum macht ihr aus ReBirth kein modulares System bei dem man verschiedene Setups und Instrumente erzeugen kann, ohne eine Modifikation machen zu müssen? MZ: Dafür gibt es einige sehr gute Gründe. Der erste Grund ist der, daß, wenn etwas sehr generisch ist, es sämtliche Persönlichkeit verliert. Ich mag Persönlichkeit in den Dingen. Der ultimative modulare Software Synth wäre ein C++ Compiler, oder? Nicht besonders sexy! Da bevorzuge ich in jedem Fall einen Arp 2600. Der zweite Grund ist, daß immer mehr Produkte in dieser Richtung erscheinen und weiterhin erscheinen werden. Wir wollen eine kleinere Nische. ReCycle! ist ein generischer Sample Editor mit einem gewissen etwas genau wie ReBirth ein Software Synth mit einem gewissen etwas ist. Hilite Zitate: - Der ultimative modulare Software Synth wäre ein C++ Compiler, oder? Nicht besonders sexy! - Es geht immer darum, seine eigenen kleinen Spielwelten zu bauen. - Ein physisches Ding kann nie wirklich von einem Computerprogramm ersetzt werden, aber ich denke, daß Software Synths in Zukunft einen Großteil der Musik ausmachen werden.

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Elektronische Lebensaspekte.