Roboter wechseln das Arbeitsfeld. Statt muskelzehrende und gefährliche Drecksarbeit zu übernehmen, führen sie jetzt soziales und menschliches Feingefühl fordernde Sozialarbeit aus. Eben das, was sie besser können als Menschen.
Text: Anton Waldt   aus De:Bug 55

Der Robo, deine Rente
Roboter werden Sozialarbeiter

Roboter sind auf dem besten Weg, die nächste Rationalisierungsphase einzuläuten. Schon lange geht es nicht mehr darum, Industriearbeiter von monotoner und schwerer Arbeit zu befreien, sondern soziale Dienstleistungs-McJobs zu automatisieren. Prinzipiell lassen sich dabei zwei Bereiche unterscheiden, nämlich reine Pflege- und Medizinleistungen (Blutdruckmessen, Medikamente dosieren oder banale Gehhilfe leisten) und soziale Leistungen, also Gesellschaftsersatz und Unterhaltung. In zehn Jahren dürfte jedenfalls die reguläre Rentnerwohnung mit einem Kombigerät ausgestattet sein, das soziale und medizinische Funktionen in sich vereint.

Sozio-Bots
Unterdessen wird die Gameboy-Generation im Vereinsamungsfall auf Furbys Erben zurückgreifen, um fehlende soziale Kontakte wettzumachen. Ein Gang über die letzte Spielzeugmese in Tokio zeigt, wo es für einsame Herzen langgeht. Wichtiger als aufwendige Bewegungsabläufe ist mittlerweile die Fähigkeit zur Interaktion mit der angepeilten Zielgruppe. Diese potenziellen Kunden der “Sozial-Bots” hat stellvertretend für die Branche ein Tomy-Sprecher folgendermaßen – knallhart – definiert: “Alleinstehende, einsame Büroangestellte und junge Frauen, Eltern, deren Kinder aus dem Haus sind oder alte Ehepaare, die ihrem Partner nichts mehr zu sagen haben.” So kann die Robokatze “NeCoRo” von Omron zwar nicht laufen, aber dafür hat sie ein raffiniertes Felldesign, das einem Jurassic-Park-Modell Ehre machen würde: Das Fell sträubt oder entspannt sich je nach grundsätzlicher “Stimmungslage” der Maschine oder als Reaktion auf Streicheleinheiten. Daneben hat Omron aber auch die langfristige “Persönlichkeitsentwicklung” programmiert, die ähnlich wie beim Tamagotchi vom Zuwendungsgrad durch den Besitzer abhängt. Seine Laune kommuniziert die Fellbüchse dabei mittels “Mimik”- und Sound-Effekten – in diesem Fall 48 verschiedene. Omron wollte mit dem Prototyp “Tama” neue Techniken von Mensch-Maschinen-Interfaces testen: Mittelfristig sollten also auch banale Anwendungen wie Geldautomaten von der Spielzeug-Feldforschung am Kunden profitieren und uns je nach Laune mit getragener oder aggressiver Stimme über den Kontostand informieren.

Pflege aus der Büchse
Wie die Altenpflege-Bots aussehen werden, ist unterdessen noch nicht so klar abzusehen. Die Erfahrungen aus dem Spielzeugsektor werden aber bestimmt in zukünftige Maschinen einfließen, so dass Oma nicht nur optimal medizinisch versorgt und überwacht werden wird, sondern auch täglich was zu lachen und zu kuscheln hat. Auf der Messe “Alter&Pflege”, die unlängst in Stuttgart über die Bühne fetzte, wurde auch ein Prototyp des “Care-o-Bot” vorgestellt, der laut seinen Entwicklern vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung alte Menschen künftig im Haushalt “unterstützen” soll. Care-o-Bot soll seinem Besitzer zum Beispiel auf Wunsch Getränke ans Bett liefern, ein Essen in der Mikrowelle erhitzen oder als Stütze und Gehhilfe in der Wohnung dienen, in bestimmten Abständen erkundigt er sich nach dem Wohlbefinden seiner Benutzer und kontrolliert Werte wie den Blutdruck. Bleibt eine Antwort aus oder werden bedenkliche Werte gemessen, alarmiert der metallische “Butler” automatisch Nachbarn oder einen Arzt. Laut seinen Erfindern ist es aber auch denkbar, dass der Roboter guckt, welche Vorräte noch im Kühlschrank sind und was eingekauft werden muss, auf Kommando Jalousien und Türen schließt oder die Heizung reguliert. Seine Befehle erhält der Bot entweder durch Berührung entsprechender Symbole auf einem Touchscreen, per Fernbedienung oder über Sprachkommandos. Das Gerät soll aber erst in etwa fünf Jahren marktreif sein. In enger definierten Bereichen machen sich unterdessen schon heute Bots in der Pflege nützlich. So hat Matsushita einen Pferde-Roboter für den Einsatz als Therapie-Instrument entwickelt. Der simuliert Schritt, Trab und Galopp, die passend bewegte Landschaft wird den “Reitern” auf einem Monitor gezeigt und insgesamt sollen die Resultate denen vom “echten” therapeutischen Reiten entsprechen. Hüho.

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Elektronische Lebensaspekte.