Text: Sven von Thülen aus De:Bug 130


Wie klingt ein im All durchgeführtes Experiment von Gino Soccio und Sly und Robbie? Na? Ganz klar, wie Toby Tobias, dem discoiden Ausbrecher auf Rekids. Zumindest beschreibt er seinen synthielastigen, ätherischen Sound selber so. Im Gegensatz zu seinem College-Kumpel Spencer Parker setzte er sich schon früh hinter diverse Synthesizer und versuchte sich als Produzent. Sein erstes Demo war trotzdem erst 2002 fertig.

Steve Kotey, ein Drittel von Chicken Lips und Betreiber des “Bear Funk”-Labels, war von Tobys Disco-Exkursionen so begeistert, dass er ihn direkt anrief, um einen Track von ihm zu signen. Der dann allerdings aus unterschiedlichen Gründen nie veröffentlicht wurde. Dafür dann ein Remix von Toby für Steve Koteys Projekt Akwaaba. 2005 traf Toby Spencer in der U-Bahn und kam so mit Matt in Kontakt, der von Tobys Musik sofort angetan war. Wie Matt ist auch Toby ein leidenschaftlicher Platten-Sammler, ein Crate-Digger.

Immer auf der Suche nach vergessenen Schätzen. “Vor allem Leftfiled Disco. Italo Disco. Krautrock. Michael Rother. Peter Green, der Gitarrist von Fleetwood Mac, um ein paar zu nennen. Als ich zum ersten Mal bei Matt zu Hause war, habe ich die meiste Zeit damit verbracht, mich durch seine Plattensammlung zu wühlen und immer wieder zu rufen ‘Oh, die hab ich auch’.” Jeden Sonntag setzt er sich in sein Studio, das er bei sich zu Hause in Brixton hat, und fängt einen neuen Track an. Meist beginnt das Ganze, indem er irgendwas samplet. Wenn es nach ihm geht, stammt ein Großteil der besten Musik, die je gemacht wurde, aus den Jahren 1978 bis 1983.

“Meine Lieblingsstücke von früher sind die, die auf ihre Art schon Techno-Stücke waren. Proto-Techno. Sie hören sich wie Techno-Stücke an, aber es steckt eine Band dahinter, und das meiste ist live eingespielt. Also zum Beispiel eine Synth-Melodie und eine Bassline, die live zu einem Groove eingespielt werden. Das ist Acid House, nur in den späten Siebzigern aufgenommen. Allerdings sind diese Sequenzen meist relativ kurz, eine Minute oder so, und dann verwandelt sich as Ganze in einen fürchterlichen Track. Deswegen mache ich so gerne Edits. Du nimmst diesen großartigen Part und bastelst dir daraus einen neuen Track. Ein gutes Beispiel ist auch Eddy Grants ‘Time Warp’. Das ist für mich ein Proto-Techno-Song, der heute immer noch perfekt funktioniert.”

Sein Debüt-Album “Space Shuffle”, das im letzten Sommer herauskam, arbeitete sich an dem weiten Leftfield-Disco-Feld zwischen Cosmic, Indie-Dance und Balearic-Einflüssen ab und bekam auch durch den zeitgleich ausbrechenden Nu-Disco-Hype recht ordentlich Rückenwind. Für 2009 steht ein neues Album an. Und ein eigenes Label, das auf den Namen Late Night Audio hören soll.

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Elektronische Lebensaspekte.