Text: Mercedez Bunz aus De:Bug 64

No hope, no fear, doch letzten Monat trauerte die Zukunft. Anfang September stolperte man auf der Detroiter Musik-Mailingliste 313 über eine bittere Meldung: James “Drexciya” Stinson ist an einer Herzkomplikation gestorben. Seine Musik wurde von seltsamen Bewohnern einer Unterwasserwelt gefüttert, von kryptischen Messages begleitet und setzte Beine und Schreibtastaturen in Bewegung. Kodwo Eshun stolperte über Drexciyas Elektro und schrieb seinen Tracks eine theoretische Hymne quer durch Techno, Black Theory und Alienation. Auch in Thomas Meineckes letztem Roman ist Drexciya eine Art tiefblauer Faden gewesen. Wir winken ihm auf den Grund des Ozeans hinab. Auch ansonsten war es ein bewegter Monat: Der Badesee hatte zu Beginn noch volles Programm, der Herbst begann golden, am 11. September war zum ersten Mal Anschlagsjahrestag, aber ein Kriegsschauplatz reicht den USA und England nicht so wirklich, deshalb hat Bush seine Kriegsdiskurs weiter gegen den Irak gespitzt. Wir sind dagegen, absolut: Irak – no logo! Der Schröder ist auch dagegen, hat dem Stoiber vor allem aber Gott sei Dank doch noch eins übergebraten, so dass wir dem wackelköpfigen Mutanten noch mal entkommen sind. Die Ars Electronica, die im September stattfand, ist auch in diesem Jahr auf unserer Website als langweilige und leere Cyberhochkulturveranstaltung beschimpft worden. Auch minitasking.com von unseren zwei DEBUGs Anne Pascual und Marcus Hauer, die mit einer Auszeichnung für Net-Excellence angelockt worden waren, konnten das Cyber-Niveau nicht vollkommen herumreißen. Auf dem höchsten Niveau dagegen: Das Berliner WMF hat im Café Moskau eine neue Superlocation gefunden (der Winter kann kommen, alle die woanders wohnen, können schon mal bei der Mitfahrzentrale buchen). Die Jeansindustrie lässt einem mit der Hüfthose, die Mädchen an ihrer fettesten Stelle umschmeichelt, auch weiterhin keine Wahl, als scheiße auszusehen. Und noch einen Hop, dann bleibt es dabei… In Nordrhein-Westfalen testete man anstelle des Wahlzettels und Wahlkreuzes zum ersten Mal die Wahl per Knopfdruck. In den nächsten Jahren kriegen wir das alle, sagt man so, denn man spart Wahlhelfer (Menschen sparen immer gut) und bekommt schneller genauere Ergebnisse. Anstelle der spannenden Hochrechnungen, die uns stundenlang bei Laune halten, reduziert sich dann alles auf einen einzigen Moment der schrecklichen Klarheit. Anschließend werden alle das auseinanderfieselnd mit Dingen kommentieren, die sie auch noch nicht wissen. Im Grunde aber eh klar (es stand auf unserer Website): Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten. : )

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Elektronische Lebensaspekte.