Repeat Orchestra ist die One-Man-Band von Antonelli Electr. Seine Hommage an das Innenleben seiner Maschinen testet mit kleinen harmonischen Abweichungen die darke Seite von House. Hör' auf die Maschinen, dann wird alles gut.
Text: Aljoscha Weskott aus De:Bug 84

… in Bruchteilen eines Orchesters

Ein Orchester aus Maschinen, das nicht der Grazie eines Schachcomputerprogramms entspricht? Wie geht das? Indem das Repeat Orchestra einfach vermeidet, rechnergestützt zu arbeiten. Das Innenleben der Maschinen wurde orchestriert. Und das ist nicht mal bildlich gesprochen: Auf einer Postkarte des Repeat Orchestras sind Stecker, Adapter und Schalter zu einer Orchester-Formation zusammengesetzt worden. Es ist der Kompositionsplan des anderen Antonelli Electr., des feingeistigen Stefan Schwander.

Debug:
Wie ist das Verhältnis von Wiederholung und Orchestrierung?
Stefan Schwander:
Die Mischung aus Repeat und Orchestra ist eigentlich sehr gegenläufig. Die Wiederholung ist das Wichtigste und Elementarste in minimaler Musik. Es geht um Wiederholung, die man ein bisschen variiert und verändert, um eine Spannung zu halten. Die Wiederholung macht Musik catchy und erfahrbar. Ich wollte den schmalen Grat zwischen Wiederholung und Nicht-Langeweile ausloten. Das Orchester ist opulent und abwechslungsreich in den Farben, Wiederholung vordergründig das Langweilige. Elektronische Musik mit Strings und einer Weite von Streichern, davon handelt das Repeat Orchestra.

Debug:
Auch wenn sich die Kompositionslinien zwischen hell und dunkel bewegen, dominiert doch eindeutig das darke Element.
Stefan Schwander:
Ja, es ist eine dunklere Farbe hinzugekommen. Die Harmonie ist nicht mehr positiv und überschwänglich, alles ist bedrohlicher geworden. Das hängt mit der inhaltlichen Ausrichtung des Albums zusammen. Viele Harmoniewechsel sind schräg und nicht so gängig, klingen aber dadurch frischer: D.h.: kein C-Dur Akkord, sondern ein Halbton runter. Das macht es gefährlicher und spannender. Trotzdem gibt es auf dem Album ja beide Seiten. Für mich ist das House-Musik. Ich sehe da Wurzeln in House-Musik, die vielleicht weggebrochen sind. Was ich erreichen möchte: Genieße einfach das Schräge! Es ist mühsam, nach Kategorien zu suchen. Mir geht es eher um die Vermischung. Letztendlich ist das die darkere Variante von House.

Debug:
Eine darke Seite, die auch bei Jeff Mills auftaucht?
Stefan Schwander:
Nein, nicht unbedingt. Was mich an Jeff Mills interessiert, ist, dass sein Background House bleibt. Früher waren das sehr begrenzte, roughe Produktionen: tiefe Basslinie, minimales Piano. Die typische 8-Spur-Sache. Ich habe mal gelesen, dass er in seiner Plattenkiste immer eine James-Brown-Platte dabei hat, nicht um sie zu spielen, sondern um sich zwischendurch zu vergewissern, wo die Funkyness herkommt. Das finde ich gut.

Debug:
Ist das Repeat Orchestra an einen konkreten Ort gebunden, wenn es vornehmlich filmisch wirkt?
Stefan Schwander:
Ich denke nicht in Architekturen, auch nicht so sehr in Bildern. Ich bin schon ein sehr akustischer Mensch. Das Album ist tanzbar und untanzbar zugleich – dazwischen bewegt sich das filmische Element. Das heißt aber auch, dass das Album im Club durchaus funktioniert.

Debug:
Und wie tritt das Orchester auf?
Stefan Schwander:
Das Album ist in einer Live-Situation aufgenommen worden. Ich habe mir überlegt, was ich machen will, und hoffe dann auf den guten Moment, auf den guten Take. Ich hatte das Bild einer 1950er-Jahre-Jazzband vor Augen, die ein Stück spielt, das immer wieder von Abweichungen geprägt ist, weil die Stimmungen sich verändern, weil alles variiert und in Bewegung ist. Ich versuche das mit Maschinen. Das mag pervers klingen, aber die Maschinen leben auf, sie überraschen mich und ich sie. Manche Stücke würde ich so wahrscheinlich nicht noch mal hinbekommen, andere vielleicht sogar besser. Ich drücke ja keine Taste auf einem Laptop, um das Arrangement zu starten. Ich höre auf meine Maschinen, d.h. Drummachines, Sequencer, Effektgeräte. Dadurch verändert sich jedes Set. Mit diesem Equipment spiele ich live. Das schleppe ich immer mit mir herum.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.