Vollblutmusiker mit Tool-Vorliebe
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 123


Multiinstrumentalist, “Jugend Musiziert”-Vergangenheit und Freund von getunten Drums. Auf Traum kann Roland Dill voll aufblühen.

Roland M. Dill ist verdammt umtriebig. Seit Kindertagen am Klavier, dann Trompete, Posaune, Tenorhorn, Improvisationszeit mit Blues und Jazz. Er hat versucht, eine Rockband zu gründen, oder seine Schulfreunde versucht dazu zu überreden, eine Boy Band zu machen. Mittlerweile kann es gut sein, dass man ihn schon mal als Aushilfe in einem Alphornquartett erwischt oder auf einem Schützenfest oder nebenbei als Musikstudent in Köln in den letzten Zügen. Ihn hat die Improvisation zum Produzieren gebracht. “Ein Bekannter von mir, der Konzertorganist ist und Hörspiele macht, hatte ein Studio und ich habe da zum ersten Mal gesehen, wie man mit einem Sampler arbeitet. Ich war total fasziniert, dass er das, was ich gespielt habe, sofort als Noten auf dem Bildschirm stehen hatte. Kurze Zeit später habe ich mir meine erste Notationssoftware gekauft. Und so bin ich zu Computer und Musik gekommen. Mit 13.”

Mit einem Expander bewaffnet hat er dann mit Schulfreunden Trance gemacht und Beethovens Eroica in Trance der geschockten, gerührten Musiklehrerin vorgespielt. “Ich hab’s, das ist schon lange her, bis auf Platz 3 in einem Blank & Jones Remix Contest geschafft. Von denen hört man ja auch nichts mehr. Ist aber auch gut so.” Die Beziehung Marschmusik-Techno nicht überstrapazierend, begann er – ganz Musiker – sich bei DJ-Sets im Trancefeld zu langweilen und wurde der jüngste Kölner Jeff Mills Linksaußen-Überholer, nach einer Erfahrung mit einem Set von Technasias Charles Siegling. “Ich hatte es vorher einfach noch nie gesehen, dass jemand so drin steckt und wie ein Musiker auf der Bühne permanent in Aktion ist. Ich muss als Musiker immer etwas tun, damit Klang rauskommt. Von da ab habe ich keine Tranceplatte mehr gekauft. Je abstrakter, je weniger drin war, desto lieber war mir das.” Die Tooltechno-Phase, die er gleich mit eigenen Tracks auffrischte, mit Scratchtools, die er sich schneiden ließ, machte ihn gleich zum Gewinner des Rillen Grillen Jugend Musiziert Wettbewerbs. “Ich habe, was klassische Musik betrifft, bestimmt 15 Mal bei Jugend Musiziert mitgemacht.

Meine Lehrer haben mit einem lachenden und weinenden Auge gesehen, dass ich mich so stark für elektronische Musik interessiere. Und der Landesmusikrat hat mich dann gefragt, ob ich nicht Lust hätte, Juror zu werden und jetzt auch den Wettbewerb mitzuorganisieren.” Als ihm klar wurde, dass ein eigenes Label vielleicht doch nicht so schnell aus der Taufe zu heben ist, empfahl ihm jemand Riley von Traum. “Der ist doch bei dir um die Ecke. Zwei Tage, nachdem er meine CD hatte, rief er mich an und meinte: ‘Das ist zwar sehr toolig, aber es interessiert mich, was du machst.’ Als er mir dann mehr Sachen von seinen Labeln gezeigt hat, war das ein Aha-Effekt. Es gibt auch minimalere Sachen, die treiben können und einfach interessant sind. Tools waren mir dann, trotz aller Qualitäten, zu stumpf.

Bis ich mal Tracks gebaut hatte, die ihm gefielen, hat es eine Weile gedauert. Es war ein langer Weg herauszufinden, was mich an elektronischer Musik wirklich bewegt. Riley war ein großer Lehrer. Aber er hat auch nie gesagt: Mach das und das oder hör dir an, was die machen, und tu es auch. Er hat die Kreativität rausgekitzelt.” Im Universum von Trapez gehört Roland M. Dill zu denjenigen, bei denen jeder Sound in Harmonie eingebettet ist, die gleichzeitig aber eine Härte verströmen und einen sehr guten Chicagogroove. “Meine Tracks sollen harmonisch sein, aber auch abstrakt. Ich tune sämtliche Drumsounds auf ihre Tonalität hin. Es gibt keinen Drumsound, der nicht in ein harmonisches Spektrum eingebunden wird. Selbst meine HiHats. Für mich ist mittlerweile wichtig, dass ein Track aufblüht, sich entwickelt. Der kompositorische Aspekt kommt da durch, aber ich muss als DJ damit immer noch spielen können.”
http://www.rdill.net

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Elektronische Lebensaspekte.

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