aus De:Bug 16

Team Coaching Red Snapper Daniel Hoffmann Als ob es nicht schon genügen würde, daß in Köln an diesem Wochenende der Grundsteinlegung des Doms vor 750 Jahren gedacht wird. Prominenz und knipswütiges Fußvolk schlurfen mal wieder aaahh und ooohh stammelnd durch die ehrwürdigen Gemäuer und halten nach den Gebeinen der Hl. Drei Könige Ausschau. Neben dem alljährlichen Ringfest (ein endzeitmäßiges zweitägiges Straßenfest mit teurem Kölsch und schlechten Bands), wälzt sich noch ein Autokorso durch die Stadt, der das Kölner Messegelände ins Fadenkreuz nimmt. Popkomm heißt das Ziel. Und weil es ein Jahr der runden Geburtstage ist, haben natürlich auch der dicke Gorny und seine Belegschaft etwas zu feiern: die Musikmesse wird zehn. Aber selbst das perfekteste Winnersmilen wirkt etwas dünn, die feisteste Visitenkarte mickrig, wenn Verkäufe hinter übereifrigen Prognosen zurückbleiben. Ortswechsel Das Cristal-Hotel in Köln. Noch einen halben Monat bis zur Popkomm. Vor zwei Wochen sollte Making Bones, das zweite reguläre Album der Breakbeat-Jazzer von Red Snapper bereits in den Regalen stehen. Sollte. Aber die Gesetzmäßigkeiten des freien Marktes machen auch vor Englands elektronischem Weiße-Westen-Label Warp nicht halt. Und so entschied man sich dafür, Making Bones statt im Sommerpausenmonat Juli – einem Zeitraum, der bisher für unbekanntere Acts prädestiniert schien Ð mitten im herbstlichen Veröffentlichungstaumel zu plazieren. ”Naja, sie hatten wohl Angst, daß die Marketingstrategien während der Fußball-WM in Frankreich einfach so verpuffen würden, was natürlich Auswirkungen auf unsere Verkäufe gehabt hätte. Du kannst in England während einer WM einfach nichts verkaufenÒ, gibt ein lakonischer Ali Friend zu Protokoll, der mir in der kunterbunten Hotellobby gegenüber sitzt, während Schlagzeuger Richard Thair und Gitarrist David Ayers zwecks Phoner in die Bar umgezogen sind. Ali ist Fußballfan. “A Chelsea-manÒ, wie er von sich selber gerne behauptet. Und Kontrabassist von Red Snapper. Ein großer Kerl mit kurzen, blondgefärbten Haaren, dessen Finger bei Konzerten so unglaublich flutschig und funky übers Griffbrett scrollen. 1993 treffen er, Richard und der Amerikaner David aufeinander mit der Bestimmung, eine Band zu kreieren, die geschlossene Schaltkreise wie Hip Hop, Jazz und Breakbeat perforiert, um sie miteinander kurzzuschließen. Ein Jahr später hat man bereits einen Deal mit Flaw klargemacht, auf dem dann die EP Snapper und zwei weitere Maxis erscheinen. Lange dauerte die Zusammenarbeit allerdings nicht, denn Warp signalisiert reges Interesse. Dieser konservatorische Mix aus Morricone-Essentials, fiebrig-groovenden Drumpattern und elegant-swingenden Bassläufen hatte es ihnen angetan. Folgerichtig erschien die Compilation Reeled And Skinned, die alle bis dato release-ten Tracks zusammenfasste, auf Warp. Im August ’96 dann das Debütalbum Prince Blimey, das die musikalische Intention noch konkludenter erscheinen ließ, weil Stilmittel kongenial ins richtige Verhältnis gesetzt wurden. Bandbreiten Und jetzt also Making Bones. Der Albumtitel sagt einiges über die stilistische Bandbreite von Red Snapper im Jahr 1998. “Wir haben diesmal versucht, die rhythmische, die funkige Seite der Songs noch stärker zu betonen”, sagt Ali. “Wir wollten weg von diesem stilisierten Morricone-Ding. Diese Reduzierung auf Termini wie 60’s Jazz gefiel uns einfach nicht. Deshalb holten wir uns Leute wie MC Det oder Alison David ins Studio, die den Songs eine neue Wendung gaben.Ò Det, von dem Ali schwärmt, daß er genauso fußballverrückt sei wie er, ist eine feste MC-Größe im britischen Jungle-Geschäft. “His style is very London. Das gefiel uns, denn wir waren fasziniert von der Idee, alles sehr London-typisch zu halten, die Atmosphäre der Clubs zu absorbieren und nicht auszuschweifen.Ò So stammt auch die 23jährige Alison aus der dortigen Crew. “Sie sang für Life’s Addiction, für die wir damals einen Remix anfertigten. Uns gefiel ihre ausdrucksstarke, soulige Stimme. Also haben wir sie gefragt, ob sie nicht Lust hätte, auf Image Of You zu singen.Ò Die Zusammenarbeit klappte. Daher neben Image Of You auch Seeing Red, eine hypnotische Groovewalze, die von Alisons warmen Timbre getragen wird. Der knochige, beinah puristische Sound wäre aber wohl ohne einen nicht denkbar gewesen: Luke Gordon aka Spacer. Er ist es, der Making Bones co-produziert, mixt und engineert. Und für frische Impulse sorgt. ãLuke ist einfach unglaublich. Allein seine Spacer-Sachen (die auf Howie B’s Pussyfoot-Label erscheinen, Anm. d. Aut.) sind so kreativ. Darüber hinaus ist er ein hervorragender Engineer. Im Gegensatz zu Tim Holmes, der Prince Blimey produziert hat, ist Luke ein zurückhaltender Typ. Während Tim sich immer stark in die Entscheidungsprozesse eingeklingt hat, agiert Luke dagegen eher im Hintergrund. Eine Eigenschaft, die vieles erleichtert hat.Ò Sagt’s, um sinnierend hinterher zufügen: ãJaja, wir waren schon ein gutes Team.Ò Fast wie bei Chelsea. ZITAT: WENN MANS BRAUCHT, IS SCHWIERIG MIT ZITAT Ein konservatorischer Mix aus Morricone-Essentials, fiebrig-groovenden Drumpattern und elegant-swingenden Bassläufen

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Elektronische Lebensaspekte.