Das einzige, was Laptopbesitzer vom Verramschen ihrer stationären Rechner bislang abhalten konnte, war die miserable Qualität der internen Audiowandler. Powerbooks zum Beispiel, gerade neueren Baujahres, klingen mehr nach Kloschüssel als nach G4. RME bietet nun ein professionelles Interface, das über die Möglichkeiten der VXPocket und Emagics emi 2|6 deutlich hinaus geht.
Text: kai kroker aus De:Bug 56

Lange musste man als Laptop-Musiker auf eine wirklich professionelle und dennoch transportable Multichannel Audio-Lösung für den mobilen Einsatz warten. Es gibt zwar durchaus gute Interfaces (z.B. das MOTU 828), aber allesamt gehen sie mit ihrer Schnittstelle zum Computer Umwege, die eigentlich nicht nötig sind, da es doch mit dem PCMCIA-Slot eine direkte Anbindung an den PCI-Bus gibt. Genau da setzt das Hammerfall-DSP System an. Es bietet die Möglichkeit, es sowohl an einer PCI-Karte an Standrechnern als auch über den Card-Slot an Mobilrechnern zu betreiben. Doch RME geht noch ein paar Schritte weiter. Dank des eingebauten DSP-Chips wird die CPU des Rechners mit der Bereitstellung der Ein- und Ausgänge gar nicht belastet. Ganz im Gegenteil, der DSP bietet noch genug Leistung um das wirklich professionelle Meter-Bridge Tool (derzeit nicht für Mac, wird aber nachgeliefert) zu berechnen, welches einem ohne Verzögerung genaueste Level-Anzeigen für sämtliche Ein- und Ausgänge bietet.

Have a look

Das eigentliche Interface gibt es in zwei Ausführungen: das Digiface mit 48 Kanälen im Adat-Format, sowie das Multiface mit 8 analogen i/o plus 8 Optical-Adat i/o Kanäle. Beide besitzen ein Midi-Interface und eine zusätzliche SPDIF-Schnittstelle. Auch Wordclock-Buchsen und Adat Sync sind mit an Bord. Die Stromversorgung erfolgt über ein Netzteil, es besteht aber auch die Möglichkeit einen kleinen Blei-Akku anzuschließen oder den Zigarettenanzünder im Auto beim nächsten Ferien-Stau zu missbrauchen. Die Kabel hierfür werden mitgeliefert. Gerade die Größe dürfte für viele interessant sein, halb 9.5″ passt wohl in jeden Rucksack. Aber auch im Profi-Studio bleiben bei der Ausstattung keine Wünsche offen. In Verbindung mit der richtigen Software (z.B. Nuendo) stellt das Hammerfall-System eine echte, preiswerte Alternative zu Pro-Tools Systemen dar und muss den Vergleich nicht scheuen. Es lässt sich dank der vielen Schnittstellen mühelos in das digitale Setup einbinden und bietet dabei eine Reihe gut durchdachter Features. Natürlich arbeitet es auch im 96khz/24bit Modus, die analog i/o sind symmetrisch als Stereo-Klinken ausgeführt. Viel Theorie die sich gut anhört, was aber zeigt die Praxis?

Have a listen

Getestet habe ich es an meinem Dell-Laptop (Inspiron 8100) mit Windows 2000 und auf einem älteren Powerbook (G3/500mhz). Beide Installationen liefen problemlos ab, echtes Plug & Play. Selbst bei Nutzung aller 52 (!) Kanäle des Digiface gab es keine Aussetzer oder Clicks. Die geringste Latenz lag bei 3ms, theoretisch möglich sind 1.5ms. Hier macht sich die direkte Anbindung an den PCI-Bus mehr als bezahlt. Der integrierte Midi-Port arbeitet sehr zuverlässig und vor allem schnell und kommuniziert auch mit Problemkandidaten wie dem Nord-Modular Editor perfekt. Mit Erscheinen dieser Ausgabe wird es auch einen neuen Treiber mit OMS-Einbindung für MacOS geben. Übrigens hat sich RME sehr ausführlich mit dem Thema Laptop und Audio auseinandergesetzt und bietet auf ihrer Homepage (www.rme-audio.com) eine ganze Reihe überaus hilfreicher Tipps. Unter Tech-Infos findet ihr dort Informationen zu getesteten Laptops, Betriebssystem-Tuning und dem Einsatz mit dem Hammerfall-System, und man kann man dort natürlich extensiv sämtliche Features nachlesen, die ich hier nicht erwähnen kann.

Ich muss gestehen: als Windows-User habe ich so manche Wochen gefrustet vor blauen Bildschirmen gesessen und den Zeiten, wo nur eine nicht bezahlte Stromrechnung meine kreativen Ergüsse stoppen konnte, nachgetrauert. Auch die ewigen Predigten “glücklicher” Mac-User doch endlich umzusteigen, schienen bei mir langsam Wirkung zu zeigen. Doch auch ein PC-Musiker kann ein glücklicher Musiker sein, wenn er nur die richtige Hardware benutzt und das Digi-/Multiface macht definitiv glücklich. Ich habe selten ein Produkt im Computer-Bereich in den Händen gehabt, das einen solch professionellen Eindruck hinterlassen hat. Auspacken, Einstecken, loslegen…endlich mal nicht zahlender Beta-Tester sein.

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Elektronische Lebensaspekte.