Die Roll-Deep-Crew ist die Keimzelle des Grime. Dizzie Rascal und Wiley kommen hierher. Jetzt macht sie sich über Jermaine Dupri an die USA ran.
Text: Johanna Grabsch aus De:Bug 97

Herzensbrecher des Grime
Roll Deep

“In at the deep end“ ist ein Grime-Album. Ein typisches Grime-Album. Denn dieses Format soll nicht vorrangig in den Clubs für Stimmung sorgen, sondern Kids zum Kauf bewegen. Starteten Roll Deep ihre Karriere wie viele andere Grime-Crews beim Piratensender Rinse FM, transportiert das Debütalbum der East Londoner ein Flair, das jederzeit von Kiss-FM-Jingles unterbrochen werden könnte. Und einige der Schmachtfetzen auf “In at the deep end” eignen sich gar zur Heavy Rotation.
Die mittlerweile fünfzehnköpfige Formation aus DJs, Produzenten und MCs musste sich etwas einfallen lassen, als Dizzee Rascal die Crew verlassen hatte, um seine eigene Majorkarriere zu starten. Auf der UK-Website wird er noch als volles Mitglied aufgeführt, auf der aktuellen .com-Homepage gibt es keine Spur mehr von ihm. Einen Trumpf hatte Roll Deep noch auf der Hand: Wiley, der andere Godfather des Grime, blieb. Und nachdem erfolgreich sein eigenes Soloalbum lanciert war, konzentrierte er sich auf seine Basis, um mit Target und Danny Weed (den beiden anderen Produzenten) Grime auf die nächste Ebene zu bringen.
“Als Grime anfing, gab es diese Bezeichnung noch gar nicht, Garage wurde einfach immer darker und böser, die Medien fassten das einfach irgendwann unter Grime zusammen und eine neue Musikrichtung war geboren. Jetzt, wo Grime sich etabliert hat, ist es Zeit musikalischer zu werden, Musik für die Ladies zu machen, nicht immer die gleichen Sounds zu benutzen. HipHop ist doch genauso. Als das anfing, gab es nur ein paar Beats, jetzt gibt es unglaublich viele Subgenres. Das wird auch mit Grime passieren, Wir haben Salsa, Funk, Soul, sogar 80ies-Pop benutzt, machen aber immer noch Grime“, sagt Target.
Das kann dann auch einfach so klingen, dass ein alter Song aus den Achtzigern, “Heartbreak Avenue” von den Maisonettes, gesampelt wird und die Roll Deep MCs um die Wette über die Originalspuren rappen. Der englische Akzent und die Geschwindigkeit der Raps sind dann hier wohl genreweisend.
Die Crew, die sich ständig erweitert, ist froh über den kommerziellen Erfolg. In England herrscht Aufbruchstimmung – man hofft auf ähnlichen Erfolg wie die amerikanischen Kollegen. Vor kurzem wurden JME und Skepta im Team begrüßt, neuer musikalischer Input ist immer willkommen und genauso gerne, wie man im Plattenschrank der Eltern nach Inspiration sucht, werden neue Mitglieder bei Roll Deep integriert. Hauptsache, sie haben den Flow. An den einzelnen Tracks sind auch nicht immer alle beteiligt, jeder der drei Produzenten arbeitet zu Hause an Beats, die dann entweder gemeinsam oder solo im Studio ausproduziert werden, dann probieren sich verschiedene MCs an den Tracks und heraus kommt eine bunte Mischung. Flow Dan, Jet Le, Karnge, Tri M, Danny, Breeze, Scratchy, Riko, Wiley, Target, Danny Weed, Maximum, Brazen, Roachee lieben Musik und Humor haben sie auch.
Die neuen 15 Mitglieder haben gerade einen Remix für Jermaine Dupri fertig gestellt, in Arbeit ist ein Bob-Marley-Remix und wenn alles gut ist, wird bestimmt auch bald Targets Traum erfüllt, von Kanye West geremixt zu werden. Endlich hat Europa seine eigene G-Unit.

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Elektronische Lebensaspekte.