Die Bandecho-Reihe von Roland war ein Meilenstein in der Musikgeschichte. Emulationen von Tape-Echos gibt es wie Sand am Meer, Universal Audio bietet die populäre Roland-Variante jetzt für die hauseigenen DSP-Karten an. Läuft.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 105

Musiktechnik

Roland RE-201 Space Echo
Bandecho, digital

Sehr lange wurde das Space Echo von Roland in der Emulation von Universal Audio angekündigt und immer wieder verschoben. 1973 erstmals vorgestellt und eines der ersten Tape Delays, wurde es bis in die Achtziger hinein hergestellt und entwickelte sich schnell zum Lieblingseffekt vieler Dub- und Reggae-Künstler wie Lee Scratch Perry und King Tubby, aber auch David Bowie, Portishead und Richie Hawtin griffen und greifen immer noch gerne zum magischen Leiern mit integriertem Feedback.
Nun ist es seit ein paar Monaten in digitaler Form erhältlich und schon einer der Bestseller unter den PlugIns für die UAD-1.Wie bei allen UAD-1-PlugIns können sich Besitzer einer UAD-1-Karte ein voll funktionsfähiges Demo mit 14-tägiger Laufzeit runterladen.

Übersicht
Zunächst lässt sich das Eingangssignal über den Drehregler Input einstellen. Gleich daneben der Mode Selector, der insgesamt 12 Einstellungen bietet: Davon sind 1-4 verschiedene Echos, 5-11 verschiedene Kombinationen aus Echo und Reverb und schließlich noch reines Reverb. Zum Equalizen stehen je ein Knopf für Bass und Treble bereit, für den Signalanteil von Echo und Reverb gibt es ebenfalls je einen Knopf. Die zwei wichtigsten Drehregler darf ich natürlich nicht vergessen: Repeat (für die Anzahl der Wiederholungen, wahlweise in Millisekunden, oder, wenn gesynct, in Notenwerten) und Intensity, der ab 12-Uhr-Stellung für wohldosiertes bis heftigstes Feedback zuständig ist. Zusätzlich zu den Parametern der Hardware hat man dem digitalen Space Echo Folgendes spendiert: Die Drehregler für Instrument-/Mic-Input wurden zu Panorama-Reglern für das Echo- und das Reverb-Signal. Darüber hinaus lässt sich das Space Echo zum Host-Tempo synchronisieren, das Alter des Bandes einstellen (new, used oder old) und einen Regler für das Ausgangssignal gibt es auch. Der Soundeffekt, der sich beim Original durch die Klebestelle des Bandes ergibt, lässt sich im PlugIn durch den Button Splice erzeugen.

Bedienung
Die Bedienung entspricht weitestgehend dem Original, das ja auch nicht gerade vor Parametern strotzt und sich daher schnell erschließt. Allein der gefühlvolle Umgang mit dem Feedback-/Intensity-Regler will geübt sein, was mit der Maus nicht ganz so intuitiv geht wie mit einem echten Knopf.

Sound & Performance
Der Sound ist erstaunlich nah dran, einzig das starke Eigenrauschen und das Schleifen des leerlaufenden Bandes beim Original wurden nicht emuliert. Auch wenn man das Space Echo per Intensity stark ins Feedback schickt, klingt das authentisch und moduliert bei Bedarf bis in die Unendlichkeit. Neben dem Einsatz als Instrument in Feedback- und Delay-Orgien eignet es sich aber auch sehr gut dazu, einem Mix oder Vocals Tiefe und das gewisse Etwas zu geben.

Die Performance ist leider nicht ganz so überzeugend geraten: das RE-201 frisst stattliche 34% der DSP Power einer UAD-1, so dass nur sehr wenig Performance für andere PlugIns bleibt.

Fazit
Wieder einmal ist Universal Audio das Kunststück gelungen, berühmte Hardware sehr genau und wohlklingend zu emulieren, wenn auch die Performance viel zu wünschen übrig lässt. Im Moment ist das Original wieder sehr populär und kostet dementsprechend auch mehr, der Vorteil ist natürlich die Möglichkeit, die Regler direkt anfassen zu können, was gerade beim Space Echo schon sehr wichtig ist. Und noch mal an Universal Audio: bitte schnellstmöglich Midifähigkeit implementieren!

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Elektronische Lebensaspekte.