Skaten in UK? Das ist bis jetzt undokumentiert. Aber Film/DVD von Winstan Whitter rollt die Geschichte vom Slalom bis zur Halfpipe erschöpfend auf: Bretter, Tricks, Moden, Gesichter. And the old ones are still boarding.
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 95

Skaten unterm Union Jack
Rollin’ through the Decades

Anfang der siebziger Jahre wurde auch an den kühlen Atlantik-Küsten Großbritanniens gesurft und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die erste große Skateboard-Welle aus den USA über den Atlantik nach Brighton oder London schwappte. Innerhalb von kürzester Zeit waren auch die Kids im Vereinten Königreich mit ihren Decks unterwegs. Alles noch pre-oldschool, ganz akkurat um gute Haltungsnoten bemüht. Das änderte sich wie wohl überall da, wo schon geskatet wurde, schlagartig, als den britischen Skatern die ersten Bilder der Dogwton-Posse um Stacy Peralta, Jay Adams und Tony Alva in die Finger kamen. Von da an hieß es auch in Großbritannien ”Skate and Destroy“.

Nachdem Stacy Peralta vor vier Jahren mit seiner Dokumentation ”Dogtown & Z-Boys“ das definitive Testament der Goldenen Skate-Ära abgeliefert hat, hat sich jetzt Winstan Whitter daran gemacht, die Geschichte des Skatens in Großbritannien in einer Dokumentation nachzuerzählen. ”Rollin through the decades“ zeichnet mit etlichen Interviews und einer ganzen Menge original Footage aus den einzelnen Jahrzehnten die achterbahnfahrtgleiche Entwicklung des UK-Skatens von den Anfängen in den frühen Siebzigern bis heute auf ganz ähnliche Weise nach. Vom Glamour, den die ersten großen Skate-Idole aus Venice versprühten, kam in London, Brighton oder Birmingham jedoch nicht viel an. Oder wie es in einem der Interviews lakonisch heißt: ”In america skateboarding was glamorous here it was not.“ Was die Dokumentation allerdings kein bisschen weniger unterhaltsam macht.

Was der Dogwton-Posse der Pacific Ocean Park zwischen Santa Monica und Venice Beach und die unzähligen leer gepumpten Pools in Los Angeles waren, war und ist für die Londoner Skater die South Bank. Das Kunst- und Kulturzentrum wurde Anfang der Siebziger gebaut und seine Terrassen-artige Architektur, die das komplette Erdgeschoss überdacht und unbenutzt ließ und mit seinen Banks einen perfekten Skate-Spot darstellte, der Tag und Nacht befahrbar war, wurde zwangsläufig für ausdauernde Skate-Sessions umfunktioniert. Seitdem gibt es ein ewiges Hin und Her aus Zusammenarbeit und Eskalation zwischen den Kids und den wechselnden Verwaltern der South Bank.

Wo die Macher und Protagonisten von ”Dogtown & Z-Boys“ die Geschichtsbücher auf ihrer Seite wissen und mit dieser Sicherheit einfach ihren eigenen, ehrlich verdienten Mythos abfeiern können, merkt man ”Rollin through the decades“ an, dass es allen Beteiligten nicht allein darum geht, ihre Geschichte nachzuerzählen, sondern sie verfolgen einen quasi aufklärerischen Auftrag. Oder wie es auf der Webseite zum Film heißt: “Skateboarders need to be heard in the Greater London Authority, perhaps represented by a panel of people who understand the issues, so that skaters don’t lose out as they have in the past.”

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Elektronische Lebensaspekte.