Ein Minuett mit Roboter gefällig? Japans Robotermessen sind Wallfahrtsorte für alle Generationen. Kinder mit Tierhaarallergie streicheln Plastikkatzen und Businessmen tanzen mit Aibo. Auch wir haben uns in Yokohama mit dem neuen Modell Latte fotografieren lassen.
Text: Alexa Kreißl und Daniel Kerber aus De:Bug 55

Neue Freunde im Test
Robo-Festa Kanagawa 2001 in Yokohama

Seiryu, Pino, P3, PaPeRo, Hyubo, Robovie, Aibo, Cam08, Memoni, Astro-Boy, Asimo und viele mehr, sie alle sind nach Yokohama zur weltweit größten Robotermesse gekommen und sie ziehen ein wissbegieriges Dreigenerationenpublikum an. Highlights sind das Robot Laboratory Special, das Robot Stadium und das Robot Live Theater.
Die von Sonys Roboterhund Aibo ausgelöste Roboteremanzipation hat durchgeschlagen. Kein Sklavendasein, keine dreckigen, gefährlichen Jobs mehr. Wir sind eure Freunde und wollen mit Respekt behandelt werden. Drei neue Aibos werden von Familien umlagert. Die neuen Modelle Latte und Macchiato sind cute, rund und pinscherartig, der große Bruder kommt eckiger, markanter und technoider daher. Ausgeliefert wird die Basisversion, man kann aber Zusatzsoftware kaufen – Junior, Adult, Senior. Leider haben wir noch nie einen gesehen, der über das anfängliche Ball erkennen und wegstupsen hinausgekommen ist und auf die Frage, ob das nicht ein wenig langweilig sei für den hohen Preis, kommt prompt die Antwort: er lerne ja schließlich noch. Verzeihung!
Vielleicht sollte man sich mal das Senior-Aibo Softwarepaket anschauen. Omron und Matsushita haben Haustiere entwickelt, die bei Oma und Opa auf dem Schoß sitzen, ihnen die Wettervorhersage vorlesen, sie erinnern, ihre Pillen zu nehmen, und sie im Notfall direkt mit Krankenhaus via Internet verbinden. Natürlich gibt es alle möglichen Billigverschnitte. Eine Art Dackel mit blinkender roter Nase, Hühner, Katzen… irgendwo wird ein staubsaugerartiger Klops vorgestellt mit großen leuchtenden Augen und blinkendem Mund. Er kann sprechen lernen, bisher nur Japanisch. Als Unterwasserversion gibt es Quallen und mini U-Boote. Mit Interaktivität oder Artificial Intelligence ist es hier nicht weit her.
Davon findet sich mehr beim Stand des Tokyo Institute of Technology. Um eine Manege herum haben die Studenten ihre Universitätssituation nachgebaut, mitsamt der Billigmöbel. Hier wird an Basisfragen gearbeitet und die ungewöhnlichsten Ansätze bringen die bizarrsten Kreaturen hervor. Kann man einen einbeinigen, springenden Roboter bauen? Ist eine schlangenartige Form zur Rettung bei Erdbeben geeignet? Wie kann man mit nur vier Beinen eine Person anheben, schultern und in Sicherheit bringen? Eine Raupe besteht aus einzelnen prozessorgesteuerten Elementen, die unterschiedlich zusammengesetzt sich aufeinander abgleichen und verschieden bewegen. Ziel ist es, das Ganze in der Größe so zu reduzieren, dass eine intelligente Materie entsteht, die unterschiedlichste Formen annehmen kann und diese auch erkennt und benutzt. Erinnern wir uns kurz an Barbabapa.
Höhepunkt ist die Show von Asimo, dem humanoiden Roboter von Honda. Die neue Version ist nur 1,20 groß und schreitet starlike eine Treppe herunter auf die Bühne. Kurzer Wink, ein Liedchen wird angestimmt und das Publikum singt und vollführt im Einklang mit der feinsten und intelligentesten Mechanik des Landes einen Ententanz. Wäre er dabei umgefallen, hätte er leider nicht alleine aufstehen können. Tut er aber nicht!
Wie kann ich mir eine nützliche, schlaue Maschine bauen, die auch mein Freund ist? Mein neuer Freund kann gar nichts Sinnvolles? Macht nichts! Wer einmal gesehen hat, wie schlipstragende Businessmen euphorisch mit Asimo tanzen, oder wie Omas verzückt Plastikhundeköpfe streicheln, der weiß mit Sicherheit, dass Maschinen hier Empfindungen, ein Gedächtnis und eine Seele haben.

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Elektronische Lebensaspekte.