Christoph Rosol über Funkchips zwischen Big-Brother und Logistik-Porno
Text: aw aus De:Bug 121


Christoph Rosol
RFID
Kulturverlag Kadmos

RFIDs sind winzige Funkchips, die gerne als “Barcode-Nachfolger” tituliert werden, weil sie die Welt der realen, fassbaren Dinge scheinbar mühelos mit den digitalen Netzen verbinden. Die Wahrnehmung der Technologie schwankt seit einigen Jahren zwischen Big-Brother-Angstphantasien und Logistik-Porno, aber beide Extreme werden der Radio-Frequency-Identification nicht gerecht.

Zunächst ist das Thema nämlich technisch viel kniffliger, als im Guten oder Schlechten angenommen wird. Die reibungslose Totalüberwachung von Warenströmen, Tieren oder Menschen entpuppt sich also zunächst als Utopie und die RFID-Aufregung als heiße Luft. In seinem jüngst erschienen Buch “RFID – Vom Ursprung einer (all)gegenwärtigen Kulturtechnologie” entrümpelt De:Bug-Autor Christoph Rosol die Funkchip-Geschichte zunächst vom Ballast der irreführenden Rezeption, um sie anschließend noch einmal von vorne zu erzählen.

Rosol gelingt dabei ein erstaunlicher Spagat zwischen technischer Präzision, kultureller Einordnung und flockigem Sprachduktus. Seine Funkchip-Historie liest sich genauso interessant wie kurzweilig, auch wenn technisch unbelastete Leser passagenweise nicht mehr folgen können. Aber das macht eigentlich gar nichts, denn Rosols Buch lässt auch eine sprunghafte Lektüre zu.

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Elektronische Lebensaspekte.